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Dieter Tornow: Nach 35 Jahren kein Naturschutzbeauftragter mehr

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Von: Anke Seidel

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Eines seiner Lieblingsfotos: Dieter Tornow (rechts) mit (von links) Reinald und Marion Schröder sowie Jürgen Göttke-Krogmann, mit denen er eng zusammenarbeitet – zum Wohle der Moore und des Dümmers.
Eines seiner Lieblingsfotos: Dieter Tornow (rechts) mit (von links) Reinald und Marion Schröder sowie Jürgen Göttke-Krogmann, mit denen er eng zusammenarbeitet – zum Wohle der Moore und des Dümmers. © Simone Brauns-Bömermann

Dreieinhalb Jahrzehnte war Dieter Tornow Naturschutzbeauftragter des Landkreises im südlichen Kreisgebiet. Das Amt hat er aufgegeben, nicht aber seinen Einsatz.

Landkreis Diepholz – „Es hat sich nichts geändert“, schmunzelt Dieter Tornow. Der 72-jährige setzt sich seit mehr als dreieinhalb Jahrzehnten für den Naturschutz am Dümmer und in den Mooren ein – ganz besondere Schätze im südlichen Landkreis Diepholz. Für diesen Lebensraum hat er fast 35 Jahre als Naturschutzbeauftragter gewirkt und das Amt jetzt an Friedhelm Niemeyer abgegeben. Die Wasserqualität des Dümmers misst Dieter Tornow trotzdem weiter wöchentlich und befreit Moorflächen von Birken, entkusselt sie also. Er hat zwar sein Amt abgegeben, nicht aber seinen persönlichen Einsatz eingestellt.

Die Dümmer-Sanierung motivierte Dieter Tornow 1987, die Stelle als Naturschutzbeauftragter anzunehmen

Denn Dieter Tornow ist sozusagen mit diesem Lebensraum untrennbar verbunden. Kennengelernt hat er ihn 1973, als er als Biologie-Lehrer nach Diepholz kam – mit dem Herzenswunsch, seinen Schülern das wichtige Fach auch hautnah vermitteln zu können: bei Exkursionen in ihren Lebensraum. Bei solch einem Einsatz erlebt er, wie bei Baggerarbeiten am Dümmer Muscheln aus dem See gerissen und alles andere als sorgsam behandelt werden.

„Als die Landesregierung im Februar 1987 das ,Konzept zur langfristigen Sanierung des Dümmers und seines Umlandes’ auf den Weg brachte, war mir klar, dass die Umsetzung der Dümmer-Sanierung maßgeblich Aufgabe der Verwaltung sein würde“, blickt Dieter Tornow zurück. „Weil mir die Sanierung des Dümmers sehr am Herzen liegt, habe ich im April 1987 die Berufung als Kreisnaturschutzbeauftragter des südlichen Landkreises Diepholz gerne angenommen.“

Der Dümmer, der zweitgrößte Binnensee Niedersachsens, braucht Hilfe – damals wie heute. Verschiedene Sanierungsmaßnahmen hat es gegeben, aber noch immer ist der Nährstoff-Eintrag viel zu hoch. „Der Dümmer reagiert nicht wie ein Mensch in der Reha, dem es von Tag zu Tag besser geht“, formuliert es der 72-Jährige bewusst beispielhaft. Auch wenn das „Fieber“ des Sees schon spürbar gesunken sei, müsse der Schilfpolder unbedingt noch gebaut werden. Nur so könne der See gesunden.

„Am Dümmer hätte ich mir den Bau des Schilfpolders zwanzig Jahre früher, zeitgleich mit der Bornbachumleitung, gewünscht“, sagt Dieter Tornow. „Jetzt wünsche ich mir, dass alle politischen Parteien der Empfehlung des Dümmer-Beirates folgen und den zeitnahen Bau des Schilfpolders zur Sanierung des Dümmers in ihren Landtagswahlprogrammen als vorrangiges Ziel fest verankern.“

Dieter Tornow hat Bücher über die Diepholzer Moordniederung und den Dümmer geschrieben

Dieter Tornow hat tief verinnerlicht, dass erfolgreiche Naturschutzarbeit Gemeinschaft braucht – Menschen und Institutionen, die für dasselbe Ziel arbeiten. „Am intensivsten war und ist die Zusammenarbeit mit der Ökologischen Station Naturschutzring Dümmer e.V. und dem Dümmer-Museum Lembruch sowie mit dem Verein Naturpark Dümmer und den Naturparkschulen“, bericht Dieter Tornow.

Außerdem empfindet er es als „ein unglaubliches Privileg“, sich über seine wöchentlichen Dümmer-Wasserproben mit dem Seenkompetenzzentrum des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) in der Betriebsstelle Sulingen fachlich austauschen zu können. Er würdigt weiterhin so viele Institutionen, Initiativen, Stiftungen, Einrichtungen, Funktionsträger und Mitstreiter, dass alle Namen den Rahmen dieses Berichts sprengen würden. Es beweist aber: Dieter Tornow ist Teamplayer, der den Einsatz anderer anerkennend würdigt und nicht vergisst – vor allem nicht den „fachlichen und sehr engen Austausch zu meiner eigenen Weiterbildung mit sehr vielen Personen“.

Naturschutzbeauftragter im Nordkreis: Martin Lütjen 

„Die Beauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege beraten und unterstützen die Naturschutzbehörden in allen Angelegenheiten des Naturschutzes und der Landschaftspflege“, so beschreibt der Landkreis Diepholz die Aufgaben der Naturschutzbeauftragten – und weiter: „Sie müssen die erforderliche Sachkunde besitzen, fördern das allgemeine Verständnis für diese Aufgaben und sind an fachliche Weisungen nicht gebunden.“

Im Flächenlandkreis Diepholz gibt es bewusst zwei Funktionsträger. Im nördlichen Kreisgebiet kümmert sich Martin Lütjen aus Twistringen um diese Aufgabe. Er hat dieses Amt seit 2001, also seit mehr als zwei Jahrzehnten, inne und ist zuständig für Bassum, Twistringen, Bruchhausen-Vilsen, Syke, Stuhr und Weyhe. Im Blick hat der pensionierte Gymnasialleiter aus Twistringen vor allem die Fließgewässer in diesem Bereich – wie Delme und Hache sowie das Westertal, aber auch die Hunte. Sie fließt durch den Twistringer Ortsteil Rüssen.

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Naturschutz kümmert sich Martin Lütjen ebenso um „die Kleinodien“, wie er die Schlatts und ihre ganz besonderen Lebensräume liebevoll nennt. Seltene Tier- und Pflanzenarten sind dort zu Hause.

Wichtig sind Martin Lütjen aber genauso die alltäglichen Naturschutzfragen. Auf Wunsch berät er Gartenbesitzer oder bemüht sich im Konfliktfall um eine naturschutzgerechte Lösung. Genauso begleitet er mit seiner naturschutzfachlichen Erfahrung Flurbereinigungsverfahren – auch wenn der Naturschutz im Verfahren mittlerweile einen beachtlichen Stellenwert hat.

Die Nähe zu erfolgreichen Initiativen und Projekten hätten ihn auch motiviert, das „Kursbuch Diepholzer Moorniederung“ und das „Kursbuch Dümmer“ zu schreiben – facettenreiche und fundierte Werke, die Lesern diesen Lebensraum auf ebenso informative wie spannende Weise nahe bringen.

Erfahren hat der Autor und Naturschützer im Laufe der Jahrzehnte aber auch: „Ohne die Möglichkeit einer fachbezogenen Rückkopplung ,verläuft’ man sich als ehrenamtlich Tätiger zum Schaden der Sache viel zu häufig.“ Und er hat in seiner langen Amtszeit grundsätzlich eine positive Entwicklung festgestellt: „In dieser Zeit hat der Naturschutz deutlich an Professionalität und Fachkompetenz zugelegt.“

Ständiger Wunsch Tornows: Mehr Geld für Vorratsflächenkäufe der öffentlichen Hand

Das Ehrenamt als Naturschutzbeauftragter schenkt Kraft, stellt er klar, kostet zuweilen aber auch Nerven. „Es war für mich eine große emotionale Entlastung mitverfolgen zu können, wie sich die Landräte und der Kreistag für die Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz eingesetzt und immer auch wieder die Chancen bundespolitischer Schwerpunktsetzungen aktiv genutzt haben, sei es am Dümmer oder in den Mooren“, betont Dieter Tornow. Aktuell beobachtet er „mit großer Sympathie, dass Politik und Verwaltung mithilfe von Flurbereinigungen Moor- und Klimaschutz zu ihrem Aufgabenschwerpunkt der kommenden Jahre machen“.

Was hätte sich Dieter Tornow anders gewünscht? „Ich habe mir immer mehr Geld für Vorratsflächenankäufe der öffentlichen Hand, von Stiftungen oder Naturschutzverbänden gewünscht, um zum Beispiel Flurbereinigungen für die Wiedervernässung unserer Moore zu vereinfachen und zu beschleunigen“, antwortet der 72-jährige Pädagoge, der seit 2013 im beruflichen Ruhestand ist. Er sieht noch Steigerungspotenzial bei der Unterstützung von zwei herausragenden Initiativen: „Zum einen bei der Unterstützung der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz durch eine Mitgliedschaft im Förderverein der Stiftung Naturschutz und zum anderen mehr Mitglieder und Förderer für den Förderverein Europäisches Fachzentrum Moor und Klima.“

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