Zukunft nach der EEG-Änderung - auch für Photovoltaik

Vier Diepholzer Windkraftanlagen wohl vor dem Aus

Durch die Änderung des Erneuerbare Energien-Gesetzes sind ihre Tage wohl gezählt: Die vier Windkraftanlagen der Stadtwerke Huntetal an der B214 im Westen von Diepholz aus dem Jahr 1990.
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Durch die Änderung des Erneuerbare Energien-Gesetzes sind ihre Tage wohl gezählt: Die vier Windkraftanlagen der Stadtwerke Huntetal an der B214 im Westen von Diepholz aus dem Jahr 1990.

Diepholz – Auf nahezu allen Haus- und Hallendächern ist noch Platz. Mit Photovoltaik-anlagen könnten hier viele Menschen Strom produzieren – für sich und die Einspeisung ins Netz. Doch das rentiert sich seit dem Jahreswechsel für die Betreiber von Anlagen, die 20 Jahre oder älter sind, kaum noch. Denn das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) wurde geändert.

Und damit ist die Stromeinspeisung ins Netz zum festen, marktunabhängigen Preis für diese alten umweltfreundlichen Anlagen weggefallen. Das gilt auch für Windkraft. Die EEG-Änderung hat somit auch Auswirkungen auf die vier Windkraftanlagen der Stadtwerke Huntetal im Westen von Diepholz. „Etwa 2 000 Euro brachten die Anlagen pro Jahr ein“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Matthias Partetzke. Jetzt rechnet er mit einem Minus in gleicher Höhe und will die 1990 errichteten Anlagen noch ein Jahr stehen lassen in der Hoffnung, dass der Gesetzgeber für den dort mit Windkraft produzierten Strom noch Vermarktungsalternativen entwickelt. Andernfalls sollen die schon fast museumsreifen Anlagen mit 36 Metern Nabenhöhe und einer Leistung von 70 Kilowatt abgebaut werden. Denn ein Defizit wollen die Stadtwerke damit nicht machen: „Die Einspeisemengen von EEG-Strom in das deutsche Stromnetz führen zu einem verschobenen Marktpreis zugunsten der Verbraucher. Derzeit wird an der deutschen Strombörse der Strom oftmals deutlich unterhalb der tatsächlichen Erzeugungskosten gehandelt. Zu diesen Konditionen können Windkraftanlagen einerseits nicht betrieben werden, andererseits ist die deutliche Mehrheit der Verbraucher nicht bereit, für diesen Strom etwa vier Cent pro Kilowattstunde und damit etwa 140 Euro pro Jahr – bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 3 500 Kilowattstunden – mehr zu bezahlen“, erklärten die Stadtwerke Huntetal gegenüber unserer Zeitung: „Wir würden den Strom aus unseren Windkraftanlagen gern in unserem Versorgungsgebiet zu transparenten ,Selbstkosten’ vermarkten. Dabei würde es helfen, wenn zum Beispiel durch eine gesetzliche Regelung dieser vor Ort ökologisch und nachhaltig erzeugte Strom von der EEG- und Stromsteuer befreit wäre.“

Während die Rentabilität von Windkraftanlagen nur eine überschaubare Zahl von Investoren und Einrichtungen betrifft, könnte Photovoltaik für viele Bürger in Frage kommen – wenn der Staat die Voraussetzungen zur rentablen Nutzung dieser umweltfreundlichen Energieerzeugung schafft.

Auch Stadtwerke-Geschäftsführer Matthias Partetzke sieht in der langfristigen Nutzung von Photovoltaik eine Zukunft. Insbesondere, wenn der Strom selbst von den Hausbewohnern genutzt werden kann. Doch dazu sind Möglichkeiten zur Stromspeicherung sinnvoll, denn nachts oder bei bedecktem Himmel produziert Photovoltaik keinen oder nur sehr wenig Strom. Für die Einspeisung ins öffentliche Netz gibt es beim Auslaufen der Altverträge nur wenig Geld. Derzeit beträgt die Einspeisevergütung dann etwa 3,6 Cent für den nicht selbst genutzten Strom einer Volleinspeise-Photovoltaikanlage, die aus der Förderung gefallen ist. „Zu berücksichtigen ist hierbei, dass diese EEG-Anlagen in der Regel bisher sehr gut gefördert wurden“, so die Stadtwerke.

In den meisten Fällen sei eine Umstellung der alten Photovoltaik-Anlagen auf Eigenverbrauch technisch und wirtschaftlich sinnvoll. Der Vorteil von Photovoltaikanlagen ist, dass diese im Gegensatz zu Windkraft wartungsarm sind und auch nach vielen Jahren wenig reparaturanfällig ökologisch Strom erzeugen.

Im Geschäftsgebiet der Stadtwerke Huntetal sind vor 20 Jahren drei Photovoltaik- und Windkraftanlagen ans Netz gegangen und nun schon von der auslaufenden beziehungsweise neuen Form der EEG-Förderung betroffen. Die Stadtwerke bietet den den Anlagenbetreibern nach Einzelfallprüfung an, die Strommengen in Kooperation mit einem Partner an der Strombörse in Leipzig zu vermarkten. Zur Möglichkeit, die Strommengen für den Eigenverbrauch auch in Kombination mit einem Stromspeicher zu nutzen, berät der heimische Energieversorger nach eigenen Aussagen individuell.

Zur von der Bundesregierung Ende 2020 beschlossenen EEG-Novelle meinen die Stadtwerke: „Wir würden uns eine bundeseinheitliche Lösung für das Repowering von Windenergieanlagen wünschen. Im Bereich Photovoltaik dürfte sich bei tendenziell sinkenden Investitionskosten und steigenden Strompreisen, eine Lösung unter Einbindung des Eigenverbrauchs zunehmend lohnen.“

Die Stadtwerke beraten Bauherren über Möglichkeiten zur Nutzung von Erneuerbaren Energien sowie öffentlichen Förderprogrammen. Geschäftsführer Matthias Partetzke: „Darüber hinaus haben wir ein Geschäftsmodell entwickelt, bei dem wir große Dachflächen für Photovoltaik pachten und den Eigentümern regelmäßige Einnahmen garantieren.“ Auch für private Hauseigentümer gebe es Angebote.

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