Familien-Hebammen haben viel Arbeit

Vertrauenspersonen

Landkreis Diepholz – Minderjährig, alleinerziehend oder psychisch extrem belastet: Immer mehr Schwangere und junge Mütter lassen sich von den Familien-Hebammen des Landkreises Diepholz unterstützen. Das belegen die Zahlen, die Koordinatorin Sabine Fortmann am Donnerstag im Jugendhilfeausschuss vorstellte. Vorsitzender Michael Albers (SPD) war beeindruckt: „Ihre Arbeit hat eine hochgradig präventive Wirkung vor Ort.“

Der Landkreis hatte das Angebot 2007 ins Leben gerufen. Drei Honorarkräfte und eine Koordinatorin betreuten damals Schwangere und Mütter, die sich unsicher oder überfordert fühlten. Auch Frauen, die ungewollt schwanger geworden waren, solche mit Gewalt-und Suchterfahrungen sowie die, die in sozialer Isolation lebten, konnten auf das Team vertrauen.

Seitdem ist die Zahl der Mitarbeiterinnen und der Ratsuchenden gestiegen. Begleiteten die Familien-Hebammen 2007 noch 31 Frauen, waren es im vergangenen Jahr 186. Das Team besteht aus 13 Teilzeitkräften: sechs ausgebildeten Familien-Hebammen, zwei Hebammen/Diplom-Sozialpädagoginnen und fünf Kinderkrankenschwestern – sowie drei Koordinatorinnen und einer administrativen Kraft.

Sie betreuen die Schwangeren in der Regel bis zum ersten Geburtstag ihrer Kinder. Manchmal reicht ein Besuch im Monat, doch kommt es zu Krisen, sind die Familien-Hebammen mehrmals pro Woche im Einsatz – und kommen an ihre Grenzen. Dann kooperieren sie mit Einrichtungen wie dem Fachdienst Jugend.

Das funktioniert, weil Probleme in Familien noch immer schambesetzt sind und Betroffene sich nicht selbst um Hilfe bemühen: „Die Unterstützung durch eine Hebamme ist gesellschaftlich akzeptiert und nicht mit Ängsten besetzt“, weiß Sabine Fortmann. Deshalb seien die Familien-Hebammen Türöffner für den Fachdienst Jugend oder weitere Beratungsstellen.

Die Ausführungen der Koordinatorin machten spürbar: Es ist eine beglückende Aufgabe, in Familien in Ausnahme-Situationen zu einem erfolgreichen Start ins Leben beitragen zu können. Andererseits werden sie auch mit traurigen Wechselfällen des Lebens konfrontiert – zum Beispiel dann, wenn eine begleitete Schwangere ihr Kind völlig unerwartet durch eine Fehlgeburt verliert.

Die Beratungen sind kostenfrei und die Familien-Hebammen unterliegen der Schweigepflicht.

Betreuungsgründe 2018

Minderjährig schwanger (12), alleinerziehend (44), Migrationshintergrund (74), Gewalterfahrung (28), Isolation (17), Suchtgefahr (4), psychische Erkrankung (53), schwierige materielle und psychosozial belastende Lebenssituation (117), unsicher/überfordert (140).

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