Diepholzerin berichtet

Enttäuschende Corona-Test-Situation: „Vom Gesundheitsamt alleingelassen“

Ingrid Kock aus Diepholz machte die Corona-Test-Situation mächtig zu schaffen.
+
Ingrid Kock aus Diepholz machte die Corona-Test-Situation mächtig zu schaffen.

Diepholz – Als in der Klasse ihrer betreuten Schülerin am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Diepholz ein Corona-Fall aufgetrat, war die Aufregung und die Unwissenheit bei der ehrenamtlichen Flüchtlingshelferin Ingrid Kock groß.

Alle Schülerinnen und Schüler wie auch die zuständige Lehrerin der Berufseinstiegsklasse mussten sich für 14 Tage in Quarantäne und zum Corona-Test nach Sulingen begeben. Aufgrund des Umstandes, dass die 20-jährige Schülerin (die namentlich nicht genannt werden will) keinerlei Verwandte in Diepholz oder in der näheren Umgebung hat, sah sie keine Möglichkeit, nach Sulingen zu gelangen. Auch für die Betreuerin Ingrid Kock stellte sich die Situation als kompliziert da. Sie versuchte, Informationen bei der Schule einzuholen, die sich allerdings, so Kock, nicht für die Versorgung der Schüler zuständig gezeigt habe.

Auf Nachfrage der Redaktion bestätigte Schulleiterin Birgitt Kathmann den Fall der Erkrankung einer Schülerin mit dem Coronavirus: „Wir haben umgehend das Gesundheitsamt Diepholz informiert und die benötigten Sitzpläne sowie den Unterrichtsplan weitergegeben. 17 Schüler aus der Berufseinstiegsklasse sind von der Quarantänemaßnahme betroffen.“ Nach ihrem Kenntnisstand seien alle Schüler bislang negativ getestet worden und das Verfahren sei gut und reibungslos verlaufen.

Coronavirus-Unsicherheit: „Beim Gesundheitsamt nicht ernstgenommen gefühlt“

Ingrid Kock empfand dies allerdings anders: „Als ich beim Gesundheitsamt angerufen habe, um das weitere Vorgehen zu besprechen, habe ich mich nicht ernstgenommen und im Stich gelassen gefühlt.“ Das Gesundheitsamt Diepholz habe Kock erklärt, dass ihre Schülerin, die sie betreut, zum Test nach Sulingen müsse, was ein Problem darstellte.

Was sowohl die Schülerin, als auch Kock allerdings nicht direkt verstanden hatten: Ein Corona-Test kann auch beim Hausarzt vorgenommen werden, sobald das nötige Schreiben vom zuständigen Gesundheitsamt vorliegt. Dies war auch die Forderung der engagierten Diepholzerin. Deshalb begab sie sich zum Hausarzt ihrer in Quarantäne ausharrenden Schülerin. Dort angekommen stellte sie allerdings fest, dass sie das nötige Formular vom Gesundheitsamt nicht hat, und sie rief daraufhin erneut bei diesem an.

Kock forderte, dass das Schreiben per Fax zugeschickt werden sollte, sodass sich die 20-jährige junge Frau, die sie betreut, testen lassen kann. Bis dies geschah, habe es nach Kocks Aussage sehr lange gedauert.

Ingrid Kock sieht unübersichtliche und komplizierte Corona-Test-Situation

Auf Anfrage der Redaktion meldetet sich eine Sprecherin des Gesundheitsamtes wie folgt: „Laut Empfehlung des Robert-Koch-Instituts handelt es sich bei Klassenverbänden um Kontaktpersonen der Kategorie 1. Aus rein pragmatischen Gründen sollten sich die Kontaktpersonen der Kategorie 1, denen es unter Beachtung der Quarantäneauflagen möglich war, nach Sulingen zu kommen, im Rahmen des Schulscreenings beim Deutschen Roten Kreuz in Sulingen abstreichen lassen. So wurde auch im Fall der betroffenen Klasse des Berufsbildungszentrums Dr. Jürgen Ulderup vorgegangen. Allen Personen, die nicht aus Sulingen kommen, wurde aber auch durch das Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz ein ÖGD-10-Formular angeboten, mit dem sie sich bei ihrem Hausarzt für einen Abstrich vorstellen konnten.“

Nun steht im Raum, ob die Schülerin mit Migrationshintergrund aufgrund ihrer fehlenden sprachlichen Kenntnisse das Formular nicht in Anspruch genommen hat oder das Verfahren zu kompliziert ist. Ingrid Kock fühlte sich durch die in ihren Augen unübersichtliche und komplizierte Corona-Test-Situation vom Gesundheitsamt alleingelassen. Mit diesem Schritt in die Öffentlichkeit will sie auf die Probleme der Menschen mit Migrationshintergrund und fehlenden Verwandten zur Coronazeit aufmerksam machen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Pixel 5 und 4a 5G im Praxistest

Pixel 5 und 4a 5G im Praxistest

Mit kleinen Kutschen durch Corona-Sommer

Mit kleinen Kutschen durch Corona-Sommer

Mit diesen Lebensmitteln schlemmen Sie schlechte Laune ganz einfach weg

Mit diesen Lebensmitteln schlemmen Sie schlechte Laune ganz einfach weg

So geht Brot auf Europäisch

So geht Brot auf Europäisch

Meistgelesene Artikel

Landkreis Diepholz ist Coronavirus-Risikogebiet: 7-Tage-Inzidenzwert überschreitet 50er-Grenze

Landkreis Diepholz ist Coronavirus-Risikogebiet: 7-Tage-Inzidenzwert überschreitet 50er-Grenze

Landkreis Diepholz ist Coronavirus-Risikogebiet: 7-Tage-Inzidenzwert überschreitet 50er-Grenze
Coronavirus-Hotspots im Landkreis Diepholz identifiziert - Landrat Bockhop will „differenzierte“ Lösung

Coronavirus-Hotspots im Landkreis Diepholz identifiziert - Landrat Bockhop will „differenzierte“ Lösung

Coronavirus-Hotspots im Landkreis Diepholz identifiziert - Landrat Bockhop will „differenzierte“ Lösung
Coronavirus im Landkreis Diepholz: Lage wird ernst - mehr Kontrollen angekündigt

Coronavirus im Landkreis Diepholz: Lage wird ernst - mehr Kontrollen angekündigt

Coronavirus im Landkreis Diepholz: Lage wird ernst - mehr Kontrollen angekündigt
„TÜV nutzt Monopol gnadenlos aus“ - Fahrlehrer kritisieren Prüfgesellschaft

„TÜV nutzt Monopol gnadenlos aus“ - Fahrlehrer kritisieren Prüfgesellschaft

„TÜV nutzt Monopol gnadenlos aus“ - Fahrlehrer kritisieren Prüfgesellschaft

Kommentare