Betreiber haben Konzepte für Eröffnung

Seit zehn Wochen keine Einnahmen: Wann endlich wieder ins Kino?

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Kino-Besuch in Corona-Zeiten: Das Foto zeigt eine Sitzgelegenheit im Foyer des Ufa-Kristallpalastes in Dresden. Das Land Sachsen hat die Öffnung des Kinos erlaubt – im Land Niedersachsen bleiben die Türen der Lichtspieltheater noch fest verschlossen.

Landkreis Diepholz - Eine spannende Auszeit vom Alltag im Kino nehmen: Darauf müssen Filmfreunde in Niedersachsen noch verzichten, auch wenn Restaurants und Fitnessstudios wieder Gäste und Trainierende willkommen heißen. Die Türen der Lichtspieltheater sind noch fest verschlossen. Genau das können Kino-Betreiber in der Region nicht verstehen.

„Wir gönnen den Restaurants und Fitnessstudios das“, freut sich Beate Möller-Dumschat über die schrittweise Rückkehr zum Alltag. Sie betreibt gemeinsam mit Elke Brümmer den Filmhof in Hoya. Noch bis vor zehn Wochen zog das Programm – eine bunte Mischung aus brandneuen Filmen und Auslese-Produktionen – insgesamt bis zu 1.000 Besucher pro Woche ins Haus.

Aber seitdem herrscht gähnende Leere – verknüpft mit der Hoffnung, dass es bald weitergeht. Die Kino-Betreiberin aus Hoya empfindet ihre Lage so: „Man ist wie ein Frosch, strampelnd in der Milch, und hoffend, dass Quark daraus wird.“

Corona-Pandemie: Kinos im Landkreis Diepholz bleiben weiterhin geschlossen

Nach den aktuellen Lockerungsschritten in anderen Branchen könnten doch auch die Kinos wieder öffnen, sagt Beate Möller-Dumschat. Und hat gute Argumente: „Wir können die gebotenen Abstandsregeln locker einhalten, weil wir nur den großen Saal und nur zu einem Drittel wieder öffnen würden.“ Will heißen: Von den 180 Kino-Plätzen in diesem Saal würden nur 60 belegt. Und das, so der Plan, nur an drei oder vier Tagen in der Woche. „Das wäre auch für alle eine gute Eingewöhnungsphase“, sagt die Kino-Betreiberin.

Seit zehn Wochen hat das Kino keine Einnahmen generieren können. Die Zukunft sei ungewiss, so Beate Möller-Dumschat. Deshalb wünscht sie sich – genau wie viele ihrer Kollegen – eine klare und verlässliche Aussage des Landes Niedersachsen.

Kinos im Landkreis Diepholz weiterhin geschlossen: Einhaltung der Abstandsregeln möglich

„Wenn wir einen Termin hätten, dann könnten wir gezielt mit den Vorbereitungen beginnen“, sagt Silvia Kahle, Betreiberin des Hansa-Kinos in Syke. Das Hygienekonzept sei fertig. Spuckschutz, Masken, streng getrennter Ein- und Ausgang sowie ausschließlich Teilbelegung im Saal – für die Kino-Betreiber selbstverständlich.

Dass selbst unter solchen Bedingungen keine Öffnung erlaubt ist, findet Silvia Kahle traurig – und weiß aus Rückmeldungen per Telefon, Mail und Facebook, dass viele Kinofreunde genauso empfinden. „Einige bieten sogar an, dass sie drei oder vier Plätze bezahlen wollen“, so die Kino-Betreiberin über freiwillige Abstandsangebote. Dafür ist Silvia Kahle dankbar und bittet die Kinofreunde, Geduld zu haben.

Kino-Betreiber und Veranstalter blicken in die Röhre: Filme bald auf Streamingdiensten zu finden?

Genau die müssen auch Gruppen und Verbände beweisen, die gemeinsam mit dem Hansa-Kino Themenveranstaltungen anbieten – wie zum Beispiel die Dokumentation über den Gnadenhof Butenland, die schon am 22. März gezeigt werden sollte. Silvia Kahle würde diesen Film durchaus dreimal statt einmal zeigen, um Abstandsregelungen gewährleisten zu können. Doch völlig unklar ist, ab wann das überhaupt möglich wäre – eine zermürbende Situation für Kino-Betreiber. Zumal damit zu rechnen sei, so ein Hinweis, dass die Dokumentation bald auch über Streamingdienste angeboten werden könnte. Will heißen: auf dem Fernseher zu Hause zu sehen ist.

Doch es gibt noch eine Alternative: Autokinos schießen zurzeit wie Pilze aus dem Boden. Auch in Bruchhausen-Vilsen gibt es ein solches Angebot. Beate Möller-Dumschat und Elke Brümmer stellen die Filme dafür zur Verfügung, Schausteller Manuel Recker betreibt es. In Sulingen sind es Kino-Betreiber Holger Glandorf, Eventmanager Michael Suhr und Schaustellerin Janin Hanstein, die ihre Kräfte im Autokino bündeln.

Holger Glandorf betreibt drei Kinos: Das Cinema Twistringen, den Filmpalast Sulingen (drei Säle) und den Filmpalast am Hafen in Nienburg mit sieben Kinosälen. Seit zehn Wochen steht alles still. „Man steht mit dem Rücken zur Wand“, beschreibt Holger Glandorf die aktuelle Lage. Dass Restaurants und Fitnessstudios wieder öffnen dürfen, aber Kinos weiterhin geschlossen bleiben müssen, ist ihm ein Rätsel: „Ich kann es nicht verstehen.“ Die geforderten Abstands- und Schutzregeln könnten in Kinos doch selbstverständlich eingerichtet werden: „In unserem Kino-Center in Nienburg haben wir die neueste Lüftungsanlage.“

Corona-Pandemie im Landkreis Diepholz: Kino-Betreiber verstehen Corona-Maßnahmen nicht

Für Filmfreunde in Sulingen und auch in Nienburg hat Holger Glandorf mit seinen Partnern zwar eine Alternative geschaffen. Aber das Autokino ist endlich: Je länger die Tage werden, umso später kann erst die Kino-Vorstellung beginnen – aktuell um 22 Uhr. Außerdem macht sich die schrittweise Rückkehr zum Alltag ebenso bemerkbar. Wer morgens wieder zur Arbeit gehen müsse, so Holger Glandorf, der habe keine Lust, bis um Mitternacht im Autokino zu sitzen. Folge: Die Besucherzahlen sinken. Deshalb gibt es für die Kino-Betreiber zu einer möglichst schnellen Öffnung der klassischen Kinos keine Alternative.

Sophie Weisbecker, Auszubildende in einem Kino-Betrieb in Osnabrück, hat bereits eine Petition gestartet. Unter dem Motto „Kultur sollte nicht aussterben!“ sammelt sie im Internet Stimmen für eine möglichst schnelle Wiedereröffnung der Kinos. „Es ist nicht zumutbar, Kinos vor Mitte des Sommers nicht öffnen zu lassen. Die Kinobranche steht vor einem Zusammenbruch“, heißt es in der Begründung der Petition. Bis Montagabend hatten 571 Kinofans unterzeichnet.

Zur Info:

Die Petition für die Öffnung der Kinos finden Interessierte auf der Internet-Seite https://secure.avaaz.org

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