Landkreis macht sich stark

Mit viel Engagement gegen den Klimawandel

Im Landkreis Dipeholz stehen aktuell 115 Biogasanlage. - Archivfoto: Husmann
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Im Landkreis Dipeholz stehen aktuell 115 Biogasanlage.

Landkreis - Von Julia Kreykenbohm. Während bei der Weltklimakonferenz in Bonn viel diskutiert wird, wird im Landkreis Diepholz schon seit Jahren viel gemacht, um das Klima – aber auch, um die Menschen vor den Folgen des Klimawandels zu schützen.

So weist er Überschwemmungsgebiete aus, damit diese nicht bebaut werden. „Das Regionale Raumordnungsprogramm 2016 des Landkreises setzt Rahmenbedingungen für Windenergieanlagen fest und bestimmt – ohne Ausschlusswirkung – Gebiete für Windparks“, sagt Detlef Tänzer, Leiter des Fachdienstes Kreisentwicklung und Geschäftsführer des Naturparks Dümmer.

Die Kommunen halten in ihrer Bauleitplanung Gebiete für Windenergie, Solaranlagen sowie Biogasanlagen vor. Von letzteren gibt es 115 im Landkreis. Außerdem wurden 431 Windkraftanlagen und 19 Solarparks errichtet.

Seit vielen Jahren investiere der Kreis in Energieeinsparung und -effizienz wie zum Beispiel Wärmedämmung, Fenster, Heizung, Beleuchtung und Green IT, sagt Tänzer. „Ziel ist es, alle Liegenschaften energetisch und technisch den aktuellen Anforderungen entsprechend anzupassen.“ Bei Neubau-, Umbau- und Sanierungsmaßnahmen werde die Energieeinsparverordnung eingehalten. Der Landkreis beziehe ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien und setze seit Oktober vier Elektro-Fahrzeuge als Dienstwagen ein.

Wirtschaftsförderung berät Unternehmen

Die Wirtschaftsförderung hat zudem Unternehmen über Energieeffizienzmaßnahmen und deren Finanzierung beraten. Zu dieser Offensive zählten Abendseminare, zuletzt „Energiemanagement – was ist zu tun?“ 2015 in Rehden. Seit August 2013 bot der Landkreis Impulsgespräche für Unternehmen an. Bis 2015 wurden 46 beraten. Die Förderung dieser Gespräche wurde jedoch nicht verlängert, daher ist dieses Angebot ausgelaufen.

Was allerdings noch läuft, ist beispielsweise das Projekt „Auszubildende werden zu Energyscouts“ in Zusammenarbeit mit der IHK Hannover 2016 und 2017.

Zudem fördert die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) Hannover kostenlose Impulsberatungen für kleine und mittlere Unternehmen in den Bereichen „Material- und Energieeffizienz“. Dieses Angebot soll es bald auch für Unternehmen im Landkreis Diepholz über Beratungsgutscheine geben. Hierzu wurde mit der KEAN am 20. Oktober eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Das Projekt läuft zunächst bis zum 28. Februar 2018, soll nach Auskunft der KEAN aber verlängert werden.

Moore binden Kohlenstoff

Ein weiteres Pfund, mit dem der Landkreis in Sachen Klimaschutz wuchern kann, sind seine Moore – denn der Torf bindet Kohlenstoff. So lange er nass ist, bleibt der Stoff dort. Eigentlich ideal. Dennoch werden in Niedersachsen noch immer viele Moore entwässert. „Aktuell sind es so viele, dass dadurch eine Menge an Kohlenstoffdioxid frei wird, wie der gesamte Verkehr im Land produziert“, erläutert Peter Germer vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) in Ströhen.

Darum sei die Wiedervernässung von so großer Bedeutung. Seit den 1970er-Jahren sei der Landkreis dabei und noch heute auf einem guten Weg. „Es wurde schon viel getan im Rahmen des Möglichen“, so Germer. Doch es gebe auch noch Luft nach oben. So würde er sich wünschen, dass ungenutzte Moorflächen wiedervernässt würden, von denen es einige gebe, die derzeit womöglich durch Birkenwälder bewachsen sind. „Das wäre wohl der einfachste Beitrag.“

Schwieriger werde es, wenn genutzte Flächen wiedervernässt werden sollen. Gerade für die Landwirte sei das ein Problem, deshalb müsse man sie durch Agrarsubventionen unterstützen, damit sie keine finanziellen Einbußen hätten. „Man könnte sie anregen, Paludikultur zu betreiben – also Pflanzen anzubauen, die den nassen Boden vertragen“, so Germer. Doch dafür müsse man an den Rahmenbedingungen schrauben, und dazu brauche es den politischen Willen.

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