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Ziel: Lebensader der Hilfe

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Von: Anke Seidel

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Schnell und effizent helfen wollen (v.l.) Theres Mattke und Ulrike Hirth-Schiller.
Schnell und effizent helfen wollen (v.l.) Theres Mattke und Ulrike Hirth-Schiller. © Anke Seidel

Das Leid in der Ukraine ist unermesslich – und die Hilfsbereitschaft im Landkreis Diepholz riesengroß. Bürger organisieren Hilfstransporte, bringen Spenden in das Krisengebiet und Menschen in Sicherheit. Landrat Cord Bockhop und die Bürgermeister der Städte und Gemeinden sind im ständigen Dialog, haben am Donnerstag in einer Video-Konferenz ihre Strategie abgestimmt.

Wir sind vorbereitet auf die Aufnahme von Flüchtlingen“, betont Landrat Cord Bockhop. Aber wie viele es sein werden und wann sie kommen, ist unklar: „Wir wissen es nicht.“

Indes steht beim Kreisverband Diepholz im Deutschen Roten Kreuz (DRK) das Telefon nicht still. Menschen bieten Sachspenden an, berichten von privaten Hilfstransporten oder Rettungsaktionen. DRK-Geschäftsführerin Ulrike Hirth-Schiller und Verbandssprecherin Theres Mattke können deren brennenden Herzenswunsch, den Menschen aus und in der Ukraine schnell zu helfen, sehr gut verstehen. Aber die Hilfe müsse eng aufeinander abgestimmt und vor allem nachhaltig sein: „Nur so kann das funktionieren!“

„Das funktioniert wie ein Uhrwerk“

Der militärische Konflikt in der Ukraine hat bei Ulrike Hirth-Schiller Erinnerungen an den Krieg im Kosovo geweckt, den sie als Helferin vor Ort miterlebte. Theres Mattke war bei Einsätzen in Ostafrika dabei. Beide betonen: Das DRK sei in internationale Strukturen eingebunden und habe fundierte Erfahrung. Das müsse genutzt werden, um so schnell und so vielen Menschen wie nur eben möglich zu helfen. Dabei greife ein Rad ins andere: „Das funktioniert wie ein Uhrwerk“, sagt Theres Mattke. Das ukrainische DRK sei mit 3 000 Helfern im Einsatz, hinzu kämen 2 000 Ehrenamtliche. Sie leisten Akutversorgung, während das deutsche DRK am weiteren Ausbau einer funktionierenden Logistiklinie arbeite – an einer Lebensader der Hilfe. Mit Beteiligung aus dem DRK-Kreisverband: Drei Fahrzeuge mit jeweils zwei Fahrern sollen in die Ukraine starten. „Im Moment ist das aber nicht möglich“, so Ulrike Hirth-Schiller. Zehn Ehrenamtliche aus dem Kreisverband sind bereits im Flüchtlingszentrum Laatzen als Begleiter eingesetzt.

88 Tonnen Hilfsgüter

Die Geschäftsführerin berichtet außerdem von 88 Tonnen Hilfsgütern (Feldbetten, Iso-Matten und Hygienepakete), die das DRK bereits nach Polen geliefert habe. „Wir haben mehr als 300 Krankenhausbetten im Bestand, die wir bei Bedarf noch liefern können“, so die DRK-Geschäftsführerin über Hilfe aus dem Kreisverband.

Gezielt und nach den Meldungen des ukrainischen DRK werde geholfen, das sei effektiv: „Privatpersonen wissen nicht, was vor Ort gebraucht wird!“ Vor allem aber würden die vielen privaten Fahrzeuge Staus auf den Zufahrtsrouten verursachen und so professionelle Hilfstransporte mit dringend benötigten Gütern erschweren.

Deshalb werben Ulrike Hirth-Schiller und Theres Mattke für Geldspenden: „Ihr großer Vorteil ist, dass sie sehr flexibel eingesetzt werden können.“ Sie bitten nachdrücklich darum, keine Sachspenden in den DRK-Shops abzugeben – auch keine Medikamente: „Es gibt eine internationale Liste“, die ausschließlich ausschlaggebend sei.

Direkte Blutspenden für die Ukraine seien ebenfalls nicht möglich. Bürger sollten die regulären Termine dafür nutzen: „Dann, wenn das ukrainische DRK Bedarf anmeldet, wird er befriedigt“, sagt Ulrike Hirth-Schiller.

Spendenkonto

Geldspenden mit dem Stichwort Nothilfe Ukraine nimmt das DRK unter IBAN DE06251205100005404200 (BIC: BFSWDE33HAN) bei der Bank für Soziales entgegen.

Das DRK bereitet sich außerdem darauf vor, bei der Aufnahme von Geflüchteten zu helfen. Unabhängig davon stehen Landrat und Bürgermeister im ständigen Kontakt. Laut Cord Bockhop leben bereits 187 Ukrainer im Landkreis. Außerdem hätten sich bisher 150 Schutzsuchende gemeldet, die sich selbst auf den Weg gemacht hatten oder durch private Kontakte gekommen waren. Wie viele dem Landkreis außerdem direkt zugewiesen würden, sei unklar. Die Unterbringung würde dezentral geregelt. Die Bürgermeister würden bei Bedarf „ganz gezielt Menschen bitten, uns zu helfen“ – zum Beispiel mit leer stehenden Wohnungen.

Von Anke Seidel

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