Der Historiker Dr. Bernd Florath referierte im Ratssaal über die Widerstandsgruppe „Europäische Union“ im Nazi-Deutschland

Erinnern an die vielen stillen Helden als Verpflichtung

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Dr. Bernd Florath referierte über stille Helden. ·

Syke - „Sich zu erinnern muss Verpflichtung sein. Der Dank gilt dem örtlichen Arbeitskreis 9. November, der sich dieser Aufgabe immer wieder annimmt“, erklärte Ortsbürgermeisterin Gabriele Beständig am Freitagabend im Ratssaal. Anlass war ein Vortrag zum internationalen Holocaust-Gedenktag und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 67 Jahren. Gekommen waren nur wenige Gäste.

Referent war Dr. Bernd Florath, Mitarbeiter der Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen. Der Historiker stellte die „Stillen Helden“ vor. Menschen, die in der Widerstandsgruppe „Europäische Union“ Verfolgten in der Nazi-Zeit halfen, denen diese Hilfe aber selbst Haft und Tod einbrachten.

Für die Besucher im Ratssaal wurde die Widerstandsgruppe wohl erstmals bekannt und transparent. Im Juli 1943 trafen sich der Physikochemiker Robert Havemann, der Arzt Georg Groscurth, der Dentist Paul Rentsch und der Architekt Herbert Richter, ein Schüler von Heinrich Vogeler. Sie verurteilten das unmenschliche Verhalten der Nazischergen und wirkten dem entgegen. Sie riskierten dabei selbst ihr Leben, um den Verfolgten zu helfen, vorrangig Juden, Zwangsarbeitern, Sozialdemokraten und Kommunisten.

Die Intellektuellen bauten ein Netzwerk auf, dem auch bekannte Namen wie die der Verleger Helmut Kindler und Klaus Pieper angehörten.

Für die Opfer organisierten sie Quartiere, immer wieder neue Verstecke, beispielsweise in den Berliner Laubenkolonien. Sie besorgten Lebensmittel, Kleidung, Geld und ärztliche Hilfe. Das gelang nur illegal und mit Menschen, die sich absolut der Sache widmeten.

Florath machte deutlich, wie der Apparat der NSDAP und der Gestapo funktionierte und wie es teilweise der Gruppe gelang, die Schikanen und Verfolgungen zu umgehen. Viele Frauen und Männern waren bei der Hilfe beteiligt. Selbst unter den Nazis hat es laut Florath welche gegeben, die zum Teil wegschauten und gewähren ließen, oder mit einer Unterschrift oder Lebensmittelmarken halfen.

„Sie waren sich sehr wohl bewusst, dass das Regime nicht rechtens war und sein konnte“, so der Historiker.

Die Widerstandsgruppe „Europäische Union“ und ihre vielen Helfer haben dem Ausland über die Verbrechen der Nationalsozialisten Informationen zukommen lassen und sich den grausamen Praktiken der Nazis in den Weg gestellt. Sie haben Unmögliches möglich gemacht, uneigennützig und so weit es machbar war.

Der Referent hat mit seinem Vortrag dazu beigetragen, ein Stück Geschichte lebendig werden zu lassen. Eine Geschichte, die berührt, auch beschämt und leider vielfach gern vergessen wird.

In der Rosenthaler Straße 39 in Berlin gibt es die Gedenkstätte „Stille Helden“ über Menschen, die während der Zeit des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte anderen Menschen halfen, mutig bis hin zur eigenen Verhaftung. Außer Robert Havemann haben sie ihr Engagement mit ihrem Leben bezahlt.

Ihnen gilt es auch nach Jahrzehnten wenigstens erinnernd zu danken.

Wer mehr über die Widerstandsgruppe der „Europäischen Union“ erfahren möchte, kann dies in der Bassumer Freudenburg am 12. April. Bernd Florath hält einen Kurs. Anmeldungen sind unter 04242/976 44 44 bei der Volkshochschule möglich. · iv

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