„Grüne Gentechnik“ war Thema einer gut besuchten Diskussionsveranstaltung mit Experten im Diepholzer Rathaus

„Ein bisschen Horror“ auf dem Feld

Diepholz - (ej) · Gentechnik überschreitet natürliche Grenzen der Zucht. Erbanlagen werden dabei auch zwischen verschiedenen Arten transferiert. Chancen und Risiken der „Grünen Gentechnik“ – der Anwendung bei Pflanzen – stand im Mittelpunkt einer gut besuchten Veranstaltung am Donnerstagabend im Diep holzer Rathaus.

Der Agenda 21-Förderverein Diepholz und die Hochschule Vechta hatten gemeinsam dazu öffentlich eingeladen. Prof. Dr. Winfried Schröder, Vorsitzender des Agenda-Fördervereins und Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsökologie in Vechta, begrüßte die Besucher und stellte das Projekt „GeneRisk“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vor, an dem er beteiligt ist. „GeneRisk“ hat sich zur Aufgabe gemacht, den Umgang mit gentechnisch veränderten Pflanzen am Beispiel von Raps und Mais in Landwirtschaft, Handel und Umwelt zu analysieren.

Referenten des Abends waren Privatdozent Broder Breckling (Hochschule Vechta), der in Vertretung von Dr. Wiebke Züghart (Bundesamt für Naturschutz) Grundsätzliches zur Genveränderungen erklärte. Diese machen Pflanzen beispielsweise unempfindlich gegen Krankheiten oder lassen sie Giftstoffe gegen Schädlinge produzieren. Ein Risiko ist die unbeabsichtigte Kreuzung mit anderen Pflanzen in der Natur.

Während der Inhalt von Brecklings Ausführungen für Prof. Schröder „ein bisschen Horror“ zeigte, stand der nächste Referent der Grünen Gentechnik positiver gegenüber: Dr. Armin Werner vom Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Müncheberg) beleuchte den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) aus landwirtschaftlicher Sicht. In Deutschland ist der Anbau nicht mehr erlaubt – im April 2009 wurde eine bis dahin zulässige Sorte „Gen-Mais“ gestoppt. Für den Anbau gelten in Europa strenge Voraussetzungen (wie 150 Meter Abstand zu konventionellen und 300 Meter zu ökologisch bewirtschafteten Flächen). Weltweit werden laut Dr. Werner auf zehn Prozent der landwirtschaftlichen Fläche gentechnisch veränderte Soja-, Raps-, Baumwolle- oder Maispflanzen angebaut.

Den GVO-Anbau aus juristischer und gesellschaftlicher Sicht beleuchtete Prof. Dr. Gerd Winter von der Universität Bremen, der übrigens gebürtiger Diepholzer ist. Er kritisierte die vorgeschriebene Bewertung von Risiken durch Behörden als zu oberflächlich.

Den insgesamt anderthalbstündigen Vorträgen schloss sich eine längere Diskussion mit den Besuchern an. Unter ihnen waren auch mehrere Imker, die besondere Probleme mit Feldern haben, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden, denn Bienen halten sich nicht an Abstandsflächen. Und Produkte, die mit gentechnisch veränderten Stoffen verunreinigt sind, dürfen in der Regel nicht vermarktet werden.

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