Helfer schützen Jungtiere vor der Ernte

Wiesenweihe: Gefährdete Flugkünstler im Moor

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Faszinierendes Bild: Wiesenweihenmännchen im Anflug auf eine Sitzwarte.

Diepholz/Nienburg - Es ist nur ein kurzer Moment: Ein schlankes Greifvogelweibchen fliegt aus einem Getreidefeld auf und schraubt sich in die Höhe. Es fängt die Beute, die das Männchen gerade fallen lässt, im Flug und kehrt zum Nest im Getreide zurück. So lebt die Wiesenweihe, eine bundesweit stark gefährdete und streng geschützte Greifvogelart. Mitarbeiter des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Diepholzer Moorniederung kümmern sich um den Schutz dieser seltenen gefiederten Moorbewohner.

„Charakteristisch ist ihre schlanke Gestalt mit langen Flügeln“, berichtet Luise Boldt von der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz und Landschaftspflege. Die Weibchen haben ein überwiegend braunes Gefieder, während die Männchen ein blaugraues Federkleid tragen. „Bei den größeren Weibchen fällt im Flug der weiße Schwanzansatz, der Bürzel, auf“, so Luise Boldt.

Der BUND Diepholzer Moorniederung leistet in Zusammenarbeit mit dem NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und mit Unterstützung ehrenamtlicher Helfer den Wiesenweihenschutz. Ihr Betreuungsgebiet umfasst große Teile des Naturraums Diepholzer Moorniederung, außerdem nördlich angrenzende Gebiete in den Landkreisen Diepholz und Nienburg – rund 114.000 Hektar mit besonderem Wert: Dort lebt etwa ein Drittel der gesamten niedersächsischen Wiesenweihen. In Deutschland brüten laut BUND zurzeit etwa 500 Wiesenweihenpaare, davon 100 in Niedersachsen.

Wiesenweihe brütet etwa 28 Tage

Warum ist die Arbeit der Wiesenweihen-Schützer so wichtig? „Zwischen Mai und Juli brütet die Wiesenweihe für etwa 28 Tage“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Mindestens 32 weitere Tage dauert es, bis die Jungen flügge sind. Die Bruten finden fast ausschließlich im Wintergetreide, insbesondere in Wintergerste, statt. Dies gefährdet die Wiesenweihen besonders, da das Getreide oftmals erntereif ist, bevor die Jungen ausfliegen können. Ein Schutz der Wiesenweihenbrut ist zum Erhalt dieser Art daher unerlässlich.“

In der Brutsaison 2016 haben die Projekt-Helfer des BUND 23 Brutpaare betreut, 21 Jungvögel sind ausgeflogen. Im Jahr 2015 waren es 34 Bruten mit 56 flüggen Jungen – und damit deutlich mehr. Diese Entwicklung begründet Luise Boldt mit dem Rückgang der Feldmäuse: „Eine der Leibspeise der Wiesenweihe.“ Neben Kleinsäugern ernähre sie sich von Kleinvögeln und größeren Insekten.

Wie vielen Wiesenweihen die Helfer in diesem Jahr ein Überleben ermöglichen, steht noch nicht fest: „Für die aktuelle Brutsaison werden die Zahlen erst im August vorliegen, die ersten Jungvögel werden derzeit flügge.“ Sie müssen im August oder September ihre erste große Reise antreten – zum Überwinterungsgebiet südlich der Sahara in Westafrika, der Sahel-Zone.

Bestand stark gesunken

Laut Pressenmitteilung des BUND ist der Wiesenweihenbestand in Europa seit Mitte des 20. Jahrhunderts stark gesunken: „Grund dafür ist unter anderem der Verlust der ursprünglichen Bruthabitate in Feuchtwiesen und Mooren.“ Die Entwässerung der Wiesen, die häufigere Mahd oder die Umwandlung in Ackerland hätten die Wiesenweihe in die offene Agrarlandschaft umsiedeln lassen, heißt es weiter.

Die Wiesenweihen-Schützer kennen die Brutgebiete des seltenen Vogels gut. Sie fahren zwischen Ende April und Juli wiederholt die Wege mit dem Auto ab – auf der Suche nach Wiesenweihen-Paaren. Rund 14.000 Kilometer legen sie nach eigenen Angaben pro Saison zurück. „Das genaue Auffinden und die Kontrolle der Nester erfolgen ausschließlich zu Fuß“, so der BUND.

Die Helfer brauchen Geduld und Spürsinn: Stundenlang beobachten sie einen Bereich, in dem es Hinweise auf Brutpaare gibt – auf der Suche nach dem Nest. Ein entscheidender Hinweis: die Beobachtung der Beute-Übergabe. Entdecken die Helfer tatsächlich einen Nistplatz, kontrollieren sie wenige Tage vor der Ernte das Nest im Getreide. Die alles entscheidende Frage: Fliegen die Jungvögel noch vor der Ernte aus – oder müssen Schutzmaßnahmen greifen?

In letzterem Fall arbeiten die Helfer mit dem zuständigen Landwirt zusammen: „Es wird eine Schutzzone um das Nest eingerichtet, die bei der Ernte ausgespart wird.“ Immer öfter setzen die Helfer Elektrozäune, um Eier und Jungvögel vor Beutegreifern wie dem Fuchs zu schützen.

Wärmebildkameras als neue Schutz-Maßnahme

„Ein neuer Ansatz im Wiesenweihenschutz, der in Bayern bereits seit Jahren erfolgreich umgesetzt wird, ist das Überfliegen der Nester mit einem ferngesteuerten Flugobjekt wie Kopter oder Drohne“, berichtet der BUND. „Eine angebrachte Wärmebildkamera bildet die brütenden Weibchen oder die Jungvögel aufgrund ihrer höheren Körpertemperatur im Vergleich zur Umgebung ab und hilft somit bei der genauen Lokalisation des Neststandortes.“ Eine Normalbildkamera liefere zudem Bildmaterial, mit dem beispielsweise das Alter geschlüpfter Jungvögel bestimmt werden könne.

Auch der BUND Diepholzer Moorniederung arbeitet seit Juli vergangenen Jahres mit einem Kopter, ausgestattet mit Normal- und Wärmebildkamera – gefördert durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung.

„Der Einsatz der Wärmebildkamera erhöht die Chance, auch diese Jungvögel zu finden“, berichten die Wiesenweihen-Schützer.

sdl

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