170 Besucher und laute Diskussion

Thema Wolf: Drastische Bilder bei der Grünen Woche

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Etwa 170 Besucher füllten in der Gaststätte Landgraf auf Lüdersbusch am Dienstagabend bei der öffentlichen Informationsveranstaltung der CDU Diepholz zum Thema „Wolf“ auch den letzten Platz.

Diepholz - Von Simone Brauns-Bömermann. Das Thema Wolf schlägt in den Landkreisen Diepholz und Vechta hohe Wellen. So stieß auch die öffentliche Informationsveranstaltung am Dienstagabend, zu der die CDU Diepholz eingeladen hatte, auf eine Riesen-Resonanz. Etwa 170 Besucher füllten in der Gaststätte Landgraf auf Lüdersbusch auch den letzten Platz. Gekommen waren Landwirte, Jäger, Wolfsbefürworter, Naturschützer und Neutrale. Referent war der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke.

Der Informationsveranstaltung war eine vom Gemeinderat Goldenstedt an Ministerpräsident Stephan Weil übermittelte Resolution vorausgegangen, die die „Entnahme“ des Goldenstedter Rudels fordert. Gründe: Angst der Bevölkerung von tier- und menschengefährdenden Übergriffen.

Aktuell ist der Plan der neuen Landesregierung, ab 1. Februar jeweils ein Tier eines Rudels im Raum Cuxhaven, Goldenstedt und Munster mit einem Sender zu versehen.

„Die Resonanz zeigt, wie das Thema des Goldenstedter und Barnstorfer Rudels die Menschen umtreibt“, führte Hans-Ulrich Püschel, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Diepholz, in den Abend ein: „Wir Politiker müssen darauf Antworten geben.“

Der Referent Helmut Dammann-Tamke bat – nach der Beschreibung des Status quo der Wolfssituation in der Region – die verantwortlichen Politiker: „Bitte setzen Sie sich in Hannover und Berlin dafür ein, dass das Monopol des Senckenberg-Instituts gebrochen wird“. Es müsse möglich sein, dass zum Beispiel auch die Tierärztliche Hochschule Hannover DNA-Proben ziehen dürfe zur Identifizierung eines Wolfsrisses für Entschädigungszwecke der Nutztierhalter.

Etwa 170 Besucher füllten in der Gaststätte Landgraf auf Lüdersbusch am Dienstagabend bei der öffentlichen Informationsveranstaltung der CDU Diepholz zum Thema „Wolf“ auch den letzten Platz.

Was als sachlicher Vortrag und Austausch der Meinungen lange am Abend galt, mündete am Ende doch in Tumult und laute Einwände mit Gelächter. Wolfsgegner und -befürworter lieferten sich mit verhärteten Fronten einen Schlagabtausch.

„Es muss ein erheblicher Schaden vorliegen, das ist nur bei Berufsschäfern der Fall“, argumentierte Christian Berge aus der Lüneburger Heide. „Kommen Sie doch zum Zaunbau“, die Antwort aus dem Kreis der Nutztierhalter.

Bodo Wessels (Naturfreunde Goldenstedt) wollte wissen, wann die Anfütterung von Wölfen wie in Schleswig-Holstein unter Verbot gestellt werde: „Wir verzeichnen im Moor einen regelrechten Wolfstourismus“.

Teils unter die Gürtellinie ging es in der Antwort eines Mitglieds des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) auf die Frage des Diepholzer Hegeringleiters Bernd Kittelmann „Wie stehen Sie zur Verantwortung den Menschen gegenüber?“. Die Antwort: „Ich befinde mich hier auf einer sehr populistischen Veranstaltung. Aber wenn Übergriffe auf Menschen drohen, kann über Entnahme nachgedacht werden“. Letzteres war Konsens der Interessengruppen.

„…in seltenen Fällen Nutztiere“

Rinderhalter Heinfried Sudmann kritisierte die alte Landesregierung: „Eine Antwort auf die Frage, was frisst der Wolf, laute im Internet „…in seltenen Fällen Nutztiere“.

Jagdpächter Egon Schumacher fand den Umgang der Landesregierung mit Betroffenen ignorant. Jürgen Göttke-Krogmann informierte darüber, dass sich die Weidetierhalter einen Stand auf der Grünen Woche in Berlin (19. bis 28. Januar) gemietet hätten: „Wölfe sollen leben, aber auffällige sollen weg. Wir lassen uns das nicht mehr gefallen, wir werden in Berlin neben Kulturlandschaften auch ,Hardcore-Bilder’ zu Wolfsrissen zeigen.“

Bernd Kittelmann fand es nicht schlau, den Wolf ins Jagdrecht zu nehmen: „Dann hat die Gesellschaft einen Sündenbock und wir den Schwarzen Peter“.

Viehhändler und Tierhalter Thomas Bittner berichtete: „Ich habe mit sieben Drähten eingezäunt, muss dreimal den Aufwuchs mähen. Aber den Aufwand betreibt nicht jeder. Viele Kollegen hören einfach auf.“

„Die Ruhe während des Vortrags zeigt, wie ernst das Thema ist“, resümierte der Diepholzer CDU-Landtagsabgeordnete Marcel Scharrelmann.

„Wir denken nicht tief pazifistisch“

Dammann-Tamke ging es um Antworten zum Wolfsmanagement: „Wir denken nicht tief pazifistisch, wir wollen Managementpläne, bringen uns ein und die Politik hat die Pflicht, die Akzeptanz für den Wolf zu fördern, aber auch zu managen, wenn Gefahr in Verzug ist.“

In Deutschland seien 60 und in Polen ebenso viele Rudel nachgewiesen: „Der Wolf ist ein intelligentes Raubtier, der Lebensraum hier passt. Wenn der Wolf in Stadtrandnähe das erste Mal auftaucht, sind die Veranstaltungen dort ebenso voll“, so Helmut Dammann-Tamke.

Eine derzeitige Aufnahme in das Jagdrecht bedeute aufgrund des Schutzstatus´ eine ganzjährige Schonzeit, nur verletzte Wölfe dürften von Jägern erlegt werden. Anders die Vorgehensweise mit der Besenderung: „Kann dem Wolfsrudel hier eine Annäherung an Menschen nachgewiesen werden, gilt er als auffällig und darf entnommen werden“.

Helmut Dammann-Tamke attestierte den fundamentalen Wolfsbefürwortern: „Sie machen einen Kardinalfehler: Deutschland ist ein flächendeckendes Kulturland mit Landwirten und Schäfern, die Landschaftspflege betreiben“. Fazit des Präsidenten der Landesjägerschaft: „Wer es mit der politischen Verantwortung ernst nimmt, muss handeln“. Ein Beispiel sei, die Konditionierung der Tiere durch Abschuss eines Rudelmitgliedes, sich nicht mehr den Menschen zu nähern. Das praktiziere Finnland bereits sehr stringent: „Wir werden in Deutschland territoriale Rudel haben, es bleibt eine Frage des Managements.“

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