Weihnachtsbäume im Landkreis Diepholz werden von der AWG aufbereitet

Aus Dekoration wird Energie

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Ein Mitarbeiter der AWG entsorgt einen der vielen Weihnachtsbäume auf dem Kompost.

Landkreis Diepholz - Von Julia Kreykenbohm. Sein Dasein hat Höhen und Tiefen, wie bei manch einem Superstar: Erst stand er als einer von vielen unbeachtet auf einer Plantage und fristete ein ruhiges Dasein. Dann wurde er gefällt, verpackt und fortgeschafft. In fremder Umgebung mit Lametta und Kugeln behängt, als funkelnder Mittelpunkt im christlichen Fest. Doch nur wenige Wochen später wird er seines Schmuckes beraubt und aus dem Wohnzimmer verbannt. Wohin führt sein Weg ihn nun?

Im Landkreis Diepholz haben die ausrangierten Weihnachtsbäume so etwas wie ein „zweites Leben“. So formuliert es der Pressesprecher der AbfallWirtschaftsgesellschaft (AWG) in Bassum, Matthias Kühnling, scherzhaft. Denn die kleinen, nadeligen Kerle werden nicht einfach entsorgt, sondern einem Zweck zugeführt.

Doch zunächst einmal müssen sie bei der AWG ankommen. „Aus diesem Grund haben wir beispielsweise am vergangenen Samstag eine Sonderaktion gehabt, bei der die Grünabfall-Sammelstellen im gesamten Kreisgebiet geöffnet waren“, erzählt Kühnling. Dabei seien vielen Bäume zusammen gekommen. Wie viele, mag der Pressesprecher nicht schätzen. „Man kann versuchen, sich an die Zahl heranzutasten. Wir haben rund 100 000 Haushalte im Landkreis. Nun kann man vermuten, wie viele davon einen Weihnachtsbaum hatten.“

Die Aktion unterstützt haben zahlreiche Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren, die ausschwärmten und fleißig Weihnachtsbäume sammelten.

Natürlich können auch jetzt noch kostenlos Bäume an den Sammelstellen und auf den Wertstoffhören abgegeben werden. Wem der Weg zu weit ist, kann den nadeligen Gesellen in der Bio-Tonne entsorgen. „Allerdings werden die Bäume nur mitgenommen, wenn die Stämme in der Tonne stehen“, betont Kühling. Liegen sie daneben, werden sie nicht eingesammelt. Er erinnert außerdem daran, dass der Baumschmuck komplett entfernt werden muss.

Hat der ehemalige Weihnachtsschmuck dann die AWG erreicht, gibt es drei Wege, die sein Schicksal nehmen kann: Er wird zerhäckselt, aufbereitet und an die Landwirte weitergegeben, die die Reste in ihre Böden einarbeiten. Oder er kommt in der Trockenvergärungsanlage. Entweder werden die dort entstehenden Gärreste zusammen mit anderen Bioafällen im Kompostwerk zu wertvollem Humus weiterverarbeitet oder in Strom und Wärme umgewandelt. Diese wiederum geht direkt an das Krankenhaus in Bassum.

Allerdings dürfe man sich nicht vorstellen, dass Tannenbäume die Energielieferanten der Zukunft seien. „Durch sie kann nicht gerade viel Strom und Wärme erzeugt werden – aber sie haben in jedem Fall einen Nutzen“, so Kühling.

Wer allerdings mit dem Gedanken spielt, seinen Weihnachtsbaum bei seinen „Artgenossen“ in der freien Natur zu entsorgen, sollte gewarnt sein: „Das ist ein Eingriff in den Naturhaushalt und so ziemlich das Verkehrteste, was man machen kann“, betont Kühnling. Er plädiert dafür, die stacheligen Kerlchen zur AWG zu bringen. „So bekommt die Weihnachtsdekoration noch einen richtigen Nutzen.“

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