Vorsitzender wiedergewählt

Fünf weitere Jahre für die Wirtschaft: Knoerig will Energieregion stärken

Der Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig leitet für weitere fünf Jahre die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Diepholz.
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Der Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig leitet für weitere fünf Jahre die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Diepholz.

Für fünf weitere Jahre ist Axel Knoerig an die Spitze der Wirtschaftsförderungsgesellschaft gewählt worden – einstimmig. Welche Zukunftsaufgaben der neue und alte Vorsitzende sieht und wie er die Folgen von Corona für die Betriebe im Landkreis Diepholz einschätzt, darüber spricht er im Interview. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Herr Knoerig, Sie sind seit sechs Jahren Vorsitzender der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und starten nach Ihrer Wiederwahl in eine weitere Amtsperiode. Mit welchem Gefühl?

Hochmotiviert in die Oppositionsarbeit, weil ich die Aufgabe in der Wirtschaftsförderung immer wieder verbinde mit meinem Bundestagsmandat. Das erdet mich ein Stück weit, dass das, was in Berlin beschlossen wird, hier unten auch ankommt.

Mit welchem Ziel starten Sie in die neue Wahlperiode?

Die mittelständischen Unternehmen zu stärken und damit auch Arbeits- und Ausbildungsplätze zu sichern. Das ist das oberste Ziel. Was dabei sehr gut funktioniert, ist die Kooperation des Berufsbildungszentrums Dr. Jürgen Ulderup am Standort Sulingen mit den Unternehmen – aber genauso die Zusammenarbeit mit der Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik in Diepholz. Bei den Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft hat die BBS Europaschule in Syke allein schon aufgrund ihrer Größe einen besonderen Stellenwert. Was sich neu herausgebildet hat, ist das Berufsförderungszentrum TAFF in Bassum. Das funktioniert hervorragend! Und ich rege immer wieder an, im Sulinger Land etwas Ähnliches zu schaffen. Ich habe TAFF und Bethel im Norden zusammengebracht, sodass noch mehr Jugendliche mit besonderem Förderbedarf mit dieser Unterstützung auf den ersten Arbeitsmarkt kommen.

Gibt es weitere Partner?

Schon vor Jahren habe ich einen regelmäßigen Austausch zwischen der Wirtschaftsförderung, der IHK, der Kreishandwerkerschaft, der Arbeitsagentur und dem DGB organisiert, damit sich die Ausbildungsrichtung gut entwickelt. Die Ausbildungsverträge im Handwerk lagen bei uns 2019 bei 450 und 2021 bei 470, sie sind also fast gleich geblieben. Nehmen wir die gewerblichen und kaufmännischen Ausbildungsverträge hinzu: 636 waren es im Oktober 2021 und 756 am Stichtag 2019. Wobei man dabei unbedingt die Umstellung von G 8 auf G 9 berücksichtigen muss. Das hat zu zehn Prozent weniger Schulabgängern geführt.      Was mich sehr freut, ist, dass ich als Abgeordneter im Wirtschaftsausschuss an der Ausbildungsprämie mitgearbeitet habe. Da gab es Prämien zwischen 2 000 und 6 000 Euro pro Ausbildungsplatz. Darüber sind allein im Landkreis Diepholz 209 neue Ausbildungsverträge zustande gekommen.

Die Wirtschaft im Landkreis Diepholz gilt durch ihren Branchenmix – die bunte Mischung aus produzierendem Gewerbe und Dienstleistungen in den unterschiedlichsten Branchen – als weitgehend krisenfest. Hat sich das durch Corona geändert?

Allein im Jahr 2020 sind 66 Millionen Euro Coronahilfen in den Landkreis Diepholz geflossen – vor allem in die Veranstaltungs- und Kulturbranche, zu Schaustellern, in die Gastronomie und in Reisebüros. Diese Branchen waren am stärksten von der Pandemie betroffen.      Es gab aber auch Lieferengpässe in der Wirtschaft: zu wenig Mikrochips und zu wenig Holz zum Beispiel. Das hat dazu geführt, dass Betriebe weniger produzieren konnten und deshalb auch auf Kurzarbeitergeld angewiesen waren. Von April bis Dezember 2020 waren im Landkreis Diepholz rund 31 000 Mitarbeiter in Kurzarbeit angemeldet – 2 500 Firmen haben das angezeigt. Im gleichen Zeitraum waren 2021 nur noch 2 700 Personen in Kurzarbeit. Das ist weniger als ein Zehntel.      In jedem Fall war das Kurzarbeitergeld ein wichtiger Stabilisator für Firmen und hat vielen Menschen den Arbeitsplatz gerettet.

Sorgen Sie sich um die Zukunft der Betriebe?

Was uns gelingen muss, ist in den Köpfen der Menschen die Erkenntnis zu erreichen, dass akademische und berufliche Bildung gleichwertig sind. Gleich bedeutet nicht Gleichmacherei! Deshalb haben wir, der Bund, über die Schulen den Digitalpakt gestärkt und fünf bis sechs Milliarden Euro für die technische Modernisierung der Schulen zur Verfügung gestellt. Davon haben auch die Berufsbildenden Schulen profitiert! Trotz Corona: Mit 600  000 Euro Fördermitteln ist es im vergangenen Jahr gelungen, 18,8 Millionen Euro Investitionen von Betriebsinhabern auszulösen – 175 neue Arbeitsplätze sind entstanden.

Wie hoch ist die Fördersumme 2022?

Wir haben eine Million Euro für 2022 eingeplant – also noch einmal aufgestockt. Man muss sich mal vor Augen führen: Von 1978 bis 2021 hat die Wirtschaftsförderung des Landkreises mit ihren Zuschüssen 989 Millionen Euro Investitionen in Unternehmen und Betrieben ausgelöst. Der Landkreis hat in diesem Zeitraum 38 Millionen Euro an Zuschüssen gezahlt. Damit konnten 33 000 Arbeitsplätze geschaffen und gesichert werden. Chapeau dem Team Klingenberg (Anmerkung der Redaktion: Günter Klingenberg ist Leiter des Fachdienstes Wirtschaftsförderung sowie Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft)!

Existenzgründungen, Betriebserweiterungen oder Neuansiedlungen: Wo lag 2021 der Schwerpunkt?

Bei den Betriebserweiterungen mit 16 Vorhaben, dazu kamen sechs Existenzgründungen und fünf Neuansiedlungen. Das ist auch generell der Trend, nur im letzten Jahr gab es mehr Gründungen (12) als Erweiterungen (10).

Wie hat der Bund die Wirtschaft in diesem Lebensraum weiter unterstützt?

Da gab es zwei wichtige Förderbereiche. Der eine war angesiedelt im Bundeswirtschaftsministerium, das zentrale Förderprogramm für den Mittelstand. Darüber sind 70 Vorhaben mit insgesamt 7,5 Millionen Euro im Landkreis Diepholz gefördert worden. Das zweite war angesiedelt im Bildungs- und Forschungsministerium, das Programm KMU innovativ. Darüber sind 30 Vorhaben mit einer Summe von 6,8 Millionen Euro unterstützt worden.     Im selben Zeitraum hat die KfW-Bank 71,3 Millionen Euro an Krediten und Zuschüssen für rund 200 Betriebe im Landkreis bewilligt – vor allem für die Bereiche Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Innovation.

Welchen Einfluss haben Sie als Bundestagsabgeordneter persönlich?

Da gibt es ein gutes Beispiel, was ich bewirken konnte: Es hat Nachbesserungen bei den Corona-Schnellkrediten gegeben, sodass der Eigenkapitalanteil wegfiel. Wir, die Bundestagsabgeordneten, haben jede Woche zwei bis drei Stunden mit dem Staatssekretär zusammengesessen und ihm alle Problemfälle der Unternehmen aus den Wahlkreisen vorgetragen – um zu überlegen, wie man das optimiert. So konnte ich auch Verbesserungen für meinen Wahlkreis erreichen.

Aber nun sind Sie in der Opposition …?

Da werde ich die Arbeit der neuen Bundesregierung konstruktiv und kritisch begleiten. Ich habe zum Beispiel laut kritisiert, dass das Programm zum Ganztagsausbau im Grundschulbereich von der neuen Regierung gestoppt wurde. Wir haben uns als CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Verlängerung des Programms stark gemacht – und das ist anschließend von der Regierung auch so übernommen worden. Im Landkreis Diepholz sind für dieses Programm elf Grundschulen ausgewählt. Es geht um insgesamt 1,7 Millionen Euro Fördermittel vom Bund.

Wo sehen Sie neue wirtschaftliche Entwicklungschancen im Landkreis Diepholz?

Für die Landkreise Diepholz und Nienburg ist das der Wasserstoffbereich! Bei den erneuerbaren Energien ist der Landkreis Diepholz Vorreiter, weil hier – gemessen am Verbrauch – fast 200 Prozent grüner Strom produziert werden und wir also fast 100 Prozent exportieren können. Diese Vorreiterrolle muss in Verbindung mit dem Klimaschutz zu einer modernen Energieregion ausgebaut werden. Deshalb habe ich den vorherigen Wasserstoffbeauftragten der Bundesregierung in die Region geholt. Fast 60 Betriebe hatten großes Interesse. Der Landkreis Nienburg hat für seinen Betrieb Abfallwirtschaft ein Wasserstoffcluster bewilligt bekommen. Über Windkraft und Fotovoltaik soll dafür grüner Strom erzeugt werden.

Gibt es weitere Bereiche?

Ich möchte auch meinen Beitrag dazu leisten, dass die Landwirtschaft deutlich gestärkt wird bei ihrer Direktvermarktung. Aber auch die E-Fuel-Produktion ist ein großes Thema: Das könnte für die Landwirtschaft eine neue Zukunftschance sein, weil sie an der Herstellung beteiligt werden könnte.     Die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur ist ebenso wichtig. Aber auch, dass wir Tourismus und Kulturangebote noch besser miteinander vernetzen.

Was braucht es für die Umsetzung?

Die Grundbasis ist letztendlich die Digitalisierung. Der Breitbandausbau im Landkreis Diepholz kann in den nächsten zwei, drei Jahren komplett abgeschlossen werden. Unser Versprechen, dass wir uns für jeden weiteren Haushalt um eine individuelle Lösung bemühen, müssen wir einhalten. In der vergangenen Wahlperiode haben wir für den Mobilfunk eine bundeseigene Infrastrukturgesellschaft gegründet. Das muss nun gemeinsam mit den Landkreisen und Kommunen mit Leben gefüllt werden. Da muss man dort, wo bisher weiße Flecken sind, Standorte sichten und in die Technik investieren!      Außerdem hat der Kreistag für die Planung von wichtigen Umgehungsstraßen beschlossen, selbst Personalressourcen einzusetzen und damit Aufgaben der Landesstraßenbaubehörde zu übernehmen – damit die Planung schneller vorangeht und die Projekte schneller realisiert werden können.

Zur Person

Axel Knoerig ist seit 2009 Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Diepholz-Nienburg I. Der 54-Jährige hat außerdem den stellvertretenden Bundesvorsitz der CDA, also der christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschland, und ist ebenso stellvertretender Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Er lebt mit seiner Familie in Kirchdorf und ist Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Diepholz. Außerdem hat er einen Sitz im Kreistag. Seit 2016 ist Knoerig Vorsitzender der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Diepholz. Diese Einrichtung ist ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Landkreis Diepholz und dem Landkreis-Fachdienst Wirtschaftsförderung sowie dem Kreistag und den Unternehmen.

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