Zuweisung von weiteren 200 Personen / „Ein sehr eindrucksvoller Tag“

Kommen und Gehen in der Flüchtlingsunterkunft

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Gestern Morgen trafen 200 weitere Flüchtlinge in Diepholz ein. Ein erheblicher Teil begab sich auf die Weiterreise und nutzte dafür die Bahn.

Diepholz - Es herrscht ein Kommen und Gehen in der neuen Flüchtlingsunterkunft am Rande des Fliegerhorstes. Nach der Ankunft von 365 Menschen am vergangenen Donnerstag haben, wie bereits berichtet, zahlreiche Personen den Standort wieder verlassen. Am Sonntagmorgen gab es nun einen neuen Zustrom in Diepholz.

„Wir haben weitere 200 Personen zugewiesen bekommen. Davon sind etwa 120 geblieben“, berichtete Ludwig Unnerstall, Diözesangeschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes, gestern Abend auf Anfrage unserer Zeitung. Aktuell würden sich knapp über 300 Flüchtlinge in der Unterkunft aufhalten. Ganz genau ließe sich das aber nicht sagen, weil manche Personen möglicherweise schon wieder weitergereist seien, um zu Angehörigen oder Bekannten im In- und Ausland zu gelangen.

Etliche von ihnen wollten nach Schweden, war gestern Nachmittag auf dem Diepholzer Bahnhof von einem Beamten der Bundespolizei zu hören. Weil sich die Tür eines Abteils gnadenlos schloss, blieb ein junger Mann, der anderen Fahrgästen den Vortritt gegeben hatte, auf dem Bahnsteig zurück. Ironie des Schicksals: Er hatte mit vier weiteren Asylbewerbern ein Fünfer-Ticket gekauft. Der entsprechende Fahrschein war aber schon im Zug. Er stand nun mit leeren Händen da. Neben der Bahn waren am Nachmittag auch Taxis stark gefragt.

Während ein erheblicher Teil der am Sonntag eingetroffenen Flüchtlinge gleich weiterreiste, bezog der Rest die bereitgestellten Wohnungen der Bundeswehr. Auffällig sei, dass die Neuankömmlinge bezüglich ihrer Herkunft eine ganz andere Struktur hätten, berichtete Unnerstall. Der Anteil der Syrer sei wesentlich höher als am vergangenen Donnerstag und belaufe sich auf gut 40 Prozent. Etwa 25 Prozent seien Menschen aus Afghanistan.

Aus den Bussen seien viele Familien, zum Teil mit zahlreichen Kindern, gestiegen. Das jüngste Kind sei erst vier Wochen alt. Den Menschen seien die Strapazen ihrer Flucht aus Kriegsgebieten anzusehen. „Es sind sehr dankbare Menschen“, stellte der Vertreter des Hilfsdienstes fest. Die Flüchtlinge seien beeindruckt gewesen, als sie die Zimmer gesehen hätten. Dort könnten sie nun erst einmal zur Ruhe kommen.

Negative Vorkommnisse hatte der Malteser-Hilfsdienst als Betreiber der Erstaufnahmeeinrichtung gestern Abend nicht vermeldet. Ganz im Gegenteil: „Das war ein sehr eindrucksvoller Tag. Wir haben ganz viele nette Menschen getroffen“, so Unnerstall. Selbst ein Umzug, der zur Zusammenlegung von Familien erforderlich gewesen sei, sei ganz unproblematisch verlaufen. Die Menschen hätten Verständnis gezeigt.

sp/rdu

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