Wärmflaschen sind nicht immer zum Kuscheln / Ausstellung im Technikmuseum

Wohlige Wärme aus der Geschosshülse

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Joachim Simon mit einer Auswahl seiner Wärmespender, inklusive Bierwärmer (im Glas) und Porzellangefäß. Tabaluga hat übrigens eine Gummi-Wärmflasche als Innenleben.

Diepholz/Heede - Von Sven Reckmann. Der Frost hat sich erstmal verzogen. Wenn irgendwann in nächster Zeit aber nochmal die „große Kälte“ ausbrechen sollte, ist er optimal vorbereitet: Joachim Simon aus Diepholz sammelt Wärmflaschen.

Mehr als 50 Stück hat er im Laufe der Jahre zusammengetragen und sich in die Geschichte der Wärme-spendenden Technik eingearbeitet. Jetzt plant er eine Ausstellung.

Eine Wärmflasche – darunter versteht heute wohl jeder einen Gummi-Behälter, der mit heißem Wasser gefüllt wird, um Bett oder Körper zu wärmen. Doch das sind weniger die Exemplare, die den Sammler interessieren. Bei den Ausstellungsstücken, die Joachim Simon zusammengetragen hat, sind die Behälter zumeist festerer Natur: aus Kupfer, aus Stahlblech, aus Messing, aus Aluminium, sogar aus Porzellan oder Stein.

Simon ist Gründungsmitglied des Technikmuseums in Heede und hier will er am kommenden Wochenende auch seine Exponate ausstellen. Der Titel der Schau: „Wärmekruken und andere Wärmespender“. Kruke? Der Begriff kommt aus dem Plattdeutschen und bedeutete ursprünglich „Krug“, erklärt der Sammler. Heute hat es zwei Bedeutungen: Zum einen ein Ausgabegefäß für in Apotheken gemischte Salben und zum anderen ein ovales Kupferbehältnis mit einem Schraubverschluss – eine frühe Wärmflasche. Im niederdeutschen Raum werde „Kruke“ übrigens auch als abwertender Ausdruck für einen Sonderling gebraucht, schiebt Simon hinterher; aber das ist eher eine Randnotiz...

Der „Wärmflaschen-Virus“ habe ihn vor gut 40 Jahren gepackt, erzählt Simon mit einem Schmunzeln. Damals habe er eine Wärmekruke seiner Mutter zu Dekorationszwecken in der Wohnung stehen gehabt. Sie erweckte sein Interesse an dem Thema. „Und zu der einen kam dann schnell eine andere...“

Eine ganz besondere „Wärmflasche“ hat Simon aus den 40er Jahren gerettet. Findige Handwerker hatten die leere Kartusche eines Artilleriegeschosses (vermutlich britischer Herkunft) auf der offenen Seite verschlossen – fertig war die Wärmflasche. Der Zünder wurde zum Schraubverschluss umgebaut. Ideen muss man haben.

Das war aber auf jeden Fall sicherer als die Wärmepfannen, die im 17. Jahrhundert aufkamen, als es Mode wurde, sich nachts dünner zu kleiden. Die Wärmepfanne war mit glühenden Kohlen gefüllt worden und mit Hilfe eines Stiels unter die Bettdecke geschoben, wo sie aber nur kurz verblieb – die Sache war einfach brandgefährlich.

Ein weiteres Exemplar: Ein Bierwärmer. Wem es beim Gedanken an warmes Bier kalt den Rücken herunterläuft, für den hat Simon durchaus Verständnis: „Meine Sache ist das auch nicht“. Aber es soll magenschonend (gewesen) sein.

Die Sonderschau ist am Sonntag, 17. Januar, in der Zeit von 14 bis 18 Uhr im Technikmuseum Diepholz-Heede an der Bremer Straße zu sehen. Dann lädt auch das Café ein. Bereits morgen, Sonntag, hat das Technikmuseum seinen ersten Öffnungstag nach der Winterpause.

In der kommenden Woche hat Simon zudem eine Vorführung vor Schulklassen der Grundschule Sankt Hülfe-Heede geplant. Da dürfte dann vermutlich besonders die „Tabaluga“-Wärmflasche die Herzen erwärmen.

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