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Existenzangst bei Taxi-Unternehmen auch im Kreis Diepholz

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Von: Anke Seidel

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Eine lange Durststrecke haben Taxi-Unternehmen auch im Landkreis Diepholz. Sie hoffen auf schnelle Entlastung.
Eine lange Durststrecke haben Taxi-Unternehmen auch im Landkreis Diepholz. Sie hoffen auf schnelle Entlastung. © Michael Dümer

Corona hat das Verkehrsgewerbe in Niedersachsen nicht in die Knie gezwungen. Die aktuelle Spritpreiserhöhung könnte das schaffen, warnt die GVN.

Landkreis Diepholz – „Was Corona nicht geschafft hat, könnten die Spritpreise schaffen“, warnt Mathias Krage als Präsident des Gesamtverbands Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN). Wegen der extrem hohen Diesel-Preise drohe auch Taxi- und Mietwagenunternehmen sowie Busunternehmen die Insolvenz. Die Lage ist sehr schwierig, bestätigt Günter Schweers als Kreisvorsitzender der Kraftdroschken- und Mietwagenvereinigung Diepholz auf Anfrage. Darin haben sich Taxi- und Mietwagenbetreiber im Landkreis Diepholz zusammengeschlossen.

Unternehmer Günter Schweers hofft auf Tankrabatt als Soforthilfe

Zwei schwierige Jahre mit hohen Umsatzausfällen hat Corona ihnen gebracht, so Günter Schweers. „Es gab keine Veranstaltungen, keine Events, keine privaten Feiern“, blickt er auf eine Zeit, in der Taxis nicht gefragt waren. Allein Schülerbeförderung und Krankenfahrten seien geblieben. „Wir haben die zwei Jahre durchgestanden“, bilanziert Schweers. Aber jetzt verschärfe sich die Lage durch die hohen Treibstoffkosten noch einmal extrem – in einer Zeit, in der die Taxi- und Mietwagenbetreiber genauso die Erhöhung des Mindestlohns umsetzen müssen. Dass die Mitarbeiter mehr Geld erhalten sollen, begrüßt Günter Schweers. „Aber die Mehrkosten müssen wir natürlich genauso weitergeben wie zum Beispiel der Friseur oder der Bäcker.“

Jetzt, in der akuten Treibstoff-Hochpreisphase, dulde finanzielle Entlastung keinen Aufschub: „Wir hoffen auf den Tankrabatt, das wäre eine Soforthilfe.“ Denn die Lage sei für alle „hochgradig schwierig“, so Schweers.

Aber auch strukturell brauchen die Taxiunternehmer im Landkreis Unterstützung, stellt Günter Schweers klar. Denn frei gestalten dürfen sie ihre Preise nicht, die Beförderungsentgelte legt der Landkreis Diepholz fest. Für Taxen gilt die sogenannte Bereithaltungspflicht – damit Bürger auch nachts die Chance auf eine Fahrt haben, wenn sie beispielsweise zum Flughafen müssen.

Landkreis prüft Anspruch auf Vertragsanpassung bezüglich der Entgelte

Zuletzt hatte der Kreistag 2019 über die Taxenordnung beschlossen und die Entgelte erhöht. „Im Rahmen des Inflationsausgleichs und in Relation zu den anderen Tarifen in Niedersachsen“, hatte die Kreisverwaltung ihren Vorschlag damals begründet. Über einen neuerlichen Antrag müsste erneut der Kreistag entscheiden.

Zumindest in einem Bereich ist Entlastung in Sicht: Dort, wo Schülerbeförderung nur per Taxi oder Kleinbus leistbar ist, gibt es laut Erstem Kreisrat Wolfram van Lessen eine Preisgleitklausel in den Verträgen. Maßgebend sei dabei der Index des Statistischen Bundesamtes in relevanten Bereichen.

Auf dieser Basis würden die Preise einmal im Jahr angepasst – entweder nach oben oder nach unten, je nach Entwicklung. Nun müsse geklärt werden, ob zum jetzigen Zeitpunkt ein Anspruch auf Vertragsanpassung bestehe. „Das prüfen wir gerade“, so der Erste Kreisrat.

Grundsätzlich müssten alle Faktoren der Kosten-Nutzen-Rechnung berücksichtigt werden, gibt Wolfram van Lessen zu bedenken. Demnach schlagen die Treibstoffpreise dabei mit etwa einem Fünftel zu Buche.

Taxi-Betriebe überlegen, zu Mietwagen-Unternehmen zu werden

Wie ist die Lage bei den Busunternehmen, die im Landkreis Diepholz die Schülerbeförderung leisten? Dort gebe es automatische Anpassungsklauseln, antwortet der Erste Kreisrat. „Das war schon vorgegeben bei der Ausschreibung“, blickt Wolfram van Lessen zurück auf die Vergabe der Aufträge. Gerade im Flächenlandkreis Diepholz ist die Mobilität sehr wichtig: „Wir brauchen die Unternehmen der Schülerbeförderung.“ Während der Schulschließungen aufgrund der Pandemie habe man eine „sehr faire Lösung“ praktiziert und ihnen einen Teil der Entgelte weiter gezahlt.

Leo Wilmering, Betreiber der Verkehrsbetriebe Diepholz Nord und Diepholz Süd, bestätigt auf Anfrage die Wirkung der Anpassungsklauseln: „Die Abschläge sind schon ein bisschen erhöht worden.“ Alle würden sich freuen, wenn die Situation sich entspannen und der Dieselpreis sinken würde. Denn das Geld könne sicher besser verwendet werden, „als es in den Tank zu stecken“.

Günter Schweers und seine Kollegen in der Taxi- und Mietwagenbranche hoffen indes weiterhin auf eine schnelle und wirksame Entlastung, weil der Druck so enorm groß sei: „Eigentlich müssten wir den Betrieb einstellen.“ Nicht wenige in der Branche würden überlegen, den Taxi-Betrieb auf ein Mietwagen-Unternehmen umzustellen. Dann nämlich könnten sie ihre Preise selbst bestimmen. Aber dann gebe es auch keine Beförderungspflicht mehr – und besagte nächtliche Fahrt zum Flughafen womöglich nicht. Das wolle niemand, betont Günter Schweers. Und fügt hinzu: „Alle sind in der Verantwortung.“

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