Der Weg ist das Ziel, ein halbes Jahr lang

3400 Kilometer - Edith Fahrenholz läuft zu Fuß nach Spanien

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Am Sonntag ist Edith Fahrenholz zu ihrer Pilgerreise nach Spanien aufgebrochen, Ehemann Karl-Heinz Hoffmann begleitet sie auf mehreren Etappen.

Heede - Von Sven Reckmann. Sie will zu Fuß nach Spanien. Die meisten, denen Edith Fahrenholz von diesem Vorhaben erzählte, dürften ziemlich „sparsam“ geschaut haben. Zu Fuß nach Galicien, nach Santiago de Compostella auf dem Jakobsweg – das sind 3400 Kilometer. Am Sonntag ging die Reise los, und wenn alles glattläuft, dann ist die Tour erst in einem halben Jahr zu Ende, im Oktober, im äußersten Norden Spaniens.

Auf fünf eng bedruckten DIN-A-4-Seiten steht der Etappenplan, den sich Edith Fahrenholz erarbeitet hat. Reiseführer gaben ihr wertvolle Tipps. Dabei hat sie darauf geachtet, meistens nicht mehr als 20 Kilometer am Tag einzuplanen und ein Ruhetag in der Woche ist in der Regel dabei. 170 Etappen reihen sich aneinander und sie tragen Ortsnamen, die selbst den geografisch Interessierten staunend zurücklassen.

Der Anfang ist noch klar: In Lehmden geht es auf den Jakobsweg, die erste Etappe endet in Damme. Immer dem bekannten Pilgerweg folgend geht es zunächst nach Köln, dann nach Trier, dann nach Puy-en-Velay und dann das längste Teilstück mitten im südfranzösischen Sommer bis an die spanische Grenze. Über die Pyrenäen geht es weiter an die Atlantikküste bei Barritz. In Nordspanien gibt es drei Pilgerrouten, von denen die Diepholzerin die nördliche nehmen will – die ist weniger bevölkert, erzählt sie. Und wenn man schon mal da ist, geht es gleich noch „ein paar Schritte“ weiter, nach Finisterre an der Atlantikküste.

Wo sie jeweils untergebracht ist, das klärt sich oftmals erst abends bei der Ankunft: Jugendherbergen, Pilgerunterkünfte, gelegentlich Hotels, Zeltplätze, kirchliche Räume – Edith Fahrenkamp lässt die Dinge meist auf sich zukommen. So sieht es auch beim Thema Verpflegung aus. Da es ohnehin nicht möglich ist, Proviant für ein halbes Jahr mitzunehmen, kauft sie auf dem Weg ein – nach Bedarf.

Seit Februar geht sie 50 Kilometer in der Woche

Die Idee, eine solche Tour in Angriff zu nehmen, kam nicht von heute auf morgen: „2012/13 wurde es langsam Wunsch“, erinnert sich Fahrenholz. Immer öfter habe sie sich mit der Frage beschäftigt, „Was möchtest Du im Leben noch machen?“ Die Antwort schrieb sie irgendwann selbst nieder. „Ich möchte von hier nach Santiago gegangen sein“, hing als Notiz fortan in ihren Arbeitszimmer.

Mit 50 war sie mit Mann und Sohn über die Alpen gewandert, ihren 60. Geburtstag verbringt sie, so ist der Plan, in den Pyrenäen. Angst hat sie keine, erzählt sie, höchstens davor, dass der Körper streiken könnte, dass Füße und Knie nicht mitspielen könnten. Damit es nicht so weit kommt, hat sie trainiert: seit Februar geht sie 50 Kilometer in der Woche. Dabei hat sie experimentiert, wie schwer ihr Gepäck sein darf, damit sie gut klarkommt: Zehn Kilogramm.

Mit dabei ist auf jeden Fall eine Jakobsmuschel, das Symbol der Pilger, die ihr eine Freundin geschenkt hat. Und Zelt, Luftmatratze und Schlafsack, zur Sicherheit, wenn es mit der festen Unterkunft am Ende des Tages nicht klappen sollte. Auch mit dabei: Zwei Paar Schuhe, das eine zum „Kilometermachen“, das andere „für Abends.“ „Ich habe die Schuhe nochmal besohlen lassen“, lacht Edith Fahrenholz.

„Auch wenn es mal wehtut“

Und was sagt ihr Mann dazu? Der war zunächst zurückhaltend, „Hauptgrund für die Zweifel ist, dass ich sie vermisse“, sagt Karl-Heinz Hoffmann. „Das ist ja auch ne ganz schön lange Zeit. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass sie sich das zutraut.“ Er entschied sich, seine Frau auf drei Teilstücken mit zu begleiten: „In der Summe bin ich zwei von sechs Monaten dabei“, erzählt er. Auch der 68-Jährige ist wahrlich kein Neuling, was lange Touren zu Fuß und mit Fahrrad betrifft. Seinen 69. Geburtstag in diesem Jahr nimmt er zum Anlass, mit einem Freund einen 4000-er in den Alpen zu besteigen. „Es muss die Bereitschaft, die Sehnsucht da sein, sich zu bewegen“, beschreibt Hoffmann den Ur-Antrieb für all das, was ihn und seine Frau in Bewegung hält. „Auch wenn es mal wehtut“. Und die Gelassenheit, wenn irgendwas mal nicht klappt.

Am Sonntag erhielten die Beiden beim Gottesdienst in Drebber von Pastor Rainer Hoffmann den Reisesegen, dann ging es auf die Strecke.

Freunde und Bekannte wünschen ihnen allseits gute Kondition und gute Sohlen und dass sie ihr großes Ziel erreichen.

Für den 10. Oktober ist der Rückflug gebucht ab Porto: „Der dauert dann anderthalb Stunden“, schmunzelt Karl-Heinz Hoffmann. Anderthalb Stunden, um ein halbes Jahr an sich vorbeifliegen zu lassen.

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