Bisher noch kein Fall von FSME im Landkreis, aber Vorsicht vor Borreliose

Zecken – leise lauernde Gefahr

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Symbolbild

Landkreis   Diepholz - Von Julia Kreykenbohm. Sie sind klein, haben acht Beine und wenn sie zubeißen, merkt es das Opfer meist nicht sofort. Dafür können die Folgen umso ernster sein. Sie lauern im lichten Wald mit Unterholz, im Gras, Farn, in Büschen oder Sträuchern. Und jetzt, wo das Thermometer über fünf Grad krabbelt, erwachen sie aus ihrer Winterstarre und gehen auf Nahrungssuche. Die Rede ist von Zecken, deren Saison nun begonnen hat.

Zurzeit schlagen Wissenschaftler Alarm, denn sie haben herausgefunden, dass nicht nur der Holzbock, sondern auch die Auwaldzecke FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) überträgt, was zu Hirnhautentzündungen führen kann (siehe Infokasten). Das bedeutet mehr Risikogebiete – auch in Stadtnähe und im Winter. Allerdings sei unklar, ob die winzigen Tiere erst kürzlich zum Überträger wurden oder ihre Gefährlichkeit bislang einfach nicht bekannt war. Neu seien immer mehr Fälle auch aus dem Norden Deutschlands. Zählt der Landkreis Diepholz auch dazu?

Landkreis Diepholz ist kein Risikogebiet

„Uns wurden keine Fälle von FSME gemeldet“, erklärt Dr. Eckbert Steffen vom Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz. Der Landkreis sei auch kein Risikogebiet.

Anders sieht es bei der Borreliose aus, denn die Zecken, die die Borreliose-Bakterien übertragen können, kommen auch im Landkreis vor. Meist verlaufen Borrelien-Infektionen unbemerkt, schreibt das Gesundheitsamt in einer Pressemitteilung. Nur bei etwa sechs Prozent der Infektionen kommt es zu Krankheitserscheinungen. Diese können sich nach einigen Tagen bis wenigen Wochen zunächst in einer flächenhaften Rötung in der Umgebung der Bissstelle äußern. „Es ist eine rundliche Rötung, wobei das Zentrum hell aussieht“, beschreibt Steffen. In späteren Krankheitsstadien kann es zu grippalen Beschwerden, aber auch zu Nervenschädigungen, Gelenkbeschwerden, chronischen Hautveränderungen oder Herzmuskelentzündungen kommen.

Vorsichtsmaßnahmen sich leicht zu ergreifen

Eine solche Infektion kann man durch Laboruntersuchungen nachweisen und mit einem Antibiotikum behandeln. Deshalb sollte man sich bei auffälligen Hauterscheinungen oder Auftreten von Krankheitserscheinungen nach einem Zeckenbiss in ärztliche Behandlung begeben, damit die entsprechenden Untersuchungen und eine Therapie veranlasst werden können.

Wie kann man sich am besten gegen die hungrigen Krabbler schützen? „Lange, helle Kleidung“, rät Steffen. Und am besten die Gehwege nicht verlassen, durch das Gebüsch und den Wald streifen. Zecken halten sich selten höher als eineinhalb Meter über dem Boden auf. Sie lassen sich auf ihre Opfer fallen oder werden von Blättern abgestrichen. Aktiv sind die Zecken besonders am späten Vormittag und frühen Abend.

Nach dem Waldspaziergang sollte die Kleidung gut ausgeschüttelt werden. Zudem sollte man sich gründlich absuchen.

So werden Zecken richtig entfernt

Zecken bevorzugen dünne und warme Hautstellen. Sie haften bevorzugt an der Kopfhaut, dem Ohr oder in Körperfalten wie zum Beispiel Achselhöhle, Armbeuge, Leiste an und können unbemerkt bis zu 14 Tagen Blut saugen. Auch Hunde oder Katzen können Zecken mit nach Hause bringen.

Es empfiehlt sich, zusätzlich Zeckenschutzmittel zu verwenden. Der Schutz hält allerdings nicht sehr lange. Die Mittel müssen sorgfältig aufgetragen werden.

Was ist zu tun, wenn man einen dieser Blutsauger am Körper entdeckt? Je früher man eine Zecke entfernt, umso besser, rät das Gesundheitsamt. Das Tier kann mit einer spitzen Pinzette (oder auch speziellen Zeckenpinzetten) möglichst hautnah gefasst und herausgezogen werden. „Wichtig ist die Entfernung von Körper und Kopf. Bleiben noch einzelne Mundwerkzeuge (kleine schwarze Stippen) in der Haut stecken, kann in der Regel auf weitere Maßnahmen verzichtet werden“, so das Gesundheitsamt. Empfehlenswert sei wie bei jeder Hautverletzung eine Desinfektion.

Erkenntnisse haben sich verändert

Wer nach einem Zeckenbiss auffällige Hautveränderungen oder Krankheitserscheinungen feststellt, sollte sich an seinen Hausarzt wenden.

Fachleute raten, die Einstichstelle per Stift mit einem Kreis zu markieren. Wenn eine Rötung außerhalb des Kreises auftaucht, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Die Markierung sollte mehrere Wochen beobachtet werden (Kreis nach dem Duschen nachziehen).

Von früheren Empfehlungen, Zecken unter Einsatz von Öl, Klebstoff oder Ähnlichem zu entfernen, wird heute nach neueren Erkenntnissen abgeraten, da es die Gefahr einer Infektion erhöhe.

Wie bei jeder Verletzung sollte der Tetanus-Impfschutz (Impfpass) kontrolliert werden, hieß es abschließend.

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