Betriebsrat des Diepholzer Werkes kämpft

„Wir wollen bei ZF bleiben“

Sie kämpfen darum, dass das Diepholzer Werk Electronic Interfaces (Schaltungssysteme) unter dem Dach von ZF bleibt: Betriebsratsvorsitzender Eduard Haab und seine Stellvertreterin Anette Hill.
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Sie kämpfen darum, dass das Diepholzer Werk Electronic Interfaces (Schaltungssysteme) unter dem Dach von ZF bleibt: Betriebsratsvorsitzender Eduard Haab und seine Stellvertreterin Anette Hill.

Diepholz – Die Nachricht kam plötzlich: Der Automobilzulieferer ZF denkt über den Verkauf des Schaltungssysteme-Werkes „Electronic Interfaces“ (EI) in Diepholz nach. „Ostern war versaut“, bringt es Eduard Haab auf den Punkt. Seit 15 Jahren ist er Betriebsratsvorsitzender des Werkes. Bislang sei die Zusammenarbeit mit der Arbeitgeberseite immer von gegenseitigem Vertrauen geprägt gewesen: „Ein Geben und Nehmen.“ Das sei nun erst mal vorbei.

„Wir werden kämpfen“, kündigte Haab am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung an – unterstützt von seiner Stellvertreterin Anette Hill, die sich seit 14 Jahren als Arbeitnehmervertreterin in dem Werk an der Siemensstraße engagiert. Das Ziel ist klar: „Wir wollen bei ZF bleiben!“

500 Mitarbeiter wären von einem Verkauf betroffen. Der Betriebsrat plant Aktivitäten dagegen, ohne schon konkret zu werden. Auch mit der IG Metall hat er Gespräche geführt. Die Gewerkschaft könnte Streiks oder ähnliche Aktionen an dem Werk in der Nähe des Fliegerhorstes Diepholz organisieren.

Zwei Politiker zu Gast

Am Freitag sind laut Eduard Haab der Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig und der Landtagsabgeordnete Marcel Scharrelmann (beide CDU) zu Gesprächen in dem möglicherweise vom Verkauf bedrohten Werk zu Gast.

Der Betriebsrat weist darauf hin, dass schon im Jahr 2016 der Tarifvertrag „Beschäftigungssicherung“ für den Multidivisionsstandort Lemförde abgeschlossen wurde. Dieser sei mit Einkommensverzicht der Mitarbeiter verbunden gewesen. Der Vertrag – offiziell „Überleitungstarifvertrag zur Stärkung der Wettbewerbs-/Innovationsfähigkeit und Beschäftigung am Multidivisionsstandort Lemförde“ sei auch geschlossen worden, damit die Konzernführung Zeit habe, um über die Zukunftssicherung der Werke rund um den Dümmer nachzudenken. Eingefallen sei den Managern für das Werk EI offenbar nichts – außer einem möglichen Verkauf, kritisierten Eduard Haab und Anette Hill.

Die Division „Schaltungssysteme (heute EI) sei schon immer ein „Exot“ im ZF-Konzern gewesen. Während alle anderen Produkte „außen am Auto“ beziehungsweise für die Insassen nicht direkt sichtbar sind – wie Fahrwerk-und Getriebe – seien Produkte dieses Werkes wie Schaltabdeckungen „im Auto“. Das stellt auch Ansprüche an das Design.

Multidivisionsstandort

Der Automobilzulieferer ZF gliedert sich in Divisionen, die unterschiedliche Produkte herstellen. Am Multidivisionsstandort Lemförde sind fünf Werke (Divisionen) an den vier Standorten Diepholz, Damme, Wagenfeld und Dielingen zusammengefasst.

Derzeit laufe das Geschäft gut, erklärte Haab: Es würden derzeit wegen der staatlichen Elektrofahrzeug-Zuschüsse viele Autos mit Hybrid-Antrieb gekauft. Und diese brauchen noch Getriebe mit meist automatischen Schaltungen – im Gegensatz zu reinen Elektroautos.

Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Anette Hill sieht den Verkaufsgedanken schon weiter als im „frühen Stadium“ wie von der Konzernspitze geäußert: „Ich habe das Gefühl, dass sie uns nicht alles sagen, was sie wissen.“ Eduard Haab fragt sich, ob es Zufall sei, dass ein hochwertiges und zukunftsfähiges Produkt einer ZF-Tochter in Espelkamp schon im Dezember in eine andere Division verschoben wurde, also gegebenenfalls nicht mehr zum Verkaufspaket gehört.

Alle Werke rund um den Dümmer auf dem Prüfstand

ZF stellt offenbar derzeit alle Werke des Multidivisionsstandortes Lemförde auf den Prüfstand. In einem internen Schreiben heißt es: „Die Fahrwerkstandorte Damme, Diepholz, Wagenfeld und Dielingen erwirtschaften entweder schon heute kein positives Ergebnis mehr oder werden dies bei fortschreitendem Rückgang des Geschäfts nicht mehr erreichen.“ Es sei daher „unumgänglich, die Produktgruppen aller Multi-Divisions-Standorte (MDS) zu analysieren und gegebenenfalls an kostengünstige Standorte zu verlagern oder ganz aufzugeben“. ZF produziert beispielsweise auch in Tschechien und Serbien.

Der Betriebsrat sieht ein, dass manche Produkte – wie Getriebeschaltungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren – nicht mehr zukunftsfähig sind. In dem modernen Diepholzer Werk könnten aber auch andere Produkte hergestellt werden. „Die Mitarbeiter sind engagiert, lern- und weiterbildungsfähig.“ Zu Veränderungen sei der Betriebsrat bereit – sofern sie denn unter dem Dach des ZF-Konzerns stattfinden.

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