Vorschläge von „top-agrar“-Chefredakteur bei Forum in der Kreissparkasse

Landwirte-Kommunikation: Selbstkritisch, mutig, witzig

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300 Landwirte aus dem Südkreis kamen am Dienstagabend in die Hauptstelle der Kreissparkasse Diepholz zum 11. Landwirte-Forum mit dem Thema „Angespannte Märkte, kritische Verbraucher und regelwütige Politiker – Welche Antworten gibt die Landwirtschaft?“

Diepholz - Von Eberhard Jansen. „Die Landwirtschaft braucht einen neuen Ansatz für die Kommunikation mit der Gesellschaft: selbstkritisch, mutig, witzig!“ Das meinte Dr. Ludger Schulze Pals am Dienstagabend in der Diepholzer Kreissparkassen-Hauptstelle. Vor 300 Landwirten aus dem Südkreis war der Chefredakteur des Magazins „top agrar“ dort Referent. Sein Thema: „Angespannte Märkte, kritische Verbraucher und regelwütige Politiker – Welche Antworten gibt die Landwirtschaft?“

Umweltgruppen, Tierschützer, Verbraucherverbände, Entwicklungshilfegruppen, Kirchen: Alle kritisieren die Landwirtschaft, haben aber oft keinen Blick für die wirtschaftlichen Zwänge und eine romantisierende Sicht auf frühere Verhältnisse, erklärte Schulze Pals.

Dr. Ludger Schulze Pals: „Landwirtschaft muss sich selbstkritischer, mutiger und witziger darstellen.“

Das Wissen über die Landwirtschaft nimmt dabei ab: 37 Prozent der Fünftklässler und 30 Prozent der Neuntklässler haben laut einer Umfrage der Universität Marburg keine Vorstellung, wie viele Zitzen eine Kuh hat (vier), 90 Prozent der Kinder wissen demnach auch nicht annähernd, wie viel Milch eine heutige Kuh pro Tag gibt (etwa 50 Liter). Während viele Verbraucher die Landwirte für zu sorglos im Umgang mit Tier, Umwelt und Gentechnik halten, ist das Ansehen des Berufes laut einer Emnid-Umfrage 2012 sehr hoch: In der gesellschaftlichen Bedeutung steht er an dritter Stelle – direkt hinter Ärzten und Lehrern und vor Polizisten.

Vor diesem Hintergrund rief der Agrarwissenschaftler Dr. Ludger Schulze Pals die Landwirte dazu auf, die Öffentlichkeitsarbeit auszubauen und zu professionalisieren: „Die gesellschaftliche Akzeptanz ist die Geschäftsgrundlage.“

Wirtschaftlich haben Landwirte in Deutschland seit einigen Jahren mit extremen Preisschwankungen bei Getreide, Milch und Schweinefleisch zu kämpfen. Lediglich der Rindfleischpreis sei stabil. Ursachen sind unter anderem der Weltmarkt mit Konjunkturschwankungen und dem Russland-Exporteinbruch, führte Schulze Pals aus

Bei Forderungen und praktischem Handeln der Verbraucher sah Schulze Pals ein zweigeteiltes Bild: „37 Prozent der Deutschen wollen Bio, aber nur fünf Prozent kaufen es“, nannte der „top-agrar“-Chefredakteur ein Beispiel.

Er forderte die Landwirte auf, selbstkritischer zu sein und gegen „schwarze Schafe“ und Missstände offen vorzugehen.

Der Referent zeigte in seinem gut einstündigen Vortrag in der Kundenhalle auch Beispiele für gelungene Anzeigen- und Plakataktionen mit frechem Witz, die Gesprächsstoff über Landwirtschaft bieten.

Zu Beginn des informativen Abends mit vielen Anregungen hatte Kreissparkassen-Vorstandsvorsitzender Ralf Finke unter den Gästen unter anderem Vertreter des Landvolks, der Kammer, von Beratungs- und Maschinenringen zu dem alljährlichen und inzwischen elften Landwirte-Forum begrüßt.

Marvin Campe, stellvertretender Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Grafschaft Diepholz, forderte seine Berufskollegen in seinem ausführlichen Grußwort auf, zwar kritisch zu sein, aber nicht in „Jammerstellung zu verfallen“.

Die Landwirtschaft im Landkreis Diepholz mit 2237 Betrieben sei positiv aufgestellt – trotz Erlös- und Einkommensverlusten.

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