Zerschnitten, beschmiert, gestohlen

Wahlplakate von Grünen und AfD besonders oft von Vandalismus im Landkreis Diepholz betroffen

Zerschnittenes Plakat der Grünen-Bundestagskandidatin Sylvia Holste-Hagen.
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Unbekannte haben ein Großflächen-Plakat der Grünen-Bundestagskandidatin Sylvia Holste-Hagen an der Bundesstraße 51 in Stuhr-Seckenhausen zerschnitten.

Alle Jahre wieder: Regelmäßig zu Wahlen tauchen „Hitler-Bärtchen“ und andere Schmierereien auf Wahlplakaten der Parteien auf. Die Grünen sehen sich vor den anstehenden Bundestags- sowie den Gemeinderatswahlen im Nordkreis ganz besonders in der Schusslinie. Ein Großplakat wurde am Wochenende zerschnitten und bislang zwei weitere beschmiert, zehn gestohlen und drei angezündet. In Kirchdorf wurden mehr als 20 Plakate der AfD zerstört.

Stuhr-Brinkum – Unbekannte haben ein Plakat der Partei Bündnis 90/Die Grünen am Wochenende im Landkreis Diepholz zerschnitten. Die Partei sieht ihre Wahlwerbung zur Bundestags- sowie den Gemeinderatswahlen zunehmend einer Zerstörungswelle ausgesetzt. Die Taten bündeln sich vor allem im Nordkreis.

„Der Vandalismus nimmt zu“, sagt Michael Wischniewski-Purrmann, Vorstand der Grünen in Stuhr. Zwei weitere Großplakate seien zudem mit Farbe beschmiert worden, zehn kleinere abgerissen und drei angezündet worden, so Dörthe Siemers-Wulff aus dem Kreisvorstand der Grünen. Die Partei teilt außerdem mit, dass Plakate ersetzt werden, und bittet um Spenden. Ein Großflächenplakat koste rund 320 Euro.

Die Grüne Bundestagskandidatin Sylvia Holste-Hagen, deren nimmt Stelluug: „Wir sollten im Wettstreit über die besten Konzepte konkurrieren. Wer Plakate zerstört, diskutiert nicht mehr mit, denn Zerstörung ist auch ein Ausdruck des Leugnens wissenschaftlicher Ergebnisse. Daneben ist so ein Verhalten zutiefst undemokratisch.“

Wer Plakate zerstört, diskutiert nicht mehr mit (...). Daneben ist so ein Verhalten zutiefst undemokratisch.

Sylvia Holste-Hagen, Grüne Bundestagskandidatin

Kreisweit haben die Grünen 26 mobile Großplakate aufgestellt. Dazu kämen etliche kleinere Kopfplakate. Allein in Stuhr hingen 40 Stück pro Kandidat, und von denen hat die Partei dort 13 aufgestellt. Ein kreisweiter Überblick aller zerstörten Plakate sei daher schwierig zu erfassen. In Stuhr-Brinkum jedoch sei die Lage „ganz extrem“, so Dörthe Siemers-Wulff.

An Spekulationen, wer hinter den Attacken steckt, möchte sich Wischniewski-Purrmann nicht beteiligen. Er glaubt aber, dass die Täter „die Angst vor Veränderungen an die Grünen koppeln“, die sich aufgrund einer möglichen Kanzlerschaft im September abzeichnen könnte.

Eine Aufwiegelung durch die bundesweite Plakatkampagne, die sich gegen die Bündnisgrünen richtet, sieht Wischniewski-Purrmann dagegen nicht. „Wer vorher schon Wut hatte, hat sie auch danach noch genauso.“

Wie sieht es bei den übrigen Parteien aus?

Wie ist die Lage bei den übrigen Parteien? Die CDU schreibt auf Anfrage: „Bislang sind uns keine Anfeindungen gegen unsere Partei, sowie Beschmierungen oder Zerstörungen unserer Plakate bekannt.“ Laut Georgina Stummer, Kreisgeschäftsführerin der CDU, hat die Partei in der vergangenen Woche mit der Plakatierung begonnen und ist in manchen Orten noch zugange.

Wahlplakate der SPD seien bisher „noch nicht“ im Landkreis in Mitleidenschaft geraten, scherzt Maren Pjede, Büroleiterin der Partei im Kreis. Das habe es aber in der Vergangenheit vereinzelt mal gegeben; dann sei auch eine Strafanzeige aufgegeben worden. Grundsätzlich sei Vandalismus jedoch kein Problem bei den Sozialdemokraten.

Die FDP, in der Hansestadt Bremen ein Hauptziel von Plakat-Beschmierungen, hat im Kreis bisher keine mutwilligen Beschädigungen an den Stellwänden zu beklagen, so Reinhard Kawemeyer, Geschäftsführer des Kreisverbands Diepholz. Lediglich in der Samtgemeinde Schwaförden ist ein Großplakat umgefallen. „Wir nehmen an durch den Sturm“, so Kawemeyer.

Von der AfD war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten.

Analyse der Polizei im Landkreis

Die Polizei Diepholz hat im Zeitraum Juli und August vier Fälle von Sachbeschädigungen von Wahlplakaten erfasst. So wurden am 19. Juli in Kirchdorf rund 20 Plakate der AfD abgerissen, drei weitere an darauffolgenden Tagen. Am 3. August wurden jeweils ein Plakat der Grünen und eines der SPD angezündet. Am 12. August wurden zehn Plakate der Grünen in Stuhr abgerissen. Das berichtet Polizeikommissarin Laura Rietz nach Rücksprache mit der Analyseabteilung.

Hoffnung, die Täter zu fassen, gebe es kaum. „Durchschnittlich machen wir jeden Tag ein Plakat neu“, so die Grüne Dörthe Siemers-Wulff. Der finanzielle Schaden der Partei liege bisher bei mehr als 1 .000 Euro. Dennoch: Jeder Fall werde zur Anzeige gebracht.

Dass Plakate manchen auch als Plattform für Diffamierungen dienen, muss Bassums Bürgermeisterkandidat Oliver Launer derzeit leidvoll registrieren. Er sieht sich Anfeindungen im Netz sowie herabwürdigenden Schmierereien auf seinen Wahlkampf-Plakaten ausgesetzt.

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