Vogelschützer sind erbost

„Ohne Rücksicht auf Verluste“: Kritik an Gehölzschnitt der Stadt Diepholz

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Es sieht nach Kahlschlag aus: Im Bereich des Spielplatzes an der Strothestraße hat die Stadt Diepholz viele Sträucher „auf den Stock gesetzt“.

Diepholz - Bis zum 1. März sind laut Gesetz das Freischneiden der Straßen und auch der Heckenschnitt in privaten Gärten erlaubt. „Was in diesem Jahr wieder an Wegen, Straßen und Plätzen in Diepholz vor dem 1. März zu beobachten war, spottet zum Teil jeder Beschreibung. Seit Wochen haut der städtische Bauhof alles kurz und klein“, schrieb Walter Meier aus Barnstorf in einem Brief an unsere Zeitung.

„In den nächsten Wochen kehren viele Zugvögel aus ihren Winterquartieren zurück. Mancher Vogel wird seinen angestammten Lebensraum aber nicht mehr finden, denn viele Strauchhecken und Bäume in der Diepholzer Kulturlandschaft sind durch einen unsachgemäßen Rückschnitt beschädigt oder zerstört worden. Selbst wenn die Sträucher und Schutzhecken wieder austreiben, braucht es Jahre, bis sie erneut als Lebensraum für die Vögel, Insekten, Eidechsen und Igel dienen können, die dort vorher ihren Unterschlupf und Brutmöglichkeiten gefunden haben“, meint Meier, der sich als Vogelschützer engagiert.

„Kahlschläge ohne Rücksicht auf Verluste, alles was einem Auto oder einem landwirtschaftlichen Gerät auch nur irgendwie in die Nähe kommen könnte, wird brachial entfernt“, kritisiert der Barnstorfer die Stadt Diepholz und nennt als Beispiele Abholzungen an der Strothestraße, an Eggers Brücke und im Müntepark. Es falle auf, mit wie wenig Sachverstand hier vorgegangen werde.

Sind diese Vorwürfe berechtigt? Wie begründet die Stadt den Umfang des Rückschnittes von Bäumen und Sträuchern? Unsere Zeitung fragte bei der Stadt nach und bekam folgende Antwort:

Strothestraße:

„Der Rückschnitt an der Strothestraße umfasst den Bereich um den dortigen Spielplatz, für den in einer Bürgerbeteiligungsrunde eine Neugestaltung vorgesehen und teilweise schon durchgeführt wurde“, so die Stadt: „Die dortigen Sträucher - vorwiegend Weiden - wurden nicht gerodet, sondern auf den Stock gesetzt. Dieser Bereich musste aus Sicherheitsgründen bearbeitet werden, da hier ein großer Anteil von Totholz vorhanden war. Das ,auf den Stock setzen’ ist eine Maßnahme, die dazu führt, dass die dortigen Gehölze wieder eine neue und intensive Bestockung erlangen. Im Sommer wird hier bereits wieder ein intensiver Stockausschlag erfolgen und die Fläche wieder in einem ökologisch guten Zustand darstellen. Gesunde Bäume sind in diesem Bereich nicht gefällt worden.“

Müntepark:

„Die Gehölzbeseitigung im Müntepark ist im Rahmen einer Planung zur Anlegung eines neuen Parkzugangs von der Straße Willenberg aus erfolgt. Diese Planung ist durch alle politischen Gremien einschließlich des Sanierungsbeirates für das Städtebauförderungsprogramm Soziale Stadt gelaufen und damit Ergebnis eines demokratischen Prozesses. Neben der Beseitigung von Gehölzen aus gestalterischen Gründen wurden auch neue Gehölze gepflanzt. Durch diese Maßnahme ist die Nettofläche des Münteparks weiter erhöht worden“, so die Stadt Diepholz.

Eggers Brücke:

„Im Bereich Eggers Brücke wurden Rückschnittmaßnahmen durchgeführt, um eine Zuwegung zu landwirtschaftlichen Flächen im Lichtraumprofil freizustellen. Diese Maßnahme ist regelmäßig erforderlich. Hierfür gibt es bindende Vorschriften, an die sich die Stadt Diepholz selbstverständlich hält“, so die Stadt Diepholz.

• Der Diepholzer Bürgermeister Florian Marré betont: „Abschließend ist festzustellen, dass die Bediensteten der Stadt Diepholz - und hier im Besonderen die Mitarbeiter des Bauhofes - sehr wohl ökologische Belange bei der Gehölzpflege berücksichtigen und sich die Stadt hinter ihrem Engagement für eine Stadt im Grünen nicht verstecken muss. Gerade die Bauhofmitarbeiter sind die Akteure, die enorm dazu beitragen, dass die Grünanlagen in der Stadt und der freien Landschaft erhalten und gepflegt werden. Alleine in der vergangenen Pflanzperiode wurden in Diepholz über 200 hochstämmige Bäume gepflanzt.“ 

ej

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