Warten auf die „Sperrpausen“

Arbeiten an den Bahnsteigen in Diepholz gehen erst im Sommer weiter

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Mittel- und Hausbahnsteig sollen neuen Beleuchtungs- und Lautsprecheranlagen erhalten. Derzeit ist die Baustelle allerdings zunächst winterfest gemacht.

Diepholz - Von Sven Reckmann. „Vielleicht sollte man auf dem Bahnsteig Zelte von Feuerwehr oder DRK aufstellen“, witzelte jetzt ein Diepholzer mit Blick auf den hiesigen Bahnhof. Dann stehe man wenigstens trocken.

Die im ersten Quartal 2016 schwungvoll gestarteten Sanierungsarbeiten an den Bahnsteigen sind zum Erliegen gekommen, und das hat direkte Auswirkungen auf die Fahrgäste. Denn seit dem Abriss der Überdachungen stehen den Gästen bei Wind und Wetter nur noch wenige Unterstände zur Verfügung, wenn sie auf die Züge warten. Und dieser Zustand wird noch eine Weile Bestand haben, denn weitergebaut wird erst im Sommer.

Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis aus Hamburg erklärt auf unsere Nachfrage, wie es zu der Verzögerung kam. So sei die Bahnsteigseite am Gleis 3 bereits fertiggestellt. „Um auch die Seite zu Gleis 2 fertigstellen zu können, muss vorher noch das Gleis der neuen höheren Bahnsteigkante angepasst werden“, so Meyer-Lovis. Aufgrund eines witterungsbedingten Zeitverzuges mussten diese Arbeiten im vergangenen Sommer unterbrochen werden.

Baustelle sei winterfest gemacht worden

Für die notwendigen Gleisbauarbeiten sowie Bahnsteigarbeiten würden Sperrpausen benötigt, also Zeiten, in denen kein Zug das Gleis nutzen kann, so der Bahn-Sprecher. Da auf der Strecke eine hohe Zugfrequenz herrsche und dies mit anderen Gleissperrungen koordiniert werden müsse, bedürfe es umfangreicher Abstimmungsprozesse. „Aus diesem Grund ist ein Weiterbau erst in diesem Sommer möglich“, sagt Meyer-Lovis. Die Baustelle sei inzwischen winterfest gemacht worden.

Bei den Pendlern stößt die Nachricht natürlich nicht auf Begeisterung: Die ganze Sache sie ein Unding, sagte eine Diepholzerin, die jeden Tag zu ihrer Arbeitsstelle in Richtung Bremen pendeln muss. Nach dem Abriss der Brücke und dem Dach auf dem Mittelbahnsteig stehen den Reisenden nun nur noch zwei Wartehäuschen mit jeweils einer Handvoll Sitzplätzen zur Verfügung. „Da stehen wir morgens wie die Ölsardinen“, sagt die 57-Jährige.

Dachschaden bei einer Hütte

Eine der Hütten hat zudem einen Dachschaden – „vom letzten Sturm“. Warten im Bahnhofgebäude sei eine Option, allerdings höre man dort die Durchsagen nicht. Beim Umbau anderer Bahnhöfe, zum Beispiel in Bassum, hat die Diepholzerin jeden Tag auf der Strecke nach Bremen gesehen, dass provisorischen Überdachungen aufgestellt worden seien. „Das würde uns ja schon reichen.“ Ist das eine Lösung? „Diese Möglichkeit wurde sehr intensiv geprüft“, sagt der Bahn-Sprecher darauf. „Leider ist es aus verschiedenen Gründen nicht realisierbar.“

Dachschaden: Der Wetterschutz am Mittelbahnsteig ist defekt.

Der Unmut bei den Pendlern sei groß, berichtet die Diepholzerin, „Und es ist ja auch nicht so, dass wir kostenlos fahren.“ Die jüngste Fahrpreiserhöhung liege noch nicht lange zurück.

Im Rahmen des Programms „Niedersachsen ist am Zug III“ (NiaZ3) wird der Bahnhof Diepholz seit Anfang Januar 2017 modernisiert. Das Investitionsprogramm sieht bis 2025 die Modernisierung von mehr als 40 Bahnhöfen zwischen Ems und Elbe vor.

Mittelbahnsteig wird angehoben

In der Kreisstadt sollen der Mittelbahnsteig sowie der Hausbahnsteig komplett erneuert werden. Sie erhalten je vier neue Wetterschutzhäuser, Beleuchtungsanlagen, Lautsprecher sowie diverse weitere Ausstattungselemente wie zum Beispiel Informationsvitrinen, Uhren und Abfallbehälter.

Der 414 Meter lange Mittelbahnsteig wird angehoben. Damit soll den Fahrgästen der Ein- und Ausstieg in die Züge wesentlich erleichtert werden. Die alte Fußgängerbrücke wurde vor einem Jahr komplett zurückgebaut.

Die Deutsche Bahn und die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), die das Finanzmanagement des Landes Niedersachsen für den gesamten Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) koordiniert, investieren gemeinsam rund 4,5 Millionen Euro in den Umbau, der ursprünglich Ende 2017 abgeschlossen sein sollte. 

Dieses Ziel wird nun deutlich verfehlt. „Wir bitten alle Fahrgäste für Unannehmlichkeiten um Entschuldigung“, so der Bahn-Sprecher anschließend.

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