Der frühere Melchiorshauser Lars Kalusky ist Schauspieler, Sprecher, Fotomodel – und Personalberater

Drops gelutscht im abgesicherten Modus

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Lars Kalusky ist einem Millionenpublikum aus einem Halsbonbon-Werbefilm bekannt. ·

Weyhe - Von Philipp Köster. Da verschlägt es dem Pressesprecher des Gelsenkirchener Zoos glatt die Sprache: Bei der Präsentation eines Geheges entpuppt sich der vermeintliche Eisbär als Pfleger im Tierkostüm und springt ins Wasser.

Doch mithilfe eines Hustenbonbons findet der Sprecher seine Stimme schnell wieder: „Unsere Pfleger sind eben ganz nah am Tier.“ Seit einigen Wochen läuft dieser Werbespot im Fernsehen, die Langfassung ist bei „Youtube“ bereits knapp 1,1 Millionen Mal angesehen worden. Und den Zoosprecher spielt ein ehemaliger Weyher: Lars Kalusky.

Kalusky als Zoosprecher im Wick-Blau-Spot. · Screenshot: MSL

Doch der 40-Jährige muss nicht fürchten, dass er nun nicht mehr durch seinen Wohnort Hamburg laufen kann, ohne permanent angesprochen zu werden oder dass hinter seinem Rücken wie bei Prominenten getuschelt würde: „Die Menschen aus der Werbung erkennt man nicht wieder“, sagt Lars Kalusky. Das Produkt steht ja auch im Mittelpunkt. „Das war bei ,Verbotene Liebe‘ anders, da haben mich täglich zwei Millionen Menschen gesehen und dann auf der Straße auch wiedererkannt.“ Von 2004 bis 2006 spielte der frühere Melchiorshauser in der ARD-Seifenoper den Butler Viktor Cornelsen. Gerade mal ein halbes Jahr an der Filmschauspielschule in Köln, bekam Kalusky damals die Kleinstnebenrolle. „Anfangs habe ich nur wortlos Tassen serviert, dann wurde die Figur immer wichtiger. Am Ende habe ich den Grafen vergiftet“, erinnert er sich gern an die steigende Wertschätzung, die sein Spiel genoss.

Die Liebe für die Schauspielerei entbrannte an der Leester Gesamtschule. Als Mitglied der Musical-AG unter Veronika Hampf spielte der 1991er-Abiturient bei „Porgy und Bess“ sowie bei „Sweet Charity“ mit. „Sie hat einem keine Chance gelassen: Wenn man singen konnte, musste man mitmachen. Ich bin ihr dafür unendlich dankbar.“

Mit dem Schauspielern verdient Lars Kalusky heute nicht seine Brötchen: Der gelernte Syker Sparkassenkaufmann und an der Fachhochschule Bremen diplomierte Betriebswirt arbeitet auf Honorarbasis für einen Hamburger Personaldienstleister. „Ich habe dadurch etwas, was mich und meine Mutter beruhigt, und ich muss nicht kellnern, um die Schauspielerei zu finanzieren.“

Nach der Filmschauspielschule und einigen Jahren an Bühnen im Kölner Raum entschied er sich im Jahr 2009, aus einer finanziell abgesicherten Warte seiner Leidenschaft nachzugehen. „Ich wollte nicht mit 50 in einer Ein-Zimmer-Wohnung aufwachen und nichts zu essen haben“, pointiert er das Schicksal vieler Kollegen, die nicht Senta Berger oder Jan-Josef Liefers heißen. In und um die Medienstadt Köln herum gebe es etwa 60 freie Theater. „Die spielen alle schöne Stücke – und bezahlen auf Einnahmebasis.“ Selbst festangestellt am städtischen Theater verdiene man nicht mehr als ein Facharbeiter. Das war dem früheren Produktmanager einer großen Online-Bank zu wenig.

Aus der jetzigen gesicherten Position heraus lässt es sich dem Nebenjob hingenen locker nachgehen: zum Beispiel als Leiter eines Internet-Supermarkts, als Sänger und Moderator im Hamburger Kammerchor „Encore“, als Stimme für Hörspiele des Westdeutschen Rundfunks oder als Fotomodel für Plakatkampagnen von Versicherungen. „Die Caster wundern sich immer, dass ich so entspannt beim Vorsprechen auftauche.“

Im vergangenen Jahr hat Lars Kalusky an etwa 50 Castings teilgenommen, außer im Bonbon-Spot ist er kurz in einer McDonald‘s-Werbung zu sehen. „Zwei Aufträge sind eine gute Quote.“ Und der Dreh mit einem „echten“, unvorbereiteten Zoo-Publikum habe ihm viel Spaß gemacht. Reichtümer brachte ihm die Rolle des Zoosprechers indes nicht ein. Vor ein paar Jahren wäre es das Siebenfache gewesen. Auch die Werbebranche spart.

Kalusky ist aber nicht zwingend auf einen unmittelbaren Folgeauftrag angewiesen, rechnet auch gar nicht damit: „Wenn ich beim Casting sage, dass ich der aktuelle Wick-Blau-Mann bin, dann zögern die sicher.“ Auch in der Werbung gilt: Nur die Stars werden mehrfach gebucht.

Aber seine Agentin hat schon andere Anfragen auf dem Tisch, die sie zurzeit prüft. Sprecher, Model – der 40-Jährige ist für vieles offen. „Mein großer Traum ist, in einer Arztserie den Doktor zu spielen. Die Leute sagen beim Karneval, ich sähe im weißen Kittel verdammt gut aus.“

http://www.larskalusky.de

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