Rat beschließt Ganztagsschule für Barrien 2014 – obwohl der Architekt abwinkt

Ein Ding der Unmöglichkeit

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Idyllisch sieht anders aus: Auf dem Flur im Kellergeschoss der Barrier Grundschule essen die Hortkinder des „Regenbogenlands“. Ein Provisorium. Nur wie lange?

Syke - Von Frank Jaursch. Der Ratsbeschluss lässt keinen Zweifel zu: „Zum Beginn des Schuljahres 2014/2015 wird an der Grundschule am Lindhof in Syke und an der Grundschule an der Wassermühle in Barrien die Ganztagsschule eingeführt.“

Diesen Beschluss hat der Rat am Donnerstagabend mit der Mehrheit der rot-grünen Gruppe und von SykePlus gefasst. Und damit Unmögliches beschlossen.

Denn der beauftragte Architekt hat längst signalisiert, dass der Start im kommenden Schuljahr in Barrien nicht zu schaffen sein wird.

„Ich war dabei, als er gesagt hat: ‚Es ist nicht möglich‘“, ereiferte sich die Barrier Grundschulleiterin Brigitte Köhler am Ende der Ratssitzung. Köhler machte aus ihrer Enttäuschung über den Beschluss keinen Hehl. „Ich fühle mich nicht ernst genommen“, beklagte sie.

Zuvor hatten Grüne und SPD für ihren Vorschlag geworben. Mit dem Schritt in die Ganztagsschule erweitere man in Syke das Bildungsangebot und biete allen Kindern die gleiche Chance auf Bildung, betonte Melanie Palkies (Grüne).

Für die SPD versicherte Karsten Bödeker, man sehe diese Aufgabe als Verpflichtung für Politik und Verwaltung und als Versprechen an die Eltern. Dabei stehe ein gutes Ergebnis an erster Stelle. „Der ordentliche Start der Ganztagsschule geht weiterhin vor der Eilbedürftigkeit.“

Diese Priorisierung fand indes keinen Niederschlag in der Formulierung des Beschlusses. Und genau das war Gegenstand der Kritik von CDU und FDP. Die Gruppe nehme mit diesem „Hau-Ruck-Beschluss“ die Bürger auf eine „unrealistische Reise“, fand Markus Stier (CDU). Was passiere 2014 mit dem auf ein Jahr befristeten Provisorium „Hort-Unterbringung“ im Keller der Grundschule?

Und Reinhard Hansemann (FPD) äußerte gar wortgewaltig, er habe Bedenken, „dass wir Syke finanziell an die Wand fahren“. Etwas nüchterner die Analyse seines Fraktionskollegen Ralf Seedorf, der abermals die Jahr-für-Jahr-Stufenlösung favorisierte. „Damit könnten wir Eltern und Lehrer mitnehmen – ohne erhöhten Druck.“

Wolfgang Reß (SykePlus) forderte von allen Beteiligten die „Kultivierung einer maximalen Teamfähigkeit“ ein. Vergeblich. Zwar erklärte Renate Brüning, die CDU wolle Ganztagsschulen auch. Die Fraktion stimme aber gegen den Beschlussvorschlag, „weil die Umsetzung nicht realisierbar ist“.

Hort-Elternvertreter Lars Schwintek hatte zu Beginn der Sitzung noch appelliert: „Es geht nicht nur um ein großes Projekt, es geht vor allem um kleine Menschen.“ Was das zustimmende Nicken von allen Seiten wert war, zeigte sich am Ende. Als Brigitte Köhler monierte, sie habe das Gefühl, „es geht hier nicht nach pädagogischen Gesichtspunkten, sondern nur nach Mehrheiten“, kam von Heinfried Schumacher (SPD) der Einwurf: „So ist Demokratie, Frau Köhler!“

Hoffentlich nicht.

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