Witziges für meist weibliche Besucher

„Zauber der Travestie“ im Theater Diepholz

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Kalle aus der ersten Reihe mit „Fräulein Luise“ bei „Zauber der Travestie“auf der Bühne.

Diepholz - Von Simone Brauns-Bömermann. Das weiß eigentlich jeder aus der Schule: Erste Reihe ist Chance und Risiko zugleich. Wer allerdings Karten zu der Show „Zauber der Travestie“ in Reihe eins des Diepholzer Theaters gebucht hatte, konnte fest damit rechnen, auf der Bühne zu landen. So widerfuhr es Kalle aus Diepholz, einem der in der Minderzahl gekommenen Männer der rund 280 Besucher der schrillen Show am Freitagabend.

Das gestandene „Fräulein Luise“ alias Lutz Kaus-Hogen hatte sich unsterblich in Kalle verliebt, nahm ihn aus den Zuschauerreihen mit auf die Bühne und benutzte ihn als lebendigen „Dressboy“ in Funktion eines Kleiderhalters. Kalle ließ sich viel gefallen, aber nicht alles: Die allzu große Nähe quittierte er mit einem kleinen Patsch aufs Händchen von Spanierin Luise. Die purzelnden Kleidungsstücke beeindruckten den gelassenen Revue-Besucher wenig, er dekorierte sich humorvoll selbst damit.

Etwa 70 Prozent der Diepholzer Besucher der schrillen Revue waren weiblich. Geboten wurden glitzernde Kostüme, viel Schminke, ungenierte Witze und Parodie, Witze am laufenden Band und große Musik. Dabei gingen die Künstler – in Diepholz waren es sechs aus einem wechselnden Pool – offen mit ihren Stärken um: Manche singen Live, manche Playback. Marcel Bijou („Ihr dürft mich Marcella nennen!“) ist wirklich ein Goldstück, ein Geschenk. Sie liebt Schlager, stellt aber bissig fest, dass Rex Gildo rechtzeitig „den Absprung“ fand und Costa Cordalis das Po-Fett im Gesicht gut steht.

Strippende Männer

Einmal warm geworden im Umgang mit strippenden Männern in Frauenklamotten, kriegt Diepholz trotz „steil Gehens“ sein Fett weg: „Heute sind wir wieder in der Stadt, die immer schläft. Und man fährt auch nicht mit der Reeperbahn und steigt in St. Pauli ein, aber das müsst Ihr noch lernen.“ Großstadt-Comedy – aber die wird auch hier verstanden. Sonst wäre das Blitzlichtgewitter im Foyer nicht zu verstehen, als die recht großen Damen sich ablichten ließen. Johnny Boy bringt es auf den Punkt: „Bon soir im La cage aux folles“ (Ein Käfig voller Narren)“ mit Evergreen „Ich bin, was ich bin.“

Es ist nicht die Qualität des Gesanges an sich, sondern das Gesamtfeeling, das mitnimmt und besticht. Die Säulen der Show sind Glamour, Parodie, Gesang, Tanz und die eingeschobenen kleinen Plaudereien nach der Manier: „Kennste den schon?“. Witze mal kurz und knackig, mal unter der Gürtellinie, aber alle zum herzlichen mal wieder Lachen.

Schlager, Oper, Bauchtanz, Pop

Verwandlung ist das zweite große Thema: Wenn sich die Uniform zum abendlichen Sadomaso-Outfit wandelt bei Ireen Sue, dem philippinischen Mann. Schlager, Oper, Bauchtanz, Pop rocken die Bühne. Obschon die Putzfrau (Marcel Bijou) eigentlich schon „reine machen“ will, bevor die Show ihren Höhepunkt erreicht: „Ich versteh das nich, eigentlich ist nach den literarischen Lesungen auf dieser Bühne immer nach einer Stunde Schluss, aber diese Transistoren überziehen wohl heute Abend wieder…“.

Ganz zum Genuss des Publikums in Diepholz, das ordentlich weiter lachen wollte. Das konnten die 280 Besucher dann auch mit dem passenden Song: „We had joy, we had fun“, das Original von Terry Jacks „Seasons in the sun“. Zwar gemimt, aber gefühlt waren Tina Turner, Michael Jackson, Bonnie Tyler und Neil Diamond auf den Brettern zu hören.

Auch wenn das Theater nicht voll war, bleibt Diepholz bestimmt im Kalender des „Original Zauber der Travestie“. Die Besucher sind zu begeistern, denn eine gute Revue hat schon so manchen Zweifler überzeugen können, einen schrillen Abend einfach mit Anspruch: Schrill, frivol, frech und bunt zu genießen.

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