Lohner saniert Stadtbild prägendes Haus am Burggraben

Diepholzer Villa vor dem Abriss bewahrt

Jürgen Uptmoor aus Lohne vor der Villa Schierbaum am Burggraben in der Nähe des Diepholzer Schlosses.
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Der Abriss ist kein Thema mehr: Jürgen Uptmoor aus Lohne saniert die Villa Schierbaum am Burggraben in der Nähe des Diepholzer Schlosses.

Die Villa Schierbaum in Diepholz sollte abgerissen werden. Doch dann kam der neue Eigentümer Jürgen Uptmoor aus Lohne. Der saniert das Gebäude aus dem Jahr 1913.

Diepholz – Der Abriss war schon beschlossen. Die Villa Schierbaum am Burggraben in Diepholz in der Nähe des Schlosses sollte einem neuen Wohnhaus weichen – sehr zum Ärger vieler Bürger. Die Stadt Diepholz hatte den Weg dafür schon 2018 freigemacht und den Bebauungsplan geändert. Doch dann kam alles anders. Der neue Eigentümer Jürgen Uptmoor aus Lohne saniert derzeit das stadtbildprägende Gebäude aus dem Jahr 1913 grundlegend. Zwei Jahre hat er dafür eingeplant.

Das Haus mit dem markanten Turm gehörte früher zum traditionsreichen Tischlereibetrieb Schierbaum. Die Diepholzer Brüder Hoffmann kauften das Grundstück mit der Stadtvilla vor einigen Jahren im Rahmen einer Zwangsversteigerung. Seinerzeit lebte in dem Haus noch eine alte Dame, die Wohnrecht hatte.

Vier Mietwohnungen entstehen

2018 wollten die Brüder Hoffmann dann das Haus abreißen und durch ein Mehrfamilienhaus ersetzen. Die Sanierung des mehr als 100 Jahre alten Gebäudes hätte sich für sie nicht gerechnet, da sie alle Gewerke hätten an Handwerkerfirmen vergeben müssen. Da die Stadt für den Neubau an der Ecke Burggraben/Lohneufer aber viele Vorschriften machte – des Haus sollte ebenfalls ein prägnantes Eckgebäude sein, in traditioneller Bauweise mit geneigten Dächern – war auch dessen Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben. So boten die Brüder die Schierbaum-Villa zum Kauf an.

Unter den Interessenten war Jürgen Uptmoor aus Lohne. Sein Vorteil: Er hat selbst eine kleine Baubetreuungs-Firma und jahrzehntelange Erfahrungen als Heizungsbauer, Dachdecker und Maurer. Kurz: Er kann vieles selbst machen – mit Hilfe eines Mitarbeiters. Das spart Kosten. Zeitdruck hat der 53-Jährige ebenfalls nicht. Er will aus dem alten, von Verfall und Abriss bedrohten Haus ein Schmuckstück machen.

Nicht denkmalgeschütztes Haus derzeit eine Baustelle

Derzeit ist das nicht denkmalgeschützte Gebäude eine Baustelle. Jürgen Uptmoor versetzt Wände, legt neue Leitungen, baut neue Badezimmer ein. Die neue Heizung kommt in einen Raum im großen Keller, der früher eine Zisterne zur Wasserversorgung war.

Insgesamt soll der alte Stil erhalten bleiben. Die vier Mietwohnungen in dem Haus bekommen aber eine neue Raumaufteilung. „Sie sind zwischen 36 und 140 Quadratmeter groß“, erklärt Uptmoor. Die größte Wohnung ist die im mittleren der drei Geschosse und hat den Erker zum Burggraben hin. Für die kleinste Wohnung im Erdgeschoss will der Lohner zur Straße hin eine Terrasse mit eigenem Zugang schaffen. Andere Wohnungen haben Loggias beziehungsweise einen Zugang zum Garten, der später angelegt werden soll.

Dieses alte Heizkörperventil der Diepholzer Firma Fritz Schöttler wurde bei der Sanierung gesichert.

Auch energetisch saniert Jürgen Uptmoor die Villa Schierbaum, die er zusammen mit seiner Frau Lidia gekauft hat. Das Haus bekommt neue Sprossenfenster und eine neue Dämmung unter ökologischen Aspekten mit Holzfasern. Das Dach wird komplett erneuert. Das überlässt Uptmoor aber einer Fachfirma.

Wie viel Geld er für die Sanierung der Diepholzer Stadtvilla investiert? „Eine ganze Menge“, lächelt Jürgen Uptmoor. Geld ist ihm offenbar nicht so wichtig. Er möchte ein besonderes Haus erhalten und darin Mietwohnungen mit besonderem Charakter schaffen – mit 3,20 Meter hohen Decken und Fußböden aus Holz.

Alte Heizkörperventile von Schöttler gefunden

Beim Austausch der alten Heizkörper sicherte Jürgen Uptmoor Ventile, die offenbar noch aus der Zeit des Hausbaus um 1913 stammen. Sie wurden laut Aufschrift in Diepholz hergestellt – von der Firma Fritz Schöttler, der späteren Diema (Diepholzer Maschinenfabrik), die hauptsächlich Lokomotiven produzierte. Uptmoor möchte diese Ventile gern dem Technikmuseum Diepholz-Heede zur Verfügung stellen.

Serie HAUSGESCHICHTE(N)

Private Häuser im südlichen Landkreis Diepholz: Deren Geschichte und auch Geschichten von Bewohnern stellen wir in der Serie Hausgeschichte(n) vor. Besitzen oder bewohnen Sie ein Gebäude, das etwa 100 Jahre alt ist und über das oder aus dem es Interessantes zu erzählen gibt? Dann lassen Sie es Teil der Serie werden. Schreiben Sie eine E-Mail mit dem Betreff Hausgeschichte(n) an redaktion.diepholz@kreiszeitung.de beziehungsweise redaktion.sulingen@kreiszeitung.de und beschreiben Sie darin kurz und stichwortartig die Besonderheiten des Gebäudes. Bitte Anschrift und Telefonnummer nicht vergessen. Nach Prüfung und Absprache verfassen wir dann einen Bericht mit Fotos. Kosten entstehen Ihnen dadurch selbstverständlich nicht.

Derzeit ist das historische Haus am Burggraben eingerüstet. Der alte Putz wird abgeschlagen und durch einen neuen mit Dämmung ersetzt. Anschließend soll das Gebäude mit heller, weiß-grauer Farbe neu angestrichen werden.

Bremer wollte Haus in die Hansestadt versetzen

Als die Gebrüder Hoffmann das Haus zum Kauf anboten, stieß das auf großes Interesse. Eine etwas verrückte Idee hatte ein Interessent aus Bremen, erzählt Thomas Hoffmann: „Er wollte die Diepholzer Villa abbauen und in die Hansestadt versetzen. Als der Bremer dann hörte, dass das etwa 3,5 Millionen Euro kosten würde, verwarf er das schnell.“ Die Diepholzer Eigentümer verkauften dann an den viel realistischeren Jürgen Uptmoor aus Lohne und sind froh, dass das alte Haus nun doch eine Zukunft hat.

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