60 Jahre Waffensystemunterstützungszentrum 2

Diepholz feiert Verbundenheit mit Bundeswehr

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Kommandeur Oberst Stephan Kramer blickte in die Geschichte seines Verbandes zurück.

Diepholz - Von Sven Reckmann. „Stellen Sie Ihre Rückenlehne aufrecht, klappen Sie Ihren Tisch hoch und schnallen Sie sich an.“ Mit dieser „Anleihe“ aus den Passagierflugzeugen der Luftwaffe begrüßte Kommandeur Oberst Stephan Kramer die knapp 300 Gäste im Diepholzer Theater zu Beginn seiner Rede bei der Festveranstaltung „60 Jahre Waffensystemunterstützungszentrum 2“. 

Kramer nahm die Gäste dann auch mit auf eine Zeitreise und machte schnell deutlich, dass es militärische Wurzeln hier nicht erst seit 60 Jahren gibt. Der Kommandeur stellte fest, dass vor 370 Jahren erstmals stehende Truppen in Diepholz erwähnt wurden: „Feste Regimenter bestanden dann ab 1666 fast durchgehend bis heute“.

Über den Bau des Fliegerhorstes in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts und dessen Besetzung durch britische Truppen zum Ende des Zweiten Weltkrieges ging die Reise bis in die Zeiten der heutigen, demokratisch legitimierten Bundeswehr und der Aufstellung des Luftwaffenversorgungsregiments 2 im Jahr 1958.

Zum einen werde dabei deutlich, so Kramer, dass die Bande zwischen der Stadt Diepholz und dem Militär nicht erst seit 60 Jahren, sondern seit fast vier Jahrhunderten bestehen. Außerdem werde klar, dass das Waffensystemunterstützungszentrum 2 „einer der ältesten Verbände der Luftwaffe, ja, der Bundeswehr ist.

Diepholz hat eine seltene Militärhistorie 

Kramer: „Hier in Diepholz befindet sich eine der Keimzellen unserer Parlamentsarmee, die uns bis heute den Frieden und Freiheit in Deutschland gesichert hat. Wir alle bewegen uns hier in Diepholz also auf militärhistorischem Grund, wie man ihn in vergleichbarer Art und Weise nur selten in Deutschland finden wird.“

In der nächsten Etappe seiner Reise ging der Kommandeur auf die vergangenen sechs Jahrzehnte ein, gekennzeichnet durch den rasch wachsenden Aufgabenumfang in den Anfangsjahren. 1968 hatte der Verband seine bis heute größte Stärke mit bemerkenswerten 4000 Soldaten und zivilen Mitarbeitern auf verschiedene Standorte verteilt.

Mehrere Umbenennungen des Verbandes ließen erkennen, dass schon damals der Wandel eine feste Konstante in der Bundeswehr gewesen sei. Nicht nur als technisch-logistischer Kompetenzträger sei man tätig gewesen, sondern auch in der Katastrophenhilfe bei Moorbränden oder der Schneekatastrophe 1978/79.

Es kam die Zeit der sicherheitspolitischen Veränderungen, Soldaten des Verbandes beteiligten sich schon 1993 sowohl an humanitären als auch friedenserhaltenden Einsätzen.

Für das Konzert des Heeresmusikkorps aus Hannover spendeten die Zuschauer schon zur Pause stehend Applaus.

Ob die Verlegung der CH-53 nach Afghanistan, die Instandsetzung von Radargeräten in der Türkei oder die Reparatur von Klimageräten für den Tiger in Mali – Auslandseinsätze sind inzwischen der Normalfall: „Im Durchschnitt waren in den letzten zehn Jahren an jedem einzelnen Tag fünf Soldaten des Verbandes irgendwo in der Welt im Einsatz“, rechnete Kramer vor.

Man dürfe mit Recht ein wenig stolz sein auf das, was im Verantwortungsbereich des Regimentes in den letzten 60 Jahren geleistet wurde, so Kramer.

„Ohne Sie, ohne Ihre Unterstützung, ohne unsere gelebte Patenschaft wäre dies alles nicht so erfolgreich für uns alle möglich gewesen“, rief er den Zuhörern zu.

Auch Axel Knoerig war zu Gast

Eingangs hatte Kramer stellvertretend für alle Gäste aus Politik und Gesellschaft den Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig begrüßt sowie als höchsten Repräsentanten der Bundeswehr an diesem Abend Generalmajor Michael Vetter – ein ehemaliger Kommandeur dieses Verbandes.

Auch Bürgermeister-Stellvertreter Hans-Ulrich Püschel unterstrich die Verbindung zwischen Stadt und Bundeswehr, die sich nicht zuletzt darin zeige, dass der Rat einmal pro Wahlperiode eine Sitzung auf dem Fliegerhorst durchführt. 

„Die enge Verbundenheit der Bundeswehr mit den Menschen in unserer Stadt ist in vielen Jahrzehnten gewachsen. Die Soldatinnen und Soldaten sind einfach natürlicher Bestandteil des Lebens in unserer Stadt.“ Mancher Diensthabende habe in Diepholz auch sein Glück gefunden – Familien wurden gegründet.

Offizielle Patenschaft von Stadt und Fliegerhorst 

Die Bundeswehr sei auch ein wichtiger Arbeitgeber und Auftraggeber für die Unternehmen der Stadt und der Region. Das alles spiegele sich in der offiziellen Patenschaft wider, die 2010 zwischen den Einheiten auf dem Fliegerhorst und der Stadt begründet und zwischenzeitlich erneuert und bekräftigt wurde.

Die zweite „Reise“ dieses Abends war eine musikalische: Ein hervorragendes Konzert des Heeresmusikkorps Hannover unter der Leitung von Oberstleutnant Martin Wehn stellte die ganze Bandbreite dieses professionellen Klangkörpers unter Beweis: Von der Marschmusik bis hin zu elektronisch beeinflussten, modernen Werken. 

Das Publikum im Diepholzer Theater spendete den Musikern bereits zur Pause stehend Applaus. Und nicht nur das. Der Erlös dieser Benefizveranstaltung geht an die „Diepholzer Platte Plus“. 

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