1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz

Diepholzer Kreisverwaltung arbeitet an Energiekonzept

Erstellt:

Von: Anke Seidel

Kommentare

Regenerative Energien wie hier vom Acker: Im Landkreis Diepholz wird rechnerisch bereits deutlich mehr Energie erzeugt als die Bürger insgesamt verbrauchen. Aber ein Teil kann nicht genutzt werden.
Regenerative Energien wie hier vom Acker: Im Landkreis Diepholz wird rechnerisch bereits deutlich mehr Energie erzeugt als die Bürger insgesamt verbrauchen. Aber ein Teil kann nicht genutzt werden. © Thomas Speckmann

Windkraftanlagen produzieren manchmal mehr Strom, als ihre Besitzer in das Netz einspeisen dürfen. Der Landkreis Diepholz such nach Lösungen.

Landkreis Diepholz – Das Ziel ist eine effektive Landkarte der Energie: Die Kreisverwaltung arbeitet an einem Konzept, um den Zuwachs von Anlagen erneuerbarer Energie sinnvoll steuern und erzeugten Strom restlos nutzbar machen zu können. Kreisrat Jens-Hermann Kleine erklärte auf Anfrage, das Konzept am Dienstag im Kreisentwicklungsausschuss vorstellen zu wollen.

3,23 Millarden Kilowattstunden Windstrom wurden im ersten Quartal 2019 nicht genutzt

Längst prägen Fotovoltaik- und Windkraft- sowie Biogasanlagen das Bild und die Struktur des Flächenlandkreises Diepholz. Immer wieder kommen Windradbesitzer in ein Dilemma: Je nach Witterung erzeugen ihre Anlagen manchmal mehr Strom, als in das vorhandene Stromleitungsnetz eingespeist werden kann. Bundesweit waren allein im ersten Quartal 2019 sage und schreibe 3,23 Milliarden Kilowattstunden Windstrom „abgeregelt“ worden, berichtet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft über Strom, der schlicht und einfach nicht genutzt wurde.

Regenerative Energien wie hier die Windenergie: Im Landkreis Diepholz wird rechnerisch bereits deutlich mehr Energie erzeugt als die Bürger insgesamt verbrauchen. Aber ein Teil kann nicht genutzt werden.
Regenerative Energien wie hier die Windenergie: Im Landkreis Diepholz wird rechnerisch bereits deutlich mehr Energie erzeugt als die Bürger insgesamt verbrauchen. Aber ein Teil kann nicht genutzt werden. © Russ, Melanie

Das soll in der Zukunft im Landkreis Diepholz anders sein. Überschüssiger Strom könnte durch die Umwandlung in Wasserstoff „gespeichert“ und – wie Ethanol beim Treibstoff – dem Erdgas beigemischt werden, nennt Kreisrat Jens-Hermann Kleine eine Möglichkeit für die effektive Nutzung von Windstrom. „Aber dazu muss man wissen, wo Gasleitungen verlaufen“, beschreibt er ein entscheidendes Kriterium. Das Netz der Strom- und Gasleitungen im Landkreis Diepholz ist also eine elementare Basis für das neue Energiekonzept, das der Kreisrat der Kreispolitik vorstellen will.

Dass der Kreistag darüber schnell entscheiden müsse, hatte Theo Runge als Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbands Grafschaft Diepholz schon deutlich gemacht (wir berichteten). Denn auf landwirtschaftlichen Flächen will das Land künftig Fotovoltaikanlagen erlauben. Landwirte hätten damit ein neues Standbein. Die Standorte müssten geregelt werden.

Biogas spielt eine Rolle, steht aktuell aber nicht im Fokus

„Wir wollen die erneuerbaren Energien vorantreiben“, beschreibt Jens-Hermann Kleine die Maxime des Landkreises. Die Ausweisung von Bebauungsplänen für neue Fotovoltaikanlagen sei der eine Anlass für die Erarbeitung des Energiekonzepts – die Tatsache, dass der Landkreis bei der Ausweisung von Windkraftanlagen in seinem Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) nachbessern muss, ist der zweite. Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg hatte das RROP in diesem Punkt für unwirksam erklärt.

Biogas spiele in dem Konzept auch eine Rolle, so der Kreisrat, „aber das steht im Moment nicht im Fokus. Das werden wir im ersten Schritt noch nicht betrachten“. Für das neue Energiekonzept muss eine Vielzahl von Fakten und Aspekten aufgearbeitet werden. Beispielsweise die Frage: Wo liegen große Gasleitungen genau und wo gibt es Schnittstellen? Das Leitungsnetz für Strom und Gas muss mit dem speziellen Blick auf erneuerbare Energien detailliert erkundet und erfasst werden.

Regenerative Energien wie hier Sonnen- und Windenergie: Im Landkreis Diepholz wird rechnerisch bereits deutlich mehr Energie erzeugt als die Bürger insgesamt verbrauchen. Aber ein Teil kann nicht genutzt werden.
Regenerative Energien wie hier Sonnen- und Windenergie: Im Landkreis Diepholz wird rechnerisch bereits deutlich mehr Energie erzeugt als die Bürger insgesamt verbrauchen. Aber ein Teil kann nicht genutzt werden. © Haab, Edgar

Ende nächsten Jahres, so schätzt der Kreisrat, könnte das Konzept dann vorliegen. „Es wird Zwischenstände geben“, kündigte er an. Denn am Energiekonzept werde parallel zu anderen Aufgaben gearbeitet. Wann neue Anlagen gebaut werden und ans Netz gehen können, ist noch völlig unklar. Jens-Hermann Kleine verweist auf die geltenden Rechtsvorschriften für die Genehmigung solcher Anlagen. Genau die könne geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Prozesse und Verfahren für Windkraftanlagen dauern Jahre

Bei Standorten für Windkraftanlagen zum Beispiel müssten Naturräume sowie die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt über längere Zeiträume beobachtet werden. Das sei gut so, brauche aber viel Zeit. Außerdem könne es im Genehmigungsverfahren zu Klagen kommen: „Wir leben in einem Rechtsstaat“, betont der Kreisrat. „Der gerichtliche Rechtsschutz darf nicht aufgegeben werden.“ Aber Prozesse und Verfahren könnten durchaus mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Will heißen: Eine schnelle Steigerung der regenerativen Energiemengen ist nicht in Sicht. Jens-Hermann Kleine formuliert das so: „Die Erwartungshaltung wird mit dem, was machbar ist, nicht einhergehen. In dem jetzigen Rechtsrahmen ist das nicht machbar.“ Ändern könnten das nur neue rechtliche Vorgaben durch den Bundesgesetzgeber. „Aber die sehe ich im Moment nicht.“

Die Sitzung

Der Kreisentwicklungsausschuss tagt am Dienstag, 22. März, ab 16 Uhr in der FTZ in Barrien.

Auch interessant

Kommentare