Nordkreis trifft Wandel am stärksten

Zahl der über 80-Jährigen steigt drastisch

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Ein Rentnerpaar sitzt auf einer Bank.

Landkreis Diepholz - Von Katharina Schmidt. Die Zahl der über 80-Jährigen im Landkreis Diepholz wird bis zum Jahr 2030 drastisch steigen. Viele Senioren werden dann keine Angehörigen haben, die sie pflegen können. So sagt es zumindest der Pflegebericht 2017 voraus. Erste Ergebnisse stellte Lennart Sandvoss vom Fachdienst Soziales am Dienstag bei der Pflegekonferenz im Diepholzer Kreishaus vor.

Laut Sandvoss steht dem Landkreis ein „extremer Wandel“ bevor. „Aufgrund des Babybooms haben wir jetzt noch bei den 45- bis 65-Jährigen einen Anstieg“, beschreibt er die aktuelle Situation. Diese Altersgruppe pflege häufig ältere Angehörige. Doch auch die Babyboomer kommen in die Jahre – und wer pflegt sie später? Diese Frage stellt sich angesichts der Tatsache, dass nachfolgende Generationen weniger geburtenstark waren.

Pflegepersonal ist schon heute Mangelware

Stuhr, Weyhe und das Syker Land trifft der demografische Wandel besonders hart. „Der Norden wird es wesentlich schwieriger haben als der Süden“, meint Lennart Sandvoss. In Weyhe zum Beispiel sinkt die Zahl der 46- bis 65-Jährigen seinen Berechnungen zufolge von 2015 bis 2030 um etwa ein Sechstel. Die der über 80-Jährigen steigt im gleichen Zeitraum um stolze 86 Prozent.

Im Süden des Landkreises sieht es dem Verwaltungsmitarbeiter zufolge besser aus. Eine Ausnahme bilde die Gemeinde Wagenfeld. „Die ist auch sehr betroffen.“

Kreisweit steigt die Zahl der über 80-Jährigen bis 2030 um vermutlich 45 Prozent auf 18.034 Personen. Das wären mehr Menschen, als die Kreistadt Diepholz Einwohner hat.

Insgesamt geht die Zahl der Bewohner des Landkreises Diepholz Sandvoss zufolge bis 2030 um etwa vier Prozent auf rund 9000 zurück.

Pflegepersonal ist schon heute Mangelware. Um dem Anstieg der älteren Menschen gerecht zu werden, werden bis zum Jahr 2030 Schätzungen zufolge im Landkreis rund 200 weitere Fachkräfte benötigt.

Pflegedienste werden immer stärker nachgefragt

Aller Voraussicht nach werden immer mehr Menschen auf professionelle Hilfe angewiesen sein. Eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren bereits abgezeichnet hat. Waren kurz nach der Jahrtausendwende noch etwa 1700 Menschen in Pflegeheimen untergebracht, so waren es 2015 schon 2230. Dies liegt nicht daran, dass die Landkreisbewohner mittlerweile eher bereit sind, Angehörige in einem Heim unterzubringen. Der prozentuale Anteil aller Pflegebedürftigen, die im Heim landen, ist seit 2001 sogar leicht gesunken. Es gibt einfach mehr Senioren.

Die Zahl derjenigen von ihnen, die von einem Pflegedienst betreut werden, hat sich in den vergangenen 16 Jahren mehr als verdoppelt.

Häufig leisten Angehörige die Betreuung

In den meisten Fällen betreuen Angehörige die Pflegebedürftigen. Am häufigsten ist das in den Gemeinden Stuhr und Weyhe der Fall: die Hälfte derjenigen, die alleine nicht mehr zurechtkommen, wird dort von Familie und Freunden umsorgt. Im Syker Land kommt hingegen jeder Dritte Betroffene temporär oder dauerhaft in einem Heim unter.

Weitere Details und Schlussfolgerungen erarbeitet Sandvoss derzeit. Er hat mit der Erstellung des Pflegeberichts eine Aufgabe übernommen, die in den vergangenen Jahren stiefmütterlich behandelt worden ist. Der letzte Bericht dieser Art stammt aus dem Jahr 2010.

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