Ian Bruce und Victor Besch glänzten mit „Burns et cetera“ in der Wassermühle

Entspannter Genuss

Schenkten ihrem Publikum auf ganz entspannte Weise einen wunderschönen Konzertabend in der Barrier Wassermühle: Victor Besch und Ian Bruce.

Syke - BARRIEN · „Huch – die sind ja schon da!“ – Erst auf den zweiten Blick fallen die beiden Männer auf, die da am großen Tisch sitzen und Tee trinken. Vor allem der eine passt mit seiner speckigen Lederhose und der noch speckigeren Lederweste optisch nicht so ganz zum Barrier Wassermühlenpublikum: Ian Bruce. Sein Bühnenpartner Victor Besch taucht hingegen geradezu in der Menge unter.

Dann müssen sie Platz machen: Die Gäste kommen, die Stühle sind reserviert. Also setzen sich Bruce und Besh auf die Treppenstufen und schlürfen ihren Tee zuende. Und dann – kaum hörbar, ganz leise – singen sie sich ein. Mitten auf der Treppe, während um sie herum Gäste und Bedienungen wuseln. Andere gehen dazu in irgendeinen Nebenraum.

Vielleicht würden die beiden bodenständigen Musiker so etwas als Starallüren abtun. Vielleicht stören sie sich aber einfach nur nicht an dieser unmittelbaren Nähe zum Publikum schon vor dem eigentlichen Auftritt. Wie sie es schaffen, bei dieser Geräuschkulisse auch noch nach bloßem Gehör ihre Gitarren zu stimmen, lässt sich vermutlich nur mit jahrzehntelanger Übung erklären.

„Burns et cetera“ lautet das Motto ihres aktuellen Programms. Die vertonten Gedichte des bis heute als wichtigsten schottischen Dichter angesehenen Robert Burns (1759 - 1796) bilden den thematischen Schwerpunkt. Hochpoetische Texte mit zum Teil sozialkritischen Aspekten, aber zum anderen Teil auch durchdrungen von einer mitunter schon schwülstigen Süße. Gekleidet sind sie in teils zeitgenössische, teils später komponierte Melodien. Sehr gefühlvoll und butterweich, wie man es auf dem Kontinent für das Genre „Celtic Folk“ eben so erwartet.

Das „et cetera“ sind meist Eigenkompositionen von Ian Bruce, der sich an dieser Stelle einen qualitativen Vergleich seiner Lyrik mit der von Robert Burns sicher entschieden verbitten würde. Belassen wir es also bei der Feststellung, dass seine eigenen Texte keineswegs schwülstig sind und seine eigenen Melodien nicht weniger unter die Haut gehen als die historischen Vorbilder.

Der in Bremen lebende Walliser Victor Besch agiert überwiegend in der Rolle des Begleitmusikers. An der zweiten Gitarre, am Akkordeon, an der Flöte. Auch gesanglich begnügt sich Besch oft mit der zweiten Stimme. Doch mit dem „toten Haggis, an dem noch die Beine dran sind“, dem Dudelsack, tritt er mehrmals sogar als Solist in Erscheinung.

Klanglich ist seine warme, weiche Stimme eine perfekte Ergänzung zur schärferen, brillanteren Stimme von Ian Bruce. Der entlockt seiner Gitarre mit häufig herunter gestimmter E-Saite und  einem für Normalsterbliche äußerst sympathischen Dreieinhalb-Finger-Picking eine mitunter schon verblüffende Klangfülle.

Und da die beiden Musiker auch noch mit dem nötigen Quantum schwarzen Humors und Selbstironie gesegnet sind, werden auch die Pausen zwischen den Stücken nicht langweilig. „Ein sehr traditionelles Stück“, sagt Vic die nächste Nummer an. „Und je länger Ian braucht, um seine Gitarre zu stimmen, desto traditioneller wird es.“

Vergleichsweise untraditionell endet das Konzert nach mehreren Zugaben mit einer Nummer von Sam Cooke, dem Erfinder des Soul:  „Saturday night and I ain‘t got nobody“. Passt trotzdem. Und dann sitzen Ian und Vic wieder auf der Treppe, plaudern noch ein wenig mit den Gästen und lassen herrlich unaufgeregt einen wunderschönen Abend ausklingen…

· Michael Walter

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