Verständnis für emotionale Betroffenheit

ZF-Werk in Diepholz: Erste Reaktionen zu Verkaufsgedanken

Der Automobilzulieferer ZF hat in Diepholz zwei Werke in der Nähe des Fliegerhorstes. Die Produktion von Fahrwerkkomponenten ist nicht von den Verkaufsplänen betroffen.
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Der Automobilzulieferer ZF hat in Diepholz zwei Werke in der Nähe des Fliegerhorstes. Die Produktion von Fahrwerkkomponenten ist nicht von den Verkaufsplänen betroffen.

Freitag wurde bekannt, dass der Automobilzulieferer ZF über den Verkauf eines der beiden Diepholzer Werke nachdenkt. Jetzt äußern sich IG Metall und Stadt.

  • IG Metall ist empört.
  • Der Betriebsrat sucht den Kontakt zu den Nachbarn.
  • Stadt Diepholz zeigt Verständnis für die Emotionen der Mitarbeiter.

Diepholz – Die IG Metall ist „empört“, der Betriebsrat berät in den nächsten Tagen über Strategien – und die Stadt Diepholz kann die „emotionale Enttäuschung der am Standort beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sehr gut verstehen“. Das sind einige Reaktionen auf die Nachricht, dass der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen über den Verkauf des Werkes Schaltungssysteme („Electronic Interfaces“) in Diepholz nachdenkt (unser Bericht vom Samstag). Davon wären etwa 500 Mitarbeiter betroffen.

Die fünf Betriebsratsvorsitzenden der ZF-Standorte rund um den Dümmer haben für Dienstag eine digitale Beratung angesetzt. Am Mittwoch will der Diepholzer ZF-Betriebsrat über die Situation und das weitere Vorgehen beraten, kündigte Vorsitzender Eduard Haab am Montag an.

IG Metall will eigene Vorschläge einbringen

Wir sind empört“, kommentierte Friedrich Hartmann, 1. Bevollmächtigter der Industriegewerkschaft (IG) Metall Nienburg-Stadthagen, das Vorgehen von ZF. Die Ankündigung, über einen Verkauf des Werkes nachzudenken, sei mitten in laufende Gespräche über einen Zukunfts-Tarifvertrag in der Region gekommen. Man werde nun die Vereinbarkeit des Verkaufs mit geltenden Haustarifverträgen – insbesondere mit Blick auf die vereinbarte Beschäftigungssicherung – prüfen, so Hartmann. Die IG Metall werde zudem eigene Vorschläge zum Erhalt des Werkes unter dem Dach von ZF erarbeiten – zum Beispiel durch die Umstellung auf neue Produkte.

Hintergrund: Getriebeschaltungen, wie sie ZF in Diepholz herstellt, werden in Elektrofahrzeugen nicht mehr gebraucht. Und diese gewinnen immer mehr Marktanteile. Laut Hartmann könne beispielsweise darüber nachgedacht werden, die Produktion des ZF-Werkes in Damme, wo der Mietvertrag ausläuft, nach Diepholz zu verlagern. Der Konzern will dieses Werk Ende 2023 schließen. Einen Verkauf ihres Arbeitgebers haben die früheren etwa 1 000 ZF-Mitarbeiter von Boge-Elastmetall in Damme sowie in den Werken in Bonn und Simmern schon hinter sich. Die frühere „ZF Boge Elastmetall“ gehört seit 2014 als „Boge Rubber & Plastics“ zu dem chinesischen Unternehmen Zhuzhou Times New Material Technology.

Die Erwartung der Stadt ist, dass der Standort Diepholz somit langfristig eine Perspektive erhält. 

Michael Klumpe 

Für die Stadt Diepholz gab am Montag Michael Klumpe als allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters auf Anfrage unserer Zeitung eine Stellungnahme ab: „Die Ankündigung der ZF Friedrichshafen AG zur Einleitung eines Prozesses, der zur Veräußerung von einem der beiden Werke am Standort Diepholz führen kann, ist eine Botschaft, die im ersten Moment auch innerhalb der Stadt Diepholz eine emotionale Betroffenheit erzeugt hat. Die emotionale Enttäuschung der am Standort beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können wir sehr gut verstehen. Die Hoffnung und Erwartung der Stadt Diepholz ist es, dass der eingeleitete Veränderungsprozess nachhaltig eine positive Entwicklung des Bereiches Electronic Interfaces (Elektronische Schnittstellen) mit sich bringt und der Standort Diepholz somit langfristig eine Perspektive erhält. Die Stadt Diepholz wird diesen Prozess konstruktiv und mit großem Engagement begleiten“, so Klumpe für die Stadt Diepholz.

Im Jahr 1995 hatte der damalige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder den Diepholzer ZF-Standort eröffnet, der 1997 um das Werk für Schaltungssysteme erweitert wurde. 2000 kam Lemförder Logistik (Lemlog) hinzu. Insgesamt beschäftigt ZF in Diepholz heute 950 Menschen.

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