Boxen ist wieder salonfähig / Trainer und Funktionäre loben hohe Integrationskraft für Jugendliche

Ehrlicher Sport mit Sozialwert

Syke - SYKE (mwa) · Laut klingen die Kommandos der Trainer durch die Halle: „Immer rechts raus aus der Ecke! – Nur tippen, nicht schlagen. Das ist auch für Dich eine Übung!“

Knapp zwei Dutzend Kämpfer, überwiegend Jugendliche, stehen sich in der Sporthalle am Riederdamm gegenüber. Das heißt: Von stehen kann gar nicht die Rede sein. Sie umkreisen sich, belauern und beobachten einander und versuchen immer wieder, Angriffe zu setzen.

„Zeit!“ bellt das Kommando nach drei Minuten durch den Raum. Die Kämpfer klatschen sich mit den Boxhandschuhen ab und verschnaufen einen Moment. Dann suchen sie sich einen neuen Gegner. Und auf Kommando beginnen sie die nächste Trainingsrunde.

Kurz vor dem Jahreswechsel sind die Amateurboxer aus Syke, Weyhe, Diepholz und Wehrbleck zu einem gemeinsamen Sparring in Syke zusammengekommen. „Im Januar geht die neue Saison los“, erklärt Axel Knörig, der seit vielen Jahren Spartenleiter der Boxer im TuS Syke ist und früher selbst aktiv beim TuS geboxt hat. „Solche gemeinsamen Sparringseinheiten machen öfter zur Saisonvorbereitung“, sagt Knörig. – „Damit nicht immer dieselben gegeneinander kämpfen“, ergänzt ihn Horst  Johanning, der bei der SG Diep holz Trainer ist.

„Boxen ist wieder salonfähig geworden“, freut sich Axel Knörig mit Blick auf die lange Boxtradition in Syke. Als das Profi-Boxen in den 60er und 70er Jahren  eine zunehmende Anziehungskraft auf das so genannte „Halbweltmillieu“ ausübte und im gleichen Maß mehr und mehr in Verruf kam, hatte sich das auch auf den Amateurbereich ausgewirkt: Man ging da nicht mehr hin. Nicht als Zuschauer, und auch nicht als Sportler.

Heute ist das wieder anders, was vor allem an Stars wie Henry Maske oder den Klitschko-Brüdern liegt. Und Weltmeister Arthur Abraham wird inzwischen wie einst Max Schmeling als Vorbild für die Jugend gesehen.

„Boxen ist ein ehrlicher Sport“, sagt Axel Knörig. „Dazu sind Fleiß, Disziplin und eine gewisse Intelligenz erforderlich. Und die körperliche Fitness ist ohnehin  einzigartig.“

Für Günter Weniger, der seit 48 Boxtrainer beim TuS ist, kommt noch etwas anderes hinzu: „Boxen hat einen hohen Integrationsfaktor“, sagt er und unterstreicht: „Türken, Kurden und Armenier – wenn diese Gruppen aufeinander treffen, gibt das oftmals Ärger. Aber hier beim Boxen, da funktioniert das.“ Unter anderem auch, weil Boxen – oder genauer: das Training dafür – ein guter Weg sei, Aggressionen jeglicher Art abzubauen. „Wo sonst ist man nach anderthalb Stunden derart  fertig?“, blinzelt Weniger. Und fügt hinzu: „Eisernes Gesetz ist: Was man im Training lernt, wird draußen nicht angewendet. Wer das nicht will, kann gehen.“

Das scheint zu funktionieren. „Schauen Sie mal den da“, zeigt Wenigers Trainer-Kollege Goodwill Ames, der im „richtigen Leben“ Lehrer an der GTS ist. „Was hat dieser Junge früher für Unruhe gestiftet. Seit er beim Boxen ist, ist er auch an der Schule viel ausgeglichener.“

Und wie sehen das die  Jugendlichen selbst? Für  Howanes Bambaljan (16), Syker Boxtalent mit armenischen Wurzeln, ist das keine Frage: „Boxen ist geil, weil es spontan ist. Das ist harter Sport. Aber niemand sieht den anderen hier wegen seiner Herkunft schräg an und man kann sich darüber viel Selbstbestätigung holen.“

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