487 Mitglieder / Rück- und Ausblick von Stadtbrandmeister Frank Schötz

Fast alles ist anders: Diepholzer Feuerwehren ziehen Bilanz eines herausfordernden Jahres

Am Himmelfahrtstag beschäftigte ein weiterer Moorbrand die Diepholzer Feuerwehren.  
Archivfoto: Reckmann
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Am Himmelfahrtstag beschäftigte ein weiterer Moorbrand die Diepholzer Feuerwehren.

Diepholz – Rund dreieinhalb Stunden war das neue Jahr 2021 alt, als die Einsatzkräfte der Feuerwehr Diepholz in der Nacht zu Freitag zu ihrem ersten Einsatz ausrückten: zu einem Garagenbrand auf dem Grundstück der Mediengruppe Kreiszeitung (Diepholzer Kreisblatt) an der Bahnhofstraße. Gut zwei Stunden mehr als im Vorjahr hatten sie damit Zeit, mit ihren Familien das neue Jahr zu begrüßen. „Doch trotz des Frühstarts 2020 mit mehreren Kleinbränden in der Nacht und zwei Dachstuhlvollbränden am Abend des ersten Januartages war das vergangene Jahr 2020 ein eher durchschnittliches Jahr ohne große Höhen und Tiefen“, zieht der Diepholzer Stadtbrandmeister Frank Schötz im Gespräch mit unserer Zeitung Bilanz. „Zumindest, was das Einsatzgeschehen betrifft. Doch alles andere hat sich auch in den Reihen der Feuerwehr durch die Coronapandemie stark verändert.“

Seit dem 13. März seien keine Dienste, keine Versammlungen, Lehrgänge und Fortbildungen erfolgt, mit den Lockerungen teilweise wieder aufgenommen und mit erneuter Verschärfung der Pandemiesituation wieder auf Eis gelegt worden.

Schön sei es, dass man in den eigenen Reihen keine personellen „Verluste“ habe hinnehmen müssen: „Alle Kameraden und Kameradinnen haben trotz der Pandemie das ganze Jahr über gut zur Stange gehalten, was nicht heißt, dass weitere Aktive in unseren Reihen nicht gern gesehen wären“, so Schötz. 487 Mitglieder insgesamt in der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Diepholz mit ihren vier Ortsfeuerwehren (Aschen, Diepholz, Heede und Sankt Hülfe) sei eine gute Zahl.

Insgesamt vier Moorbrände hatte die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Diepholz im vergangenen Jahr zu löschen. Oft müssen die ehrenamtlichen Wehrleute lange Fußmärsche absolvieren, um zu den Bränden in unwegsamem Gebiet zu gelangen.

Angst, sich bei Einsätzen mit dem Corona-Virus zu infizieren, sei unter den Kameraden nicht spürbar. „Es gibt einzelne Fälle, in denen sich Einsatzkräfte verständlicherweise haben beurlauben lassen, da sie selbst zur Risikogruppe gehören oder mit Blick auf das private oder berufliche Umfeld Vorsicht walten lassen.“ Sicherheit habe auch beim Corona-Virus oberste Priorität. „Bei Einsätzen in Altenheimen mit Ausbruchsgeschehen geht zunächst nur einer von uns zur Evaluierung ins Gebäude. Bei Türöffnungen betreten wir keine Gebäude mehr, das ist Sache des Rettungsdienstes“, nennt Frank Schötz Beispiele. „Es ist nur schade, dass diejenigen Jugendlichen, die jetzt aus der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst wechseln würden, noch ein wenig mit der Übernahme warten müssen. Doch wir können sie nicht unvorbereitet zu realen Einsätzen schicken, das wäre zu risikoreich. Eine Übernahme erfolgt erst, wenn die grundlegende Truppmann-Basisausbildung wieder möglich ist.“

Doch trotz des ruhenden Dienstbetriebes halte man in allen Bereichen intensiv Kontakt. „Das fängt bei Aufgabenzetteln mit Hydrantensuche an und hört bei verteilten Weihnachtstüten zum Fest auf. Unsere Kinder- und Jugendwarte lassen sich ständig etwas einfallen, um die Kids und Heranwachsenden feuerwehrtechnisch auch in solchen Zeiten zu begeistern. Die Kommunikation ist da.“

Toll sei es, dass in diesem Jahr die Fördergemeinschaft Lebendiges Diepholz aus dem Erlös ihrer Weihnachtsverlosung eine Zuwendung von 1 000 Euro für die Kinder- und Jugendarbeit der Feuerwehr übergeben habe.

Der Diepholzer Stadtbrandmeister Frank Schötz.

Aber auch in den Reihen der Einsatzkräfte sei man trotz oder gerade wegen der Pandemieeinschränkungen nicht untätig: Aus den eigenen Reihen heraus sei für die aktiven Einsatzkräfte ein zusätzliches Hygienekonzept aufgestellt und bereits im Testlauf ausprobiert worden, mit dem in einem Zelt direkt am Einsatzort nach Einsatzende die Kleidung gewechselt werden kann. Damit soll ein Infektionsrisiko durch eine Menschenansammlung in den Gerätehäusern verhindert werden.

Fahrzeugtechnisch wurden im vergangenen Jahr bei der Ortsfeuerwehr Diepholz ein „Pritschen-Bulli“ und ein Tanklöschfahrzeug (TLF 4000) in Dienst gestellt. Die Ortsfeuerwehr Sankt Hülfe durfte sich über ein gebrauchtes Quad mit einem passenden, gesponserten Anhänger freuen, das die Arbeit bei Moorbränden erleichtert.

„Nach wie vor gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Stadt Diepholz sehr zufriedenstellend“, lobt Frank Schötz und erinnert sich nicht nur an den Besuch von Bürgermeister Florian Marré vor Ort beim dreitägigen Moorbrand. „Das Miterleben, dass viele Kameraden ihre privaten Quads für Einsätze im Moor verwenden, ließ die Entscheidung reifen, kurzfristig für die Wehr ein eigenes gebrauchtes anzuschaffen. Dass unsere Einsatzkräfte ihre privaten Fahrzeuge mitbringen, ist keine Selbstverständlichkeit.“

Im Zuge der Ausgabe der Digitalmelder vor drei Monaten seien auch Bürgermeister, Ordnungsamtsleiter und dessen Stellvertreter mit solchen ausgerüstet worden. „Das geschah auf Wunsch von Florian Marré, nicht als Kontrollfunktion, sondern um immer auf dem Laufenden zu sein, wo die Stadt uns auf kleinem Dienstweg unterstützen könne.“ Alle vier Ortsfeuerwehren seien in ihrer Ausstattung den Bedürfnissen angepasst. „Da sind wir mit unserer Stadt gut dran“, sagt Schötz, und mit Blick auf den Feuerwehrbedarfsplan, der in der Samtgemeinde Barnstorf zu zwei Auflösungen führte: „In Diepholz ist das nicht geplant, da die Stadt Diepholz auf alle vier Ortsfeuerwehren angewiesen ist.“

Der Einsatz von Quads erleichtert die Arbeit bei den Moorbränden. Im vergangenen Jahr ist für die Diepholzer Feuerwehren ein gebrauchtes angeschafft worden.

Insgesamt 333 Mal sind die Einsatzkräfte der vier Ortsfeuerwehren 2020 ausgerückt. 128 Alarmierungen entfielen davon auf Brandeinsätze. Neben Klein- und Mittelbränden galt es, elf Großbrände zu löschen.

Von den vier Moorbränden verlangte insbesondere der dreitägige Einsatz im April den Wehrleuten einiges ab. Aber auch der Rundballenbrand in Aschen sei nicht ohne gewesen.

Hinzu kamen 40 Fehlalarme (darunter ein böswilliger) und 140 Technische Hilfeleistungen – davon zehn Verkehrsunfälle, 18 Unwettereinsätze durch Starkregen sowie Ölspuren, Türöffnungen und Sturmschäden.

„Ab und an gibt es auch mal einen obskuren Einsatz wie im Dezember, als wir zur Hilfe gerufen wurden, weil sich eine Person einen Finger im Weihnachtsbaumständer eingeklemmt hatte, der sich nicht mehr öffnen ließ. Wir mussten dem Christbaumständer mit einer Handflex zu Leibe rücken“, so Schötz weiter und ergänzt: „Auch das unterstreicht, wie vielfältig unsere Arbeit ist.“

Insgesamt 487 Mitglieder zählte die Feuerwehr der Stadt Diepholz zum Jahresende 2020, davon 226 Aktive, 121 Mitglieder in den drei Jugendfeuerwehren und 36 Mädchen und Jungen in den beiden Kinderfeuerwehren. 62 Kameraden halten der Feuerwehr in der Altersabteilung die Treue und die Zahl der Förderer beläuft sich auf 42. „Darin ist der Förderverein noch nicht eingerechnet“, macht Schötz aufmerksam.

Übergabe des neuen Tanklöschfahrzeuges an die Ortsfeuerwehr Diepholz.

Ortsbrandmeisterwahlen stehen ins Haus: Nicht nur die Übernahmen und Beförderungen, die bei der eigentlich für den 9. Januar terminierten Jahreshauptversammlung vorgenommen werden sollten, gelte es nachzuholen. „Mit Beendigung des Lockdowns und im Zuge weiterer Lockerungen wird es einiges aufzuarbeiten geben. Begonnene Lehrgänge, die beendet werden müssen, bevor der erste Teil verfällt, die ins Stocken geratene Ausbildung von Führungskräften, für die Plätze an der Landesfeuerwehrschule rar sind, Auffrischungslehrgänge wie Atemschutzstrecke, Fahrzeugschulungen und vieles mehr.“ Lediglich Dinge, die nicht auf die lange Bank geschoben werden könnten, versuche man, durch auf ein Minimum reduzierte Treffen zu regeln. Wie beispielsweise die bei zwei Ortsfeuerwehren anstehenden Ortsbrandmeisterwahlen plus eventuell einer Stellvertreterwahl. „Wir werden diesen Tagesordnungspunkt der Jahreshauptversammlung herauslösen und nur zu den Wahlen zusammenkommen. Aber erst wenn der Lockdown offiziell beendet ist“, so Stadtbrandmeister Schötz: „Da es durchaus mehrere Wahldurchgänge geben kann, lässt sich dies nur als Präsenzwahl handeln.“

Keine Versammlungen, keine Dienste, keine Lehrgänge, kontaktlose Fahrzeugübergaben bei Geräte- und Fahrzeugprüfungen, keine gesellige Kameradschaftspflege. Herzstücke, die den guten Feuerwehrzusammenhalt eigentlich ausmachen. „Man merkt deutlich, wie sehr wir uns alle wünschen, zu dieser Normalität zurückzukehren“, sagt Schötz, auch mit Blick auf den Kontakt und Austausch zwischen den vier Ortfeuerwehren. „Da werden nach einem Einsatz die Fahrzeuge schon mal ein wenig hingebungsvoller wieder einsatzklar gemacht...“  art

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