Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte gestern Morgen vier Stolpersteine in Bassum

Eine Verbeugung vor den Opfern

Vier Stolpersteine verlegte Gunter Demnig gestern Morgen in Bassum.

Bassum - BASSUM (al) · Bassum gehört zu den 518 Gemeinden und Städten in ganz Deutschland, in denen Stolpersteine verlegt wurden. Der Künstler Gunter Demnig erinnert mit diesem Projekt an die Opfer des Nationalsozialismus, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Boden einlässt. In Bassum verlegte Demnig gestern vier Steine.

Vor dem Haus Bahnhofstraße 8 erinnert ein Stolperstein an Helmut Rosenberg, an der Syker Straße 11 wird Josefine und Leopold Baehr gedacht. Der vierte Stein ist für Wilhelm Bonhorst, der bis zu seiner Einweisung in die Heilanstalt Hadamar an der Kirchstraße 15 lebte.

Leider blieben der Künstler und die Vertreter der Politik und Verwaltung gestern Morgen unter sich. Vielleicht lag es an der frühen Stunde, dass sich kaum Zuschauer einfanden. Bereits um 8.30 Uhr hatte die Stadt zu einem Empfang in das Rathaus eingeladen, bevor man sich zusammen auf den Weg zu den Verlegeorten machte.

Gunter Demnig ließ es sich nicht nehmen, vorab ein paar einleitende Worte zu sagen. Vor allem dankte er den Initiatoren, dass er sein Projekt, das er 1993 startete, auch in Bassum realisieren kann. „Als die Idee geboren wurde, dachte ich, es wird ein konzeptionelles Kunstwerk für den Aktenordner“, gestand Demnig. Nie hätte er sich diese Resonanz träumen lassen. Mittlerweile liegen Stolpersteine auch im europäischen Ausland. „Im Januar bin ich in Rom. 2011 in Frankreich und auch Norwegen möchte sich beteiligen“, so der Künstler.

Natürlich gebe es auch Kritiker. Demnig nimmt es mit Humor: „ In neun Jahren gab es nur drei Morddrohungen, das geht ja noch.“

Den Kritikern setzt er immer wieder Äußerungen von Jugendlichen und Zeitzeugen entgegen: „Es gab und gibt viele, die extra anreisen, aus Amerika, England, sogar aus Neuseeland, um bei der Verlegung dabei zu sein“, berichtet Demnig. Ein Engländer hätte zu ihm einmal gesagt: „Für mich sind das keine Grabsteine, sondern Schlusssteine. Nun kann ich zurück nach Hause fahren, aber ich kann auch wieder nach Deutschland kommen. Das konnte ich vorher nicht.“

Sehr viel Wert legt Demnig auf die Arbeit mit Jugendlichen. Seine Erfahrung: „Das Thema Nationalsozialismus ist für viele junge Menschen abstrakt. Wenn sie im Unterricht jedoch intensiv das Schicksal einer Familie recherchieren, für das Projekt Stolpersteine, dann wird das Thema real.“ Die schönsten Beschreibungen der Stolpersteine hätten Schüler beigesteuert, erklärt der Künstler. Nämlich „man stolpert mit dem Kopf und dem Herzen“. Eine andere Stimme lautet „Wenn du den Stein lesen möchtest, musst du dich verbeugen.“

Auch Helmut Zurmühlen (CDU) und Luzia Moldenhauer (SPD) betonten in ihrer kurzen Begrüßung die Notwendigkeit solcher Projekte, „um die Erinnerung wach zu halten“, und um zu „lernen nachzufragen“. „Die größten Übeltäter sind die, die sich nicht erinnern“, so Moldenhauer. Sie dankte auch dem Archivar Klaus Mencke, der akribisch die Recherchen übernommen hatte, um die Namen der Opfer und deren Geschichte zu ermitteln.

Gedacht wird an: Helmut Rosenberg, Jahrgang 1924, nach Minsk deportiert, in Auschwitz ermordet. Josefine Baehr, geborene Roberg, Jahrgang 1882, gedemütigt, entrechtet, Flucht in den Tod am 11.11.1938. Leopold Baehr, Jahrgang 1873, deportiert 1942 nach Minsk, ermordet am 28.7.1942. Wilhelm Rosenberg, Jahrgang 1907, eingewiesen in die Heilanstalt Hadamar am 9.6.1941, ermordet im Juni 1941.

Die Stolpersteine gehen auf einen Antrag der SPD zurück und werden durch Spenden finanziert. Darüber hinaus wurde seitens der Politik auch die Aufstellung einer Gedenktafel beschlossen. Termin: 8. Mai 2010.

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