Heinrich Maschendorf betreibt in dritter Generationen Tabakanbau in norddeutschen Gefilden

Exotische Ackerfrüchte aus Schwarme

Heinrich Maschendorf mit seinen Tabakpflanzen.

Bruchhausen - SCHWARME (brm) China, Brasilien, Schwarme – eine ungewöhnliche Aufzählung. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn Asien, Südamerika und das 2 500-Seelendorf im Landkreis Diepholz haben eine gemeinsame Schnittmenge: Tabak. Und der steht derzeit in voller Blüte.

Gemächlich tuckernd bahnt sich die stelzbeinige Erntemaschine von Landwirt Heinrich Maschendorf ihren Weg durch die Reihen mit den hohen, großblättrigen Pflanzen. Es handelt sich um Tabak der Sorte Virgin – kein alltäglicher Anblick auf norddeutschen Äckern. Der Maschinen-Koloss bietet Platz für drei Tabakpflücker. Im Erntekorb landen nur die unteren Blätter der hochstämmigen Pflanzen. Ganz nebenbei werden Blüten und Triebe entfernt. „Die schwächen das Blatt“, erklärt der Tabakbauer. Und nur auf das kommt es an. Ist der Korb voll, wird die Glocke geläutet. Das Zeichen für den Mann mit den Spießen. Eine Etage höher, auf dem Dach der Maschine, erwartet der die Ernte, um sie auf lange Metalldornen zu stecken – Blatt für Blatt. „Früher haben wir die Arbeit noch mit Nadel und Faden erledigt“, erinnert sich Maschendorf. „Hatte alles keinen Wert“, erzählt der Landwirt. „Hinterher mussten wir die Nylonschnüre von Hand wieder heraustrennen. Das hat nicht nur ewig gedauert, das ging auch auf die Finger.“

Einzug auf Maschendorfs Acker hielt der Tabak 1947. Eine Zeit, in der der Anbau als kleines Zubrot in der Gegend noch durchaus üblich war. Ende der 60er-Jahre war sein Vater allerdings der Einzige, der seinen Lebensunterhalt mit der exotischen Ackerfrucht bestritt. Heinrich Maschendorf stieg nach seiner Ausbildung in den Betrieb mit ein.

Für die Tabakblätter geht es nach der Ernte in die Trockenanlage. Hier hängen die großen Blätter, um ihre Farbe innerhalb von sechs Tagen von grün zu hellgelb zu wechseln. Auf dem Sortierband müssen sie sich anschließend den kritischen Blicken der Mitarbeiter aussetzen. Was nicht erste Qualität ist, wird kurzerhand aussortiert. Ist die Prüfung bestanden, geht es ab nach Karlsruhe. Hier wird der milde, helle Virgin mit anderen Sorten zum sogenannten Blend gemischt und bis nach Ägypten verkauft.

Dass Maschendorfs 20 bis 25 Tonnen Ernte global betrachtet eine eher kleine Rolle spielt, ist dem Landwirt bewusst. Auch wenn er mit den Preisen internationaler Großanbieter nicht mithalten könne, sei es bisher nicht zu Absatzproblemen gekommen. Grund dafür sei die Sorte. „Die ist begehrt“, erklärt er. Sorge bereite ihm lediglich die angekündigte Subventionskürzung für das kommende Jahr. „Wenn die Industrie die Differenz nicht ausgleicht, muss ich aufgeben“, lautet seine nüchterne Prognose. Ein Wechsel zu Gemüse- oder Getreideanbau mache in seinem Fall keinen Sinn mehr. „Ich kenne mich nur mit Tabak aus – ich habe mein Leben lang nichts anderes gemacht.“

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