Matthias Meyer stellt im Tuchmacherhaus aus

Werke, die nicht kommod sind

Matthias Meyer zeigt seine Werke noch bis zum 2. Oktober im Tuchmacherhaus. Der Titel der Ausstellung: „Exilfragmente“. - Foto: Brauns-Bömermann

Diepholz - Von Simone Brauns-Bömermann. Den Besuchern steht an diesem Spätsommertag ein Künstler gegenüber, der zwar viele Sprachen spricht, aber seine einzig wahre die Malerei in Verbindung mit Poesie zu seien scheint. Matthias Meyer aus Syke, geboren in Hoya, wohnt jetzt in Bremen, stellt im Tuchmacherhaus mit Werken unter dem Titel „Exilfragmente“ bis zum 2. Oktober aus.

Er schaut mit durchdringenden Augen und lädt die Besucher ein, ebenso seine Werke zu beschauen, durchschauen kann jeder Betrachter sie nur auf seine ganz ureigene Art und mit spezifischer Interpretation. „Kunst ist sensibel, Kunst ist Wahrheit, Kunst überlebt alles“, ein Zitat von Meyer aus dem letzten Jahr, das lebt er seit 2005. Da begann nämlich sein freischaffendes Arbeiten autodidaktisch und mit „Bildgebung“ wie er es nennt.

Warum heißt die Ausstellung „Exilfragmente“?, fragt sich mancher Besucher. Wörtlich betrachtet, kommt Exil von Exsilium und kann entweder Verbannung oder Zufluchtsstätte bedeuten. Ein Fragment ist zu meist ein Bruchstück oder ein unvollendetes Kunstwerk. Das selbst gewählte Exil scheint in Meyers Inneren zu liegen, die Fragmente dringen in Farbe oder Kohle nach außen. Auf Meyer angewendet ist das, was er als seelische Not bezeichnet, durch den Körper als ausführendes Element – in diesem Fall die Hände – auf Leinwand gebannt.

Was dem Betrachter wunderbar separiert und auf wenige Stücke reduziert im Tuchmacherhaus entgegentritt, ist alles andere als die sympathische Werbefigur, das nette Gesicht von nebenan oder das harmonische Ich. Es sind geisterhafte Hände, schwarze Augen, verzehrte Gesichter, diabolische Ausdrücke oder ein Kopf unter dem Arm, Gesichter überall im Angesicht der inneren Not. Hände wirken immer extrem groß, entweder flehend vor dem Hintergrund großen Unheils oder warnend dem Gegner entgegengestreckt, er möge Not abwenden.

Meyer ist 35 Jahre und das was dort auf Leinwand thront, musste einfach aus ihm heraus. Dabei hat er Sprachen gelernt: Englisch, Spanisch, Französisch. Er ist Sprachstuart. Doch er wollte bildlich tätig werden. „Ich schaute mir Bilder von großen Künstlern wie Salvador Dalí oder René Magritte an und versuchte zu ergründen, was brachte den Künstler dazu, so zu malen. Seine Werke in kräftigen Farben in Acryl und Sprühlack spiegeln Angst und Entsetzen vor Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit.

Ein bereits verkauftes Werk heißt „Mein inneres Kind“, ein Selbstportrait mit einem übermächtig wirkenden Kopf und diabolisch groß aufgerissenen Augen und einem nach oben schauenden Kind vor einem Mond- und Universum Szenario. Wer ist das Kind, wer der Dämon, in welcher Zeit bewegen wir uns? Alles das muss der Betrachter ermessen, Meyer weiß es. „Jeder Pinselstrich ist für mich ein Aufatmen aus meiner tiefen Seele“. „Zur Schau stellen der Bürde“, das Bild mit der surrealen Person in Kriegerpose mit Speer in der einen und Kopf in der anderen Hand. Wessen Kopf ist das, was war dort drin, die Bürde? Bürde als zu viel Denken, zu viel Traum, zu viel Traglast, zu viel Kummer und Mühe?

Beim nächsten Bild entdeckt der Künstler selbst, da er langsam und leise spricht, gerade erst den Titel: „Der Triumph der Naivität über die Ungerechtigkeit“, so könnte es sein.

Künstlerkollegen wie Edwin Partoll aus Drentwede und Rolf Schützek aus Syke, die zur Vernissage kamen, versprechen dem jungen Künstler ein steile Karriere: Er sei expressiv, tiefgründig und poetisch. Nach ihrer Meinung gute Voraussetzungen, seinem Lieblingsmodell, dem Diabolo auf Erden, dem Menschen, die Hände und entsetzten Gesichter zu zeigen. Eine Art Exil und Distanz zu eigenen Gefühlen spielen dabei eine Rolle, das Hinterfragen von philosophischen und religiösen Themen. Er probiert sich ebenso in Action-Painting und plötzlich entsteht eine Ahnung von Synapsen-Verbindungen oder Meyer meint: „Das ist die Frage nach einem Recht auf Forderung auf Wiedergeburt“.

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