Das Wissen des Museumseisenbahners Gerhard Moll ist bundesweit gefragt / Filmdreh im Flecken

Einer vom Typ „Koryphäe“

Gerhard Moll (r.) mit Dokumentarfilmer Detlev Luckmann vor der Lokomotive „Plettenberg“.

Br.-Vilsen - (ah) · Es gibt, so heißt es, zwei Typen von Fans historischer Eisenbahnen: Die einen dokumentieren die Geschichte der Züge und der Strecken, auf denen diese unterwegs sind beziehungsweise waren. Die anderen bringen sich aktiv in einem Verein ein. Für Gerhard Moll müsste man eigentlich einen dritten Typ erfinden: den, ohne dessen Wissen bei einer Museumseisenbahn nichts gehen würde; den Typ „Koryphäe“.

Bundesweit ist Molls Wissen bei Rekonstruktionen alter Lokomotiven gefragt. Er ist Autor und Co-Autor diverser Publikationen über Eisenbahnen. Kaum eine Dampflok-Baureihe, über die er nicht schon geschrieben hätte. Der Deutsche Eisenbahnverein (DEV) Bruchhausen-Vilsen kann sich also glücklich schätzen, dass Moll ein Mitglied der ersten Stunde ist. Er stand sogar im Führerhaus der „Bruchhausen“, als diese im Juli 1966 als erste Lokomotive der Museumseisenbahn auf die Schmalspurstrecke von Bruchhausen-Vilsen nach Asendorf ging.

Gefühlt hat Moll sein halbes Leben in Lokomotiven verbracht. Beruflich war der heute 77-Jährige für die Deutsche Bahn im Einsatz. „Von 1955 bis 1965 auf Dampf“, erklärt Moll, der einen Großteil der Dampfsonderzüge der DB gefahren hat. Später waren es Triebwagen und Elektroloks. „Spielzeuge“ waren die Zugmaschinen der Museumsbahn für ihn trotzdem nicht. Im Gegenteil: „Die Reibungsfläche ist bei den Schmalspurgleisen nicht so groß. Da muss schon aufpassen beim Bremsen und Anfahren.“

Die Umschulung auf E-Loks behagte Moll überhaupt nicht, sie sei ihm sogar schwer gefallen, gibt er zu. Der Mann passt eben eher in die Schublade „Mechaniker“. Vor seiner Zeit als Lokführer absolvierte Moll eine Ausbildung zum Schlosser. „Sonst kam man bei der DB gar nicht in den Fahrdienst“, erklärt er. Gerade in einer kleinen Dienststelle wie Erndtebrück (Rothaargebirge), wo Moll tätig war, musste der Lokführer schon mal improvisieren. Denn: „Ersatzteillager hatten nur die großen Dienststellen.“

Wann immer es ihm seine Zeit erlaubte, machte sich Moll von seinem Heimatort Hilchenbach (Rothaarsteig) auf den Weg nach Bruchhausen-Vilsen und schraubte in der Betriebswerkstatt des DEV an den alten Loks. „Das war immer ein weiter Weg“, sagt Moll. „Doch den habe ich gerne auf mich genommen.“ Umziehen wollte er für sein Hobby aber nicht. Er sei bodenständig – und trotzdem immer auf Gleisen unterwegs gewesen. Bei Eisenbahnern muss das kein Widerspruch sein.

Unzählige Male hat der DEV von den handwerklichen Fähigkeiten des Schlossers profitiert. Ersatzteile fertigte er in seiner eigenen kleinen Werkstatt an, in der zwei Drehbänke stehen. „Die meisten Armaturen der Loks hier – Griffe und Handräder – habe ich gemacht“, sagt Moll. Und er gilt als Koryphäe in Sachen Luftsaugertechnik (Vakuumbremse). „Ein Buch mit sieben Siegeln“, bestätigt Museumseisenbahner Max Demmler aus Lüneburg. „Es gibt kaum noch Leute, die das beherrschen.“ Sein Wissen an den Nachwuchs weiterzugeben, ist Moll seit Jahrzehnten bestrebt. Er gibt sich optimistisch: „Viele von den jungen Mitgliedern interessieren sich sehr für Technik.“

Aus gesundheitlichen Gründen hatte Moll bei der DB zuletzt nur noch einen Bürojob, 1999 ist er ganz ausgestiegen. Seine Abstecher nach Bruchhausen-Vilsen sind ebenfalls seltener geworden – auch wenn Demmler scherzhaft anmahnt: „Du weißt ja, Teilzeit ist bei uns erst ab 80.“

Kürzlich gab es mal wieder einen Anlass für einen Besuch im Flecken: Die JS-Filmproduktion aus Iserlohn führte Moll mit dem 79-jährigen Dokumentar Detlev Luckmann zusammen. Luckmann hatte Anfang der 60er-Jahre einen zehnminütigen 8-Millimeter-Film über alte Loks gedreht, die das Filmteam mit aktuellen Aufnahmen aufbereiten wollte. Und so standen die beiden zusammen vor der Lok „Plettenberg“, der Typ Dokumentar und der Typ Koryphäe, und brachten es auf 156 Jahre geballtes Wissen über Museumseisenbahnen. Auf diesen Film darf man jetzt schon gespannt sein.

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