25 Jahre „Cinema“ in Twistringen

„Erbitterte Kämpfe“ mit der Kirche

Bassum - TWISTRINGEN (tw) · Keine offizielle Jubiläumsfeier, dafür aber seit Donnerstag eine Woche lang herabgesetzte Eintrittspreise für Kino-Fans: Das Twistringer „Cinema“, von Franz-Josef Glandorf im September 1984 neu eröffnet, feiert in diesen Tagen sein 25-jähriges Bestehen.

Inzwischen hat Sohn Holger, der sich schwerpunktmäßig um den 1992 begründeten „Filmpalast“ in Sulingen kümmert, den Betrieb übernommen. Sein zuverlässiger Mitarbeiter und Filmvorführer in Twistringen ist seit Ende 2004 der Nienburger Kai Bösche. „Zehn Wochen lang ist Harry Potter gelaufen“, freut sich der 42-Jährige.

Ab heute laufen „Wickie und die starken Männer“ über die Leinwand. Und Glandorf senior erinnert an die Anfänge in Twistringen. 1913 eröffnete J. C. Timmermann im Central-Hotel die „Central-Lichtspielbühne“, um „hoch dezentes Familienprogramm, wissenschaftliche und belehrende Filme“ zu zeigen. Die Gegnerschaft ließ nicht lange auf sich warten, allen voran der damalige Pastor Ganseforth. Er schrieb: „...vielfach dient es der groben Sinnlichkeit des Menschen, stachelt die niedrigen sinnlichen Leidenschaften auf, verdirbt die Phantasie und wirkt so ähnlich wie das Lesen schlechter Bücher...“ Anfang der 30-er Jahre richtete Albert Mohrmann an der Großen Straße die „Schauburg“ als einziges Tonfilmtheater zwischen Bremen und Osnabrück ein. Betrieben wurde es bis in die 50-er Jahre hinein.

Noch in den 1960-er Jahren warnte die katholische Kirche vor gefährlichen Kinofilmen, auch vor Igmar Bergmans „Das Schweigen“ (1964). Farbschmierereien, zerschlagene Scheiben der Schaukästen. „Erbitterte Kämpfe“ habe man mit der Geistlichkeit ausgefochten, so Franz-Josef Glandorf, der 1951 in der Gaststätte Gehrken sein erstes Kino einrichtet hatte: „Bahnhofslichtspiele“ (Bali) – allerdings nur bis 1966. Davor hatte Mohrmann sein Central-Theater neu gebaut. Als die Fernseher boomten, schloss auch er seine Kino-Pforten.

Einen Neuanfang wagte Franz-Josef Glandorf 1984 mit dem „Cinema“ an der Bahnhofstraße. Seine Überzeugung: Die große Leinwand biete ein viel intensiveres Filmerlebnis. Er sollte Recht behalten. Das rund 100 Plätze-Verzehrkino läuft immer noch. (Quelle: „750 Jahre Twistringen“, Stadtarchiv)

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