Stelle bereits ausgeschrieben

Stadtwerke Huntetal: Zweite Kündigung gegen Geschäftsführer ausgesprochen

Waldemar Opalla.

Diepholz - Auch vier Wochen nach seiner plötzlichen fristlosen Kündigung kennt der frühere Geschäftsführer der Stadtwerke Huntetal, Waldemar Opalla, keinen Vorwurf, der nach Bewertung seiner Anwälte diese Art der Trennung rechtfertigen würde.

„Mir ist bis heute keine Verfehlung angetragen worden, die eine Trennung in dieser Art und Weise auch nur im Ansatz begründet“, sagte der 59-Jährige auf Nachfrage unserer Zeitung.

Am 19. Februar – direkt nach einer Reha-Maßnahme – war Opalla ins Diepholzer Rathaus gebeten worden, wo ihm Vertreter der Gesellschafterversammlung im Beisein des Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Stadtwerke, Horst Glockzin, die fristlose Kündigung überreichten und ihn nach 18 Jahren als Geschäftsführer abberiefen.

Waldemar Opalla holte sich umgehend juristischen Beistand und reichte Klage gegen die außerordentliche und fristlose Kündigung ein. Das Verfahren läuft.

Stadtwerke Huntetal: Abberufung von Opalla stößt auf großes Interesse

Da die Stadtwerke kein klassisches Privatunternehmen sind, sondern den Kommunen Diepholz, Barnstorf, Rehden und Wagenfeld dieser Strom-, Gas- und Wasserversorger gehört, stößt die plötzliche Abberufung des Geschäftsführers auf besonderes öffentliches Interesse.

Der Diepholzer Bürgermeister Florian Marré, der Vorsitzender der Gesellschafterversammlung ist, hatte sich seinerzeit öffentlich nicht geäußert. Es gab damals nur eine dünne Pressemitteilung.

Auf erneute Nachfrage unserer Zeitung erklärte Marré jetzt, dass die Gesellschafter „aufgrund des laufenden Verfahrens weiterhin keine Details zu den Hintergründen der Kündigung von Herrn Opalla nennen“.

Stadtwerke Huntetal haben sich unter Opalla positiv entwickelt

Die Stadtwerke Huntetal – 93 Millionen Euro Umsatz, 140 Mitarbeiter – haben sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt und jeweils einen Gewinn in Millionenhöhe ausgewiesen, wie in den öffentlich zugänglichen Geschäftsberichten nachzulesen ist (Internet: www.stadtwerke-huntetal.de/geschaeftsbericht). Dieser Gewinn fließt an die Gesellschafterkommunen – und damit an die Bürger.

Waldemar Opalla ist vom Vorgehen der Gesellschafter und des Aufsichtsrates menschlich sehr getroffen: „Der hier gezeigte Umgang, nach 18 Jahren erfolgreichen Wirkens für die Kommunen ist für mich und meine Familie außerordentlich verletzend. Mein Anwalt hat mir aber ausdrücklich geraten, inhaltlich nichts zu dem laufenden Verfahren zu sagen.“

Opalla wollte nicht kommentieren, ob an den Informationen etwas dran sei, er habe weder von der Gesellschafterversammlung, noch vom Aufsichtsrat Gelegenheit bekommen, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Stadtwerke Huntetal: Vorwürfe wegen Personalfragen?

Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe drehen sich nach Informationen unserer Zeitung um Personalfragen und einen Verstoß gegen das Datenschutzgesetz – nicht aber um kriminelle Vorgänge, für die üblicherweise fristlose Kündigungen ausgesprochen werden.

Bei der fristlosen Kündigung Opallas waren zunächst kommunale Gremien übergangen worden. Die Räte wurden erst anschließend informiert.

Möglicherweise, weil die erste Kündigung nicht der rechtmäßigen Form entsprach, wurde eine zweite Kündigung in einer Sonderaufsichtsratssitzung nachgeholt. Florian Marré bestätigte lediglich, dass „aufgrund weiterer Erkenntnisse“ eine zweite Kündigung ausgesprochen worden ist.

Stadtwerke Huntetal: SPD hat noch offene Fragen wegen Kündigung

Die fristlose Kündigung Opallas war auch Thema in der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK). Unter dem Titel „Muss maximaler Kollateralschaden sein?“ berichtete das überregionale Medium über das Diepholzer Versorgungsunternehmen und andere Stadtwerke, deren Geschäftsführer ebenfalls fristlos entlassen worden waren. „In Zahlen lässt es sich nicht messen, aber gefühlt haben in den jüngsten Jahren mehr Stadtwerke ihre Chefs fristlos entlassen als zuvor“, heißt es in dem Bericht, in dem auch gefragt wird: „Ist eine Trennung in gegenseitiger Wertschätzung nicht möglich?“

Fragen zu Opallas Kündigung hat auch noch die Diepholzer SPD. Diese haben die Sozialdemokraten an die Kommunalaufsicht gestellt, da es von Bürgermeister Marré keine ausreichende Antwort gegeben habe.

Stadtwerke Huntetal: Kündigung könnte teuer werden

Dem Vernehmen nach soll in den vergangenen Wochen ein Team eines großen Wirtschaftsprüfungsunternehmens im Haus der Stadtwerke Huntetal in Diepholz gewesen sein. Möglicherweise, um im Nachhinein etwas zu finden, das Opalla zur Last gelegt werden könnte.

Die Kosten für diese Aktion und die Kosten für den Interimsgeschäftsführer dürften noch Diskussionsthema sein.

Bekommt Opalla vor Gericht Recht, könnte das teuer für die Stadtwerke werden – und damit auch für die Gesellschafterkommunen und deren Bürger.

Unterdessen ist die Geschäftsführer-Stelle bereits in der „Zeitung für kommunale Wirtschaft“ ausgeschrieben. Darin ist unter „Aufgaben“ von einer „auf Vertrauen basierenden konstruktiven Zusammenarbeit mit den kommunalen Gesellschaftern, dem Aufsichtsrat und den Arbeitnehmervertretern“ die Rede.

Laut Florian Marré liegen schon Bewerbungen vor.

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