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EEG-Umlage eingesteckt? – Schwere Vorwürfe gegen Eon

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Von: Fabian Pieper

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Der Strompreis ist in den letzten Monaten stark gestiegen. Die Regierung senkte daher für die Verbraucher die EEG-Umlage. Nun klagt ein Barrier Unternehmer, die Eon würde diese Senkung nicht an ihre Kunden weitergeben, sondern sie sich in die eigene Tasche stecken.
Der Strompreis ist in den letzten Monaten stark gestiegen. Die Regierung senkte daher für die Verbraucher die EEG-Umlage. Nun klagt ein Barrier Unternehmer, die Eon würde diese Senkung nicht an ihre Kunden weitergeben, sondern sie sich in die eigene Tasche stecken. © Andrea Warnecke

Christian Eilers und Markus Wolf vom VBD-Verbraucherdienst aus Barrien sind stutzig geworden: Auf den Abrechnungen ihrer Eon-Kunden findet sich die EEG-Umlage nicht wieder. Sie befürchten, der Energieriese könnte sich die Entlastung für die Verbraucher in die eigene Tasche stecken. Der Konzern bezieht dazu Stellung.

Landkreis Diepholz – Es sind schwere Anschuldigungen, die Christian Eilers und Markus Wolf gegen den Energiekonzern Eon erheben. Die Geschäftsführer des VBD Verbraucherdienstes aus Barrien sagen: „Wir haben den starken Verdacht, dass sich die Eon Energie Deutschland die für die Verbraucher gedachte Strompreissenkung komplett in die eigene Tasche steckt.“ Dagegen wehrt sich der Konzern nun.

Dabei geht es um den Grundversorger-Tarif Strom der Firma Eon. Der sieht einen Preis von 29,96 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde vor. Und genau dort liegt die Krux, erklärt Christian Eilers: „Diese 29,96 Cent sind noch der Preisstand vom 1. März 2021.“ In der Zwischenzeit hätten so gut wie alle Energieversorger aufgrund der Kostenexplosionen ihre Preise angehoben – die Eon hingegen nicht.

Das machte Markus Wolf stutzig. Er sah sich einige Eon-Abrechnungen von VBD-Kunden an. Dabei fiel ihm auf, dass die EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz), die zum 1. Januar 2022 teilweise entfallen war und zum 1. Juli komplett gestrichen werden soll, nicht von den Preisen heruntergerechnet worden ist. Seit Anfang des Jahres hätte die Kilowattstunde 3,72 Cent weniger kosten müssen.

Versteckte Erhöhung vermutet

Doch diese Preissenkung findet sich nirgendwo wieder, weder auf den Abrechnungen, noch auf den Tarifhinweisen im Internet, die weiterhin die Preise für die Grundversorgung Strom mit Stand vom 1. März 2021 angeben. „Wir warten seit Ewigkeiten darauf, dass sich der Grundversorgerpreis ändert“, sagt Eilers. Das tat er aber bislang nicht, weder in die eine noch in die andere Richtung.

Wahrscheinlich, so vermutet Eilers, habe Eon zu einem noch günstigen Zeitpunkt Energie-Kontingente eingekauft. „Aber irgendwann“, warnt er, „wird Eon die Preise der Grundversorgung anheben müssen. Diese Preiserhöhung verkündete Filip Thon, Vorsitzender von Eon Deutschland, Anfang dieser Woche.

Aber bereits seit Anfang des Jahres hätte der Preis für die Kilowattstunde Strom zumindest sinken und Eon die Kunden darüber informieren müssen, denn Wolf gibt zu bedenken: „Laut Gesetz ist eine Abrechnung nichtig, wenn eine Preisänderung nicht im Vorfeld per Brief angekündigt wird.“ Er ist sich sicher: „Eon hat die EEG-Umlage abgezogen, aber nicht bepreist.“ Pro verbrauchter Kilowattstunde Strom würden so 3,72 Cent mehr als noch vor dem 1. Januar 2022 in die Taschen des Energieversorgers wandern. „Eine versteckte Erhöhung“, urteilt Christian Eilers.

Rückerstattung möglich, sollten sich Vorwürfe bestätigen

Die Tatsache, dass sich die Grundversorger-Preise von Eon bislang noch nicht geändert haben und dort die EEG-Umlage nicht einbezogen worden ist, sei laut Eilers zunächst nicht verwerflich, denn: „Es hätte ja sein können, dass die das auf den Abrechnungen noch korrigieren.“ Doch bereits die Kontrolle einer Handvoll Verträge von Eon-Kunden der VBD habe Christian Eilers und Markus Wolf bereits gereicht, um Kontakt zum Energie-Riesen aufzunehmen und ihn mit den Vorwürfen zu konfrontieren. Eine Antwort lasse bislang noch auf sich warten. Für Eilers zwar ein Ärgernis, aber auch nicht ungewöhnlich: „Gerade jetzt in der Krise braucht Eon länger zum Antworten.“

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Was die beiden Barrier Unternehmer der Eon allerdings zugutehalten: „Wir beklagen uns nicht über den Preis, der ist günstig.“ Sie bemängeln lediglich das Verschwinden der EEG-Umlage auf den Abrechnungen. Sollte die Eon diese wirklich unangekündigt einstreichen, so hätten betroffene Kunden das Recht, das Geld zurückzuverlangen.

Eon weist Vorwürfe zurück

Eon äußerte sich auf Anfrage der Kreiszeitung. Pressesprecher Arne Schleef spricht von „schweren Vorwürfen“, die er „in keiner Weise nachvollziehen“ könne: „Selbstverständlich halten wir uns an die rechtlichen Vorgaben.“ Das gelte sowohl für sinkende Kostenbestandteile, etwa die gesunkene EEG-Umlage zum 1. Januar 2022, als auch für steigende Bestandteile wie die seit Herbst massiv gestiegenen Beschaffungspreise für Strom. „Ergeben sich dadurch gesunkene Kosten, geben wir diese natürlich mit einer Preissenkung an unsere Kunden weiter“, so Arne Schleef, der jedoch zu bedenken gibt: „Die Preissenkung der EEG-Umlage zum 1. Januar 2022 musste insgesamt nicht zwangsläufig eine Senkung der Gesamtpreise in der Grundversorgung Strom zu diesem Stichtag zur Folge haben, da die Senkung durch steigende Kostenbestandteile kompensiert wird.“

Eine gesonderte Information darüber, dass sich die Zusammensetzung der Preise geändert hat, sei laut Arne Schleef nicht notwendig: „Die erfolgt nur, wenn die finalen Gesamtpreise insgesamt auch tatsächlich geändert werden.“ Die Kunden würden am Ende auf ihrer Jahresrechnung die Kostenbestandteile – inklusive EEG-Umlage – sehen.

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