Diepholzer Dr. Achim Mayr plant mit seinem individuellen Expeditionsmobil weltweite Reisen

Waschmaschine ist auch an Bord

Kein gewöhnliches Wohnmobil: Das individuell ausgebaute Fahrzeug von Dr. Achim Mayr aus Diepholz ist für Expeditionen geeignet. Mit ihm will der 61-Jährige die Panamerikana von Alaska nach Feuerland befahren.
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Kein gewöhnliches Wohnmobil: Das individuell ausgebaute Fahrzeug von Dr. Achim Mayr aus Diepholz ist für Expeditionen geeignet. Mit ihm will der 61-Jährige die Panamerikana von Alaska nach Feuerland befahren.

Diepholz – Für einen Campingplatz ist es zwar geeignet, aber deutlich überdimensioniert und auch nicht dafür gebaut: Das Expeditionsmobil kann Pisten mit Schlamm oder Staub bewältigen und durch bis zu 80 Zentimeter tiefes Wasser fahren. Der Besitzer kann es tage- oder wochenlang benutzen, ohne Versorgungsstationen oder Tankstellen anzusteuern. Dr. Achim Mayr hat sich dieses individuell konstruierte Fahrzeug zugelegt. Wenn es die Corona-Situation wieder erlaubt, möchte der 61-jährige Diepholzer damit zunächst zum Nordkap und – nach Verschiffung des in dieser Form einmaligen Mobils – die 25 000 Kilometer lange Panamericana von Alaska im Norden Amerikas bis Feuerland an der Spitze Südamerikas befahren. Danach sind Australien und Südafrika die Ziele. Für diese abenteuerlichen Touren jenseits touristischer Pfade hat Mayr nahezu alles zum Leben an Bord – sogar eine Waschmaschine.

Der 61-Jährige stammt vom Bodensee und war 15 Jahre lang bei der Bio-Firma Lebensbaum (Ulrich Walter GmbH) in Diepholz, die letzten zehn Jahre als Geschäftsführer. Vor einigen Monaten wechselte er in den Beirat des Unternehmens, das Tee, Kaffee, Gewürze produziert. „Für diese beratende Tätigkeit muss ich nicht im Büro sitzen“, sagt Dr. Mayr.

Er kann auch in seinem Expeditions-Wohnmobil arbeiten – mit entsprechendem mobilen Internetanschluss. Für den Notfall – in abgelegenen Gebieten ohne Handy-netz – ist ein Satellitentelefon an Bord.

Schon einmal über die Panamericana

Vor einem Wechsel nach Diepholz hatte der heute 61-Jährige ein „Sabbatjahr“ eingelegt und diese Zeit genutzt, die Panamericana schon einmal ganz zu schaffen – seinerzeit im Jahr 2004 aber mit gemieteten Fahrzeugen und Hotelübernachtungen in Mittel- und Südamerika. Für seine zweite Tour über diese legendäre Straße von Nord- nach Südamerika hat Mayr nun ein sicheres Fahrzeug.

Einbrecher haben kaum eine Chance. Aufbau, Türen und Dachluken sind massiv und mehrfach gesichert. Die Aufbau-Fenster und die Zugangstür von innen zum Fahrerhaus haben Sicherheitsglas, das auch Hammerschlägen standhält. Scheinwerfer und mehrere Kameras rundherum, die auch während der Fahrt Bilder liefern, sind ebenfalls installiert.

So können sich Mayr und Mitfahrer in dem 9,15 Meter langen, 2,48 Meter breiten und 3,73 Meter hohen Spezialfahrzeug nicht nur sicher, sondern auch wohl fühlen. Im vorderen Bereich des Aufbaus bietet eine Leder-Sitzecke mit elektrisch verstellbarem Tisch die Möglichkeit zum Arbeiten und für gemütliche Runden. Dieser Bereich kann auch zum Zusatzbett umgebaut werden. Toilette und Dusche sind selbstverständlich an Bord. Der Frischwassertank mit Filteranlage fasst 600 Liter, der Abwassertank 200, der Boiler 24 und der Fäkalientank 200 Liter.

In den zahlreichen Stauschränken mit Fronten aus Tineo-Echtholzfurnier und mattweißem Kunststoff gibt es auch eine Schublade, die als Lager für 36 Mineralwasserflaschen dient. Schränke und Schubladen sind durch die speziellen Verschlüsse „pistensicher“ und öffnen sich auch nicht bei starker Neigung und Belastung des Fahrzeuges.

Das bequeme Bett – 2,10 Meter lang und 1,80 Meter breit – ist im Heck. In der Küchenzeile davor sind nicht nur Spülbecken, Induktionsherdplatten und eine kleine Waschmaschine verbaut, sondern auch ein Backofen mit Mikrowelle.

Die spezielle Belüftungsanlage mit Klimatisierung kann auch in sehr staubigen Gegenden betrieben werden.

Gleich zwei Kühlschränke sind an Bord: Ein großer im Aufbau und ein kleiner im Fahrerhaus des MAN, der von einem 340 PS starken Dieselmotor angetrieben wird. Verbrauch: etwa 22 Liter auf 100 Kilometer. 700 Liter Kraftstoff können an Bord sein. Das reicht für rund 3  000 Kilometer.

Mit Diesel wird auch das Stromaggregat betrieben, das anspringt, wenn die drei Lithium-Ionen-Batterien leer werden und die Sonne nicht scheint. Bei schönem Wetter lädt eine Fotovoltaikanlage auf dem begehbaren Fahrzeugdach die Batterien. Gasflaschen sind bewusst nicht an Bord.

Zubehör für viele Fälle ist in den Außenfächern sicher untergebracht: neben technischen Hilfsmitteln vier stabile Klappstühle, ein Tisch und ein großer Grill. „So kann ich auch Einheimische einladen und mit ihnen ins Gespräch kommen“, möchte Dr. Achim Mayr mehr als den üblichen Tourismus erleben.

Die großen Logos auf den Seiten hat Mayr selbst entworfen. Die Lackierung des Mobils ist zweifarbig. „Damit es nicht mit einem Militärfahrzeug verwechselt wird“, erklärt Mayr.

Von der ersten Planung bis zum fertigen Fahrzeug vergingen mehr als zwei Jahre. Der Hersteller Orangework aus Köln fertigte das Expeditionsmobil in enger Absprache mit dem Kunden aus Diepholz individuell.

Robust und pistensicher ist die Innenausstattung. Die Leder-Sitzecke, in der Dr. Achim Mayr auch arbeiten will, lädt zur gemütlichen Runde ein.

Vor einem Jahr wurde das Fahrzeug mit der Bezeichnung MAN TGM 18.340 an Dr. Achim Mayr ausgeliefert. 11 000 Kilometer hat es derzeit auf dem Tacho. „Ich konnte wegen der Corona-Situation bislang nur in Deutschland und dem benachbarten Ausland unterwegs sein“, bedauert Mayr.

Dabei musste er auch noch nicht die Spezialreifen des Allradfahrzeuges nutzen. Der Reifendruck kann von fünf auf ein Bar gesenkt werden, die Fahrbereitschaft bleibt dabei erhalten. Durch diesen „Platten“ entsteht eine breitere Lauffläche des Reifens, wodurch das 15 Tonnen schwere Fahrzeug auf Sand weniger einsinkt. Mit Kompressoren im Fahrzeug und Anschlussschläuchen auf jeder Seite kann der Reifendruck auch unterwegs angepasst werden.

Den Preis des Expeditionsmobils möchte Dr. Achim Mayr nicht nennen. „Es kostet so viel wie ein Eigenheim“, lächelt er.

Ein solches besitzt der 61-Jährige nicht. Er hat sich lieber ein „Haus auf Rädern“ gekauft, das ihm und seiner Partnerin Reise-Abenteuer ermöglicht.

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