„The Cavern Beatles“ organisieren Tauchgang in musikalische Glanzzeiten

Eine perfekte Illusion

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Ein tief berührtes Publikum empfing „The Cavern Beatles“ zum wiederholten Male in Diepholz. Zwar nicht total ausflippend, aber sichtlich genießend.

Brauns-Bömerman - Von SimoneDIEPHOLZ · Von Liverpool mit Liebe über Diepholz in die Welt: „The Cavern Beatles“ schafften im Theater der Stadt Diepholz den schwierigen Spagat, das Hier und Jetzt mit der oft glorifizierten Vergangenheit perfekt zu verbinden. Die mehr als 400 Fans waren begeistert und fühlten sich zurückversetzt in eine musikalische Glanzzeit.

Ihnen ist der Liverpooler Dialekt angeboren, den andere nie richtig erlernen. Sie leben die Musik von John, Paul, George und Ringo, sie sind die perfekte Illusion: Als zurzeit wohl beste Tribute-Band der legendären „Fab Four“, die den Lauf der Popmusik einschneidend für die Ewigkeit veränderten, brillierten „The Cavern Beatles“ als Vokal- und Instrumentalisten. Sie verzauberten das Publikum optisch und authentisch.

Die Zeitreise, die die vier Musiker am Freitagabend gemeinsam mit ihrem Publikum antraten, enthüllte die kulturellen und politischen Einflüsse. Sie wiederholten jugendliche Rebellion. Und gegen Ende der musikgeschichtlichen Reise der bekanntesten Band der Welt aus Liverpool mit starken Wurzeln in Hamburg, erspielte sich die Cover-Band ihr Eigenleben. Sie trat einen Schritt zur Seite, aus dem Schatten der Weltmusiker heraus, hin zur eigenen Identität.

Im Gegensatz zu vielen heutigen Musikern, hatten die Beatles einen unersättlichen Appetit auf ein unglaublich breites Spektrum an Musik. Ihre anfänglichen Helden waren die „Everly Brothers“ und „Little Richard“. Ihre schwarzen Anzüge, dazu die steife Haltung und die Pilzköpfe muten heute zwar eher brav an, revolutionierten aber die musikalische Welt Anfang der 60er Jahre. Der, der die Echten kannte, ist heute Schirmherr der Tribute-Band: Horst Fascher, Mitbegründer und Geschäftsführer des Hamburger Star-Clubs.

Seit 2011 existiert eine neue Formation der 1989 gegründeten Cover-Band – mit Paul Tudhope (alias John Lennon), Steve White (Paul McCartney), Craig Gamble (George Harrison) und Simon Ramsden (Ringo Starr). Sie waren es, die in Diepholz kamen, sahen und siegten. Die Front des Schlagzeuges zeigte die wechselnden Musik-Ären an. Das legitimierte „Cavern-Club-Label“ über „Sergeant Pepper´s-Lonely-Hearts-Club-Band“ bis zum roten „Soft- and Let´s-have-love“-Logo führten optisch durch die mehr als 20 Jahre der Beatlemania.

Der heute immer viel diskutierten Frage, welche Weltband die besseren Songs schrieb, die Beatles oder die Rolling Stones, traten „The Cavern Beatles“ souverän gegenüber, denn eigentlich waren die Mitglieder beider Bands sogar recht gut befreundet. Gegen Ende des fulminanten Konzertes wurden die Beatles mehr und mehr zu echten Individuen, raus aus der optischen Konformität. George Harrison gar nicht mehr Pilzkopf, stattdessen in schwarz-roter Längsstreifenjeans und Lederjacke.

Den Zuschauern wurde schnell deutlich, dass die Beatles-Coverband viel Wert auf die Details legt. Das geht sogar so weit, dass Rechtshänder Steve White gelernt hat, die Gitarre mit der linken Hand zu spielen. Denn sein Vorbild, Paul McCartney, spielt das Instrument ebenfalls mit links. „Steve übte lange, aber jetzt klappt es“, verriet Bandkollege Craig Gamble. Die Gitarre mit der linken Hand zu spielen, sei wichtig für das Gesamtbild auf der Bühne, verriet der Musiker weiter: „Dann sind die Gitarrenhälse in unterschiedliche Richtungen gerichtet und das Bild wird symmetrisch.“

Im ersten Teil des Konzertes rockten die Musiker aus der frühen Phase und lockten ihr Publikum aus der Reserve. Im zweiten Teil wurde es schrill und bunt im Hare-Krishna-Exkurs und Sitar-Klängen zu den finalen Soli von Paul mit „Hey Jude“, Ringo Starr und „Yellow Submarine“ oder Georges Herz aufweichendem Superhit „While my guitar gently weeps“. Entlang der Pennylane und durch Strawberry Fields for ever – das waren und sind die Beatles, auch als Tribute und mit ihren ausgeflippten ergrauten Fans.

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