Landkreis ordnet Schutzmaßnahmen an

Vogelgrippe im Landkreis Diepholz: Chicken-Lockdown kommt

Eine Art Lockdown gilt ab Donnerstag auch für das Geflügel im Landkreis.
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Eine Art Lockdown gilt ab Donnerstag auch für das Geflügel im Landkreis.

Landkreis – Erst Corona, dann die Schweinepest und jetzt auch noch die Vogelgrippe. „Auf uns kommt eine Pandemie nach der anderen zu“, sagt Landrat Cord Bockhop. Am Dienstag wurde der Landkreis Diepholz über das positive Testergebnis eines aufgefundenen Schwans mit Verdacht auf Vogelgrippe informiert.

Landkreis Diepholz - Als Reaktion auf diesen Befund passt die Behörde nun ihre Risikobewertung hinsichtlich eines möglichen Ausbruchs der Vogelgrippe an, und verfügt ein Aufstallgebot für Geflügel für das gesamte Kreisgebiet. Die Stallpflicht gilt seit Donnerstag und ist zunächst befristet bis zum 31. Januar.„Ich gehe davon aus, dass noch weitere Einzelfälle auftauchen werden“, ist sich Bockhop sicher. Im Großen und Ganzen betreffe die Vogelgrippe alle. Genau wie beim Coronavirus handelt es sich bei der Verbreitung der Vogelgrippe um Ketten, fügte der Politiker hinzu.

Vogelgrippe: „Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung weiterer Tiere groß“

Dem kann auch Kreislandwirt Wilken Hartje aus Syke zustimmen: „Vögel sind meistens nicht allein unterwegs, sondern in Scharen. Daher ist die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung weiterer Tiere groß.“ Besondere die Wildvögel würden seiner Meinung nach die Geflügelpest am Leben halten. „Einige Tiere werden die Seuche stets überleben und sie so weitertragen. Von daher denke ich, dass es das Virus immer geben wird“, sagt er. Der Landkreis Diepholz sei ein international bedeutsamer Rastplatz für Kraniche, Gänse sowie Sing- und Zwergschwäne und verfüge über wichtige Brut- und Durchzugsbiotope für Watvögel. Daraus folge eine besonders hohe Gefährdung auch für dieses Geflügel, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreises.

Aufgrund des Risikos einer schnellen Ausbreitung sei es wichtig, die Pest direkt am Anfang in den Griff zu bekommen, oder die Zahlen würden exponentiell ansteigen, so Bockhop.

Allerdings hat es diesbezüglich schon länger eine landesweite Empfehlung gegeben. Doch warum hat der Landkreis, in dem zurzeit rund 4,9 Millionen Puten, Hühner, Enten und Gänse gehalten werden, nicht schon vorher gehandelt? „Es gab zuvor noch keinen konkreten Anlass. Wir müssen vorher prüfen, bevor wir Einschränkungen vornehmen“, erklärt der Landrat. Insgesamt propagiere der Landkreis die Freilandhaltung, das positive Testergebnis habe jedoch nun einen Anlass zum Handeln gegeben.

Vogelgrippe im Landkreis Diepholz: Stallpflicht könnte Problem darstellen

Bockhop geht davon aus, dass sich die Geflügelhalter an die Allgemeinverfügung halten werden. „Sie haben auch kein Interesse daran, dass die Krankheit durch ihre Ställe zieht. Ich denke, sie nehmen lieber kleine Einschränkungen hin, als einer weiteren Pandemie ausgesetzt zu sein“, erklärt er. Auch Hartje ist der Meinung, dass sich viele Halter bereits auf eine solche Situation eingestellt haben. „Schließlich ist es nicht das erste Mal“, sagt er.

Für einige könnte die Stallpflicht jedoch trotzdem ein Problem darstellen. Zumal sich Freilandhalter nun geeignete Räume für ihre Tiere suchen müssten, erklärt der Politiker. Bisher habe sich jedoch immer eine Lösung gefunden. Aber was ist, wenn nicht? „Das muss man dann im Einzelfall entscheiden“, führt der Politiker aus. Hinzu komme, dass diese Umstellung auch die Tiere selbst irritieren könne. „Für Hühner, die stets unter freiem Himmel leben, wird das sicherlich ungewohnt sein“, erläutert Hartje. Das kann auch Bio-Landwirt Helmut Beuke vom Hof Beuke in Twistringen bestätigen: „Meine Tiere finden das sicherlich auch nicht lustig, genauso wenig, wie wir Menschen aktuell in der Corona-Pandemie.“

Vogelgrippe: „Es handelt sich um keine Spaßveranstaltung“

Eine Alternativlösung zur Stallpflicht sehe Landrat Bockhop aktuell jedoch nicht: „Eine noch härtere Maßnahme wäre es, bei einer Infektion den ganzen Bestand zu töten. Wir hoffen, dass wir die Situation durch kleine Einschränkungen in den Griff bekommen.“

Auf die Frage, mit welchen Konsequenzen Halter rechnen müssen, die ihr Geflügel trotzdem weiterhin draußen halten, antwortet Bockhop: „Es handelt sich um keine Spaßveranstaltung. Wer sich nicht an die Allgemeinverfügung hält, muss mit Bußgeldern rechnen.“ Verursache das unvorsichtige Handeln eines Landwirts beispielsweise einen Schaden bei einem anderen, müsse der Verursacher dafür aufkommen. „Das kann zu riesigen wirtschaftlichen Schäden führen“, meint der Politiker. Und das gelte nicht nur für Halter, die Geflügel im großen Stil halten, sondern auch für Hobbyhalter. Diese müssten laut Bockhop nun improvisieren, um ihre Tiere unterzubringen. „Aber meistens haben auch die einen Stall“, ist er sich sicher.

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