„Jahrhundert-Entscheidung“

Diepholz verzichtet auf Zentralklinik – mit weitreichenden Folgen

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Ein Rettungshubschrauber vor der Klinik Diepholz. Die Stadt wird sich nicht als Standort für das Zentralkrankenhaus im Landkreis bewerben.

Die Kreisstadt Diepholz wird sich nicht als Standort des geplanten Zentralkrankenhauses im Landkreis Diepholz bewerben. Der Rat lehnte am Montagabend mit den Stimmen von CDU, FDP und Grünen die Bewerbung ab. Die Begründung folgte prompt.

Diepholz - Die Mehrheit folgte mit der Entscheidung der Auffassung von Bürgermeister Florian Marré, der angesichts der geografischen Lage von Diepholz wenig Chancen sieht und auf den großen Aufwand einer Bewerbung verwies.

Bei Enthaltung von SPD und Grünen beauftragte der Rat den Bürgermeister, nach Abschluss der Standortsuche durch den Landkreis Diepholz eine Planung zur Nachnutzung des derzeitigen Klinikstandortes in Diepholz an der Eschfeldstraße zu erarbeiten sowie Gespräche zum Erhalt einer hochwertigen medizinischen Versorgung in Diepholz zu führen.

Das Thema „Krankenhaus“ stieß auf großes Interesse. Etwa 40 Zuhörer verfolgten die öffentliche Sitzung.

Diepholz verzichtet auf Bewerbung für Zentralklinik – und nennt Gründe

Dass die knapp anderthalbstündige Diskussion öffentlich im Rat geführt wurde, schrieb sich die SPD auf ihre Fahnen. „Wenn es nach Bürgermeister Marré gegangen wäre, wäre sie ohne Beteiligung des Rates und der Öffentlichkeit gelaufen“, kritisierte SPD-Fraktionssprecher Manfred Albers. Er betonte, dass Diepholz seit mehr als 100 Jahren ein eigenes Krankenhaus habe, und nannte den Beschluss des Rates eine „Jahrhundert-Entscheidung“.

Diese Entscheidung habe schon vor einer Woche fallen sollen, der Bürgermeister habe lediglich den – stets nichtöffentlich tagenden – Verwaltungsausschuss beteiligen wollen, so Albers. Die SPD hatte mit Unterstützung anderer Ratsmitglieder die öffentliche Sondersitzung beantragt.

Bürgermeister Florian Marré betonte: „Es tut mir im Herzen weh, dass wir das Krankenhaus in Diepholz verlieren werden.“ Dort sei er geboren.

In Bassum wurden erst vor wenigen Tagen konkrete Vorschläge gemacht, wo eine Zentralklinik errichtet werden könnte.

Neue Zentralklinik im Landkreis: Diepholz verzichtet auf Bewerbung

Marré machte in einem kurzen Vortrag zu Beginn der Sitzung deutlich, warum Diepholz seiner Auffassung nach keine Chance bei einer Bewerbung um das Zentralkrankenhaus habe. So sei Diepholz mit einer Fahrzeit von 30 Minuten zur medizinischen Versorgung nur von etwa 24 Prozent der Bevölkerung des Landkreises Diepholz erreichbar. Sulingen würden in 30 Minuten 38 Prozent der Landkreis-Bewohner, Twistringen 42 Prozent und Bassum 78 Prozent.

„Wenn die Landkreisgrenzen nicht entscheidend wären, hätten wir einen interessanten Einzugsbereich“, bedauerte Marré. In Vechta misst ein eigenes Zentralkrankenhaus mit 450 Betten geplant. Der Bürgermeister erklärte, dass es in Diepholz nicht die vom Landkreis geforderten Flächen von mindestens sechs Hektar gebe. Das sah SPD-Sprecher Manfred Albers anders: „Im Bereich zwischen Friedhof und dem Kreisel Falkenhardt finden wir ohne Probleme sechs bis zehn Hektar, weit mehr als die Hälfte davon im städtischen Eigentum.“

Kreisstadt Diepholz: Nach Zentralklinik-Aus neue Pläne für Versorgung

Unterstützung fand der Bürgermeister bei CDU und FDP. „Wir sollten den Bürgern der Stadt und des Umlands keinen Sand in die Augen streuen, sondern uns auf den Weg machen, für den Standort Diepholz eine hochwertige medizinische Versorgung sicherzustellen“, sagte CDU-Ratsherr Wilhelm Paradiek. Die CDU-Fraktion sprach sich für die Gründung eines Arbeitskreises „Medizinischer Campus Diepholz“ aus – unter Einbeziehung von Medizinern, Vertretern von Gesundheitseinrichtungen und Politik. „Unser Auftrag ist es, den Krankenhaus-Standort Diepholz neu zu denken und weiterzuentwickeln. Setzen wir auf eine nachhaltige, zukunftsweisende Grundversorgung“, so Paradiek.

Auch die FDP war gegen die Bewerbung um den Zentralkrankenhaus-Standort. Fraktionssprecher Wilhelm Reckmann: „Gehen wir realistisch mit dem Thema um. Wir halten es für falsch, hohe personelle und finanzielle Ressourcen für ein fast aussichtsloses Verfahren einzusetzen.“ Auch die Liberalen fordern, dass Diepholz für den jetzigen Klinik-Standort an der Eschfeldstraße eine alternative Einrichtung für eine hochwertige medizinische Versorgung entwickelt.

Die Grünen waren ebenfalls gegen die Bewerbung der Stadt Diepholz. Ratsherr Andreas Pawelzik forderte anstelle des geplanten Zentralkrankenhauses ein „zentrales Krankenhaus zur Grundversorgung im südlichen Landkreis Diepholz“.

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