Landkreis will Vorreiter sein / Erneuerbare Energien wichtiger Schlüssel

Zukunftsplan: Wasserstoff-Reallabor

Überschüssige Windenergie könnte bei einem Aufbau der Infrastruktur in Wasserstoff umgewandelt und dann als Autokraftstoff verwendet werden. Foto: dpa/Ole Spata

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Er gilt als Energieträger der Zukunft: Wasserstoff könnte im Landkreis Diepholz eine enorme Rolle spielen. Die Idee eines „Wasserstoff-Reallabors“ ist bereits Teil politischer Beratungen. Das beweist ein Arbeitspapier, mit dem sich die Mitglieder des Kreisentwicklungsausschusses heute befassen.

„Der Landkreis Diepholz möchte sich als Vorreiter bei der Reduzierung von CO2-Emissionen und der Erzeugung und Nutzung von grünem Wasserstoff positionieren“, heißt es darin. Denn dafür habe der Landkreis besonders günstige Ausgangsbedingungen: „Mit über 430 Windkraftanlagen zählt der Landkreis Diepholz zu den bundesweiten Spitzenreitern bei der Erzeugung erneuerbarer Energien.“ Davon wird in diesem Lebensraum deutlich mehr erzeugt als gebraucht. Bei 109 Prozent liegt der Erzeugungsgrad im Landkreis. Das hat das Internet-Portal „energy-map“ errechnet. Bundesweit sind es gerade mal 26 und in Niedersachsen immerhin 45 Prozent.

„Wasserstoff wird als Energieträger der Zukunft gesehen, weil er sich sehr flexibel aus erneuerbaren Energien herstellen lässt, insbesondere auch in den Zeiten, in denen ein Überangebot an erneuerbaren Energien besteht“, heißt es im Arbeitspapier für den Kreisentwicklungsausschuss. Die sonst ungenutzten Energiemengen könnten zukünftig gespeichert und in anderen Sektoren eingesetzt werden – zum Beispiel im Verkehr oder in der Industrie. „Es soll ein ,Reallabor’ entstehen, das den Landkreis Diepholz als Innovationstreiber positioniert und Chancen für die heimische Wirtschaft und Wissenschaft bietet“, heißt es dazu. Ziel ist es demnach, regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen.

Zur Auftaktveranstaltung „Wasserstoffregion Landkreis Diepholz“ hatten sich Vertreter aus der Wirtschaft bereits Anfang September getroffen. Unabhängig davon: Schon im August hatte sich die Fraktion der Freien Wählergemeinschaft (FWG) mit einem Antrag dafür stark gemacht, dass der Landkreis eine Vorreiterrolle beim Aufbau und bei der Förderung einer Wasserstoff-Infrastruktur übernehmen soll. Auch beantragt die FWG die Einrichtung einer Klimaschutz- und Energieagentur.

Die Entscheidung über die Einrichtung einer solchen Institution ist laut Verwaltung „sehr umfangreich und komplex“. Derzeit schaffe der Landkreis die Grundlagen für ein strukturiertes Vorgehen im Bereich des Klimaschutzes. Laut Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands gebe es derzeit 38 regionale und kommunale Agenturen, davon acht in Niedersachsen.

Unabhängig davon sei dem Landkreis eine sogenannte Fokusberatung bewilligt worden. Bis Mitte 2021 solle darüber auch die Umsetzung einer noch festzulegenden Klimaschutzmaßnahme erfolgen. „Darüber hinaus werden bestehende Fördermöglichkeiten, soweit möglich und sinnvoll, schon jetzt genutzt.“ Unter dem Strich schlägt die Verwaltung vor, den FWG-Antrag bis Mitte nächsten Jahres zu vertagen. In der Zwischenzeit will sie sich sowohl mit den Städten und Gemeinden als auch mit der Metropolregion NordWest über deren Engagement und eine mögliche Zusammenarbeit austauschen.

Zu beraten hat der Kreisentwicklungsausschuss genauso über zwei Anträge der Kreistagsfraktion der Grünen. Sie wollen ein konkretes Zeichen für regionale Wertschöpfung, gesunde Böden, heimische Artenvielfalt und gesundes Essen setzen – und schlagen dafür Berichtspflichten und Beratungsleistungen der Verwaltung vor. Die wiederum verweist auf einen „nicht unerheblichen zusätzlichen und dauerhaften Aufwand für eine freiwillige Aufgabenübernahme“. Dafür müsse Personal zur Verfügung stehen. In ihrem zweiten Antrag fordern die Grünen, den Klimanotstand auszurufen. Die Verwaltung soll eine Strategie erarbeiten und umsetzen, die CO2-Nettoemissionen auf dem Landkreisgebiet bis 2030 auf Null senkt.

Dadurch würden aber, so argumentiert die Verwaltung, regelmäßige und dauerhafte Berichtspflichten neu geschaffen. Sie verweist auf zahlreiche Gesetzesinitiativen auf Bundes- und Landesebene. Allein dadurch sei mit einem „deutlichen Anstieg von Berichtspflichten und auch der Schaffung von neuen Aufgaben auf der kommunalen Ebene“ zu rechnen.

Kurzfristig hat nun auch die FDP-Kreistagsfraktion einen Antrag eingebracht. Die Liberalen fordern eine speziell auf den Landkreis zugeschnittene Strategie. Will heißen: Die Leitziele für Politik und Verwaltung aus dem Jahr 2012 sollen angepasst und möglicherweise ergänzt sowie Prioritäten neu gesetzt werden. Bis dahin soll über Anträge mit finanziellen Auswirkungen nicht entschieden werden.

Beratung

Die Mitglieder des Kreisentwicklungsausschusses tagen heute um 16 Uhr im Sitzungssaal des Kreishauses in Syke. Die Sitzung ist öffentlich. Auf der Tagesordnung stehen ebenso der Ankauf von Moorflächen und der Etat 2020.

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