Freiheitsstrafen auf Bewährung und Auflagen für Ehepaar B. aus Dörrieloh

Eine letzte Chance

DÖRRIELOH - Von Sylvia Wendt · Ein Jahr Freiheitsstrafe für Karlheinz B. und ein Jahr und acht Monate für Ehefrau Barbara, beides ausgesetzt auf fünf Jahre zur Bewährung. Das Ehepaar, das des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angeklagt war, hat auch ein fünf Jahre geltendes Halteverbot für Hunde und Katzen auferlegt bekommen.

Obendrein muss es eng mit dem Veterinäramt des Landkreises zusammenarbeiten, muss die Tiere, die noch auf dem Hof sind (Pferde, Hühner, Ziegen, Degus, Hängebauchschweine) nachweislich tierärztlich untersuchen lassen (Vorgabe: nicht beim bisherigen Tierarzt) und die Haltungsbedingungen grundlegend verbessern. Im ersten Jahr muss den Veterinären alle drei, im zweiten Jahr alle vier, im dritten bis fünften Jahr alle sechs Monate der Nachweis erbracht werden, dass die Tiere artgerecht gehalten werden. Kann zu einem Termin kein Veterinär die örtliche Situation prüfen, kann ein Tierarzt hinzugezogen werden, allerdings nicht der bisherige Tierarzt. Zudem hat das Ehepaar unaufgefordert jeden Wohnortwechsel anzuzeigen.

Sehr deutliche Worte fand Richterin Katja Pahl-Klenner gestern Morgen bei der Urteilsverkündung am Amtsgericht Sulingen gegen das Ehepaar B. aus Dörrieloh. Angesichts der Vorgeschichte und der Vorstrafen seien Geldstrafen nicht mehr möglich. Mit der Vielzahl der gehaltenen Tiere (über 100 Hunde wurden im November 2010 evakuiert, wir berichteten) und des langen Tatzeitraumes sei das sehr hohe Strafmaß zu begründen. Die Bewährung gelte auch andernorts, betonte Pahl-Klenner und zeigte dem Ehepaar damit auf, dass ein Wohnortwechsel genau verfolgt werde.

Bei Verstößen gegen die Auflagen wäre die Bewährung hinfällig. Richterin Pahl-Klenner hielt den Angeklagten zugute, dass sie am letzten Verhandlungstag geständig gewesen seien. Das Ehepaar sei nicht Tierquäler im eigentlichen Sinne. Es hätte den Tieren nicht bewusst Schmerzen zugefügt. Wohl aber bewusst in Kauf genommen, dass die Tiere nicht artgerecht gehalten würden – und ihnen damit Schmerzen und Leiden zugefügt.

Dem Veterinäramt bescheinigt Pahl-Klenner einen sachgerechten Umgang mit den Angeklagten. Man habe zunächst „mit den mildesten Mitteln“ versucht, die Tierhaltung der Angeklagten zu beeinflussen. Doch die hätten sich dem Amt gegenüber verschlossen: „Es wäre besser gewesen, wenn Sie die Angebote des Veterinäramtes angenommen hätten“, sagte die Richterin. Sie rügte auch die Menschen, die dem Tierschutz vermeintlich verbunden seien, von den Verhältnissen gewusst – aber nichts unternommen hätten. Besonders das „äußerst unprofessionelle Verhalten“ des behandelnden Tierarztes, das „weit entfernt von einer sorgsamen Behandlung eines Tierarztes“ sei, kritisierte Pahl-Klenner. Ebenso kritisiert wurde die Leiterin der Haus- und Wildtierhilfe Lüneburger Heide, die das Ehepaar unterstützt hat: „Beide haben diese Umstände mitgetragen.“ Ein lebenslanges und generelles Tierhaltungsverbot hielt Pahl-Klenner für unverhältnismäßig. Vielmehr sollen die Auflagen für die kommenden fünf Jahre es dem Ehepaar ermöglichen, „an den Umständen zu arbeiten“ und ihnen die Chance geben, „Einsicht zu entwickeln“. Tun sie das nicht, seien Gefängnisstrafen und ein generelles lebenslanges Tierhalteverbot sehr wohl und zügig denkbar. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Ursachensuche nach verheerendem Brücken-Einsturz in Genua

Ursachensuche nach verheerendem Brücken-Einsturz in Genua

Ford Focus im Test: Aller guten Dinge sind vier

Ford Focus im Test: Aller guten Dinge sind vier

Essen für Kinder selbst gemacht

Essen für Kinder selbst gemacht

Dramatische Bilder: Autobahnbrücke in Genua eingestürzt

Dramatische Bilder: Autobahnbrücke in Genua eingestürzt

Meistgelesene Artikel

Großbrand auf Bauernhof in Sulingen: Eine 60-Jährige verletzt

Großbrand auf Bauernhof in Sulingen: Eine 60-Jährige verletzt

Brand an der B6: Zahlreiche Autofahrer benachrichtigen Einsatzkräfte

Brand an der B6: Zahlreiche Autofahrer benachrichtigen Einsatzkräfte

Im Angesicht von Wespen: Bloß nicht pusten!

Im Angesicht von Wespen: Bloß nicht pusten!

Kinder haben vermehrt Probleme beim Fahrradfahren

Kinder haben vermehrt Probleme beim Fahrradfahren

Kommentare