Sinkender Grundwasserspiegel

Das Wasser im Landkreis Diepholz wird knapp

Das Grundwasser sinkt im Hombachbereich. Grafik: Landkreis
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Das Grundwasser sinkt im Hombachbereich.

Es regnet deutlich zu wenig, der Grundwasserspiegel sinkt, und der Hombach in Weyhe-Erichshof fällt trocken: Das Wasser wird knapp. Diese extreme hydrologische Situation prägte die Beratungen im Kreisentwicklungsausschuss.

Landkreis Diepholz – „Der Klimawandel ist angekommen“, stellten Kreistagsabgeordneter Ingo Estermann (SPD) und andere im Fachausschuss für Kreisentwicklung und Umwelt fest. Das Fazit aller Fakten und Entwicklungen, die unter Leitung des Ausschussvorsitzenden Elmar Könemund (Bündnis 90/Die Grünen) im Diepholzer Kreishaus erläutert wurden, bewies: Das Wasser wird knapp.

Exemplarisch dafür steht der Trockenfall des Hombachs, ein Gewässer zweiter Ordnung, im Bereich Weyhe-Erichshof: Der Fluss, der im Einzugsbereich des Wasserbeschaffungsverbands Syker Vorgeest liegt, führt in Erichshof kein Wasser mehr. Dieser Streckenabschnitt ist eine sogenannte Exfiltrationsstrecke, also ein Abschnitt, der Bachwasser an den Grundwasserleiter weitergeben kann. Sascha Seekamp, technischer Leiter des Wasserbeschaffungsverbands Syker Vorgeest, gab dazu ebenso Erläuterungen wie Martin Kleingünther von der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis.

Wasserverbrauch mitunter höher als erlaubt

Zu den hydrologischen Daten und Fakten, die Maik Uhlen als Abteilungsleiter der Harzwasserwerke seinen nachdenklich wirkenden Zuhörern präsentierte, gehörten Werte aus einer neutralen Messstelle im Einzugsbereich des Hombachs – unbeeinflusst von der Grundwasserentnahme. Dort sei „der niedrigste Stand, den wir je hatten“, registriert worden. Der Referent stellte genauso klar, dass der Wasserverbrauch in Spitzenzeiten deutlich höher sei als die genehmigte Fördermenge.

Auf jeden Tropfen kommt es an: Der Tau auf dem Frauenmantel, einer beliebten Gartenpflanze, wirkt fast wie ein Kunstwerk.

Nach dem Trockenfall des Hombachs war als erste gegensteuernde Maßnahme die Förderung aus dem nahen Trinkwasserbrunnen B 8 eingestellt worden. Doch dafür muss ein Ausgleich geschaffen werden – und auch das könnte Folgen haben: „Die Erhöhung der Fördermengen anderer Brunnen führt gegebenenfalls in anderen Bereichen zu nachteiligen Entwicklungen“, erfuhren die Sitzungsteilnehmer.

Per Vergleich der Messwerte bewies Uhlen, dass es seit dem vergangenen Sommer extreme Niederschlagsausfälle und hohe Temperaturen – sprich Verdunstungsraten – gegeben hatte. Das habe zu „erheblichem Trockenstress“ in der Tier- und Pflanzenwelt geführt. An vielen Stellen in Deutschland seien Bäche trockengefallen und die Grundwasserstände gefallen.

Empfehlung: Renaturierung der Bäche

Um gegensteuern zu können, schlug der Fachmann die Renaturierung der Bäche, konkret den Rückbau der Begradigung, vor. Außerdem müssten alle Entnahmen aus dem Grundwasser und den Bachbereichen überwacht werden – ebenso wie die Beregnungspraxis in der Landwirtschaft und die zugelassenen Wasserentnahmen. Sie müssten reglementiert werden, so der Fachmann.

Als Referentin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft und Küstenschutz (NLWKN) betonte Claudia Schmidt-Schweden mit Nachdruck: „Die Gewässer dürfen sich nicht weiter verschlechtern!“ Gemeinsam mit den Wasserrechtsinhabern müsse dafür eine Lösung gefunden werden. Der NLWKN habe das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) einbezogen, das für den Fische führenden Hombach eine Wassertiefe von 30 Zentimetern fordere: „Das ist das Minimum.“ Die NLWKN-Vertreterin verwies auf das hydrologische Gutachten, das die Harzwasserwerke zurzeit erarbeiten lassen.

Grüne für Teilnahme an Wasserversorgungskonzept

Romuald Buryn (Bündnis 90/Die Grünen) pochte darauf, dass sich der Landkreis Diepholz am Wasserversorgungskonzept des Landes Niedersachsen beteiligen solle. „Dieses Konzept ist uns bereits bekannt“, erwiderte Kreisrat Jens-Hermann Kleine und verwies auf einen Runden Tisch, den die Gemeinde Weyhe einrichten wolle und an dem der Landkreis beteiligt werde. Regelmäßig, so schlug der Kreisrat vor, wolle die Kreisverwaltung künftig über die hydrologische Situation berichten – für den gesamten Landkreis Diepholz. Das war am Ende Konsens im Ausschuss.

Zuvor hatte Joachim Hafer (CDU) Wasserentnahmen aus Privatbrunnen hinterfragt. Über diese Mengen habe der Landkreis keine Erkenntnisse, so Kreisrat Kleine.

Ulrich Helms (Freie Wählergemeinschaft) brach eine Lanze für die Beregnungsanlagen in der Landwirtschaft, die nicht einmal ein halbes Prozent der gesamten Wasserentnahme ausmachen würden.

Dr. Christoph Donner, technischer Geschäftsführer der Harzwasserwerke, war sicher: „Das, was wir heute erleben, wird nach den neuesten Studien alle fünf bis zehn Jahre Standard sein.“

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