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Schulen im Landkreis Diepholz pflegen liberale Einstellung zur Jogginghose

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Von: Fabian Pieper

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Die Jogginghose gehört auch an Schulen im Landkreis Diepholz zum Alltag. Daran soll sich in Zukunft auch nichts ändern, sagen die Schulgemeinschaften. Die Beekeschule in Scheeßel (Foto) sieht das anders.
Die Jogginghose gehört auch an Schulen im Landkreis Diepholz zum Alltag. Daran soll sich in Zukunft auch nichts ändern, sagen die Schulgemeinschaften. Die Beekeschule in Scheeßel (Foto) sieht das anders. © Lars Warnecke

Jogginghose in der Schule: ja oder nein? Schulen im Landkreis Diepholz pflegen eine liberale Einstellung zur Kleiderordnung.

Landkreis Diepholz – Sie sind bequem, sie sind praktisch, aber nicht ganz unumstritten. Die Rede ist von Jogginghosen. Modeschöpfer Karl Lagerfeld sagte einst über sie, wer eine trägt, habe die Kontrolle über sein Leben verloren. Manche Schulen sehen das ähnlich und verbieten ihren Schülerinnen und Schülern das Tragen des vor allem bei jungen Menschen beliebten Beinkleids – kürzlich etwa die Beekeschule in Scheeßel. Anders sieht es im Landkreis Diepholz aus. Dort steht man dem lässigen Kleidungsstück gelassen gegenüber.

Schüler in Diepholz sind sehr ordentlich gekleidet

Etwa an der Realschule Diepholz. Schulleiter Matthias Bahr hat festgestellt: „Konservativ formuliert: Unsere Schüler sind sehr ordentlich gekleidet.“ Er betont, der Jogginghose gegenüber nicht kritisch eingestellt zu sein. Bahr sagt: „Eine Jogginghose kann alles sein: ein Symbol für Lockerheit, fürs Aufbegehren, vielleicht aber auch dafür, dass man sich nicht mehr leisten kann.“

Daher sehe er keinen Grund, an seiner Schule das Tragen einer Jogginghose zu reglementieren. „Das mündet in der Frage, ob wir eine Schuluniform oder standardisierte Kleidung brauchen“, sagt er. Stattdessen sei man an der Realschule Diepholz sogar so liberal, dass selbst bei einer Abschlussfeier die Jogginghose nicht verboten wäre.

Schulleiter in Leeste sieht nichts Verwerfliches an dem Kleidungsstück

Auch Michael Krutschke, Schulleiter der KGS Leeste, sieht in dem Kleidungsstück nichts Verwerfliches, zumal sie an seiner Schule nur vereinzelt getragen wird: „Ja, es gibt Schülerinnen und Schüler, die das tragen, aber es nimmt keine Überhand.“ Zwar gehören Jogginghosen seiner Meinung nach in den Freizeit- und den Sportbereich und nicht an eine Schule, aber er sagt: „Ich bin da als Schulleiter sehr tolerant. Ich finde es ansprechend, wenn Kinder individuell gekleidet sind, wenn die Schülerschaft bunter ist.“

Gedanken über eine beschränkende Kleiderordnung würde er sich erst machen, sollte die Anregung dazu aus dem Kollegium kommen, dann aber auch die ganze Schulgemeinschaft mit ins Boot holen. Nur, wenn die Kleidung zu knapp wird, würde der Schulleiter einlenken.

Individualität bewusst zulassen, heißt es in Twistringen

Für Peter Schwarze liege die Grenze dort, „wo jemand anderes irritiert oder verletzt wird“. Der Schulleiter des Twistringer Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums wolle „Individualität bewusst zulassen“, wie er sagt. Dazu zähle auch der Kleidungsstil.

Bestimmte Konventionen beträfen am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium lediglich etwa das Tragen von Mützen im Unterricht. Zudem sei Schwarze wichtig, wenn die Schülerinnen und Schüler bei Anlässen wie etwa der Abitur-Entlassungsfeier ein feierlicheres Outfit wählen. Doch ansonsten zeigt sich der Schulleiter bei der Kleiderwahl entspannt, denn er weiß: „Mode ändert sich. Leger ist heutzutage en vogue.“

Persönlichkeit durch die Kleidung zum Ausdruck bringen

Wenn jemand gerne bunte Sachen trägt, solle er bunte Sachen tragen, findet Schwarze: „So kann man seine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen.“ Er selber trage jedes Jahr, während die Abiturienten ihre Abschlussprüfungen schreiben, eine Krawatte. Für ihn sei das ein „Ausdruck der Wertschätzung gegenüber der Leistung der Schüler“. Auf die Frage, ob er irgendwann auch mal mit Jogginghose in die Schule gehen würde, lacht Peter Schwarze: „Nö, ich gehöre aber auch zu einer anderen Altersgruppe und habe meinen eigenen Kleidungsstil.“

Und was sagen die Schüler? Robin Heimbucher (KGS Leeste) und Georg Beverborg (Gymnasium Sulingen) sind Kreisschülersprecher. Sie sehen praktische Gründe, die gegen ein Verbot von Jogginghosen sprechen: „Insbesondere, da die Schule einen großen Teil der Zeit der Schülerinnen und Schüler einnimmt, empfinden viele, dass diese auch mit bequem zu tragender Kleidung verbracht werden kann“, sagt Heimbucher.

In der Schule liegt der Fokus auf dem Lernen

Dem springt Beverborg bei: „Für mich ist die Schule ein Ort, an dem der Fokus auf dem Lernen liegt und sich jeder wohlfühlen sollte. Jeder Schüler und jede Schülerin sollte sich im eigenen Ermessen für angemessene Kleidung entscheiden dürfen. Hier ist ein Verbot der falsche Ansatz.“

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Im Namen des Kreisschülerrates betonen beide, für jede Debatte offen zu sein – sich einem Verbot von Jogginghosen aber klar entgegenzustellen, so Heimbucher: „Jede Schülerin und jeder Schüler hat das Recht, sich frei zu entfalten und auch zu tragen, was er oder sie für angemessen hält.“

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