Verdiente Züchter im Herdbuchverein Diepholzer Gans geehrt

Bedrohte Haustierrasse auf dem Tisch

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Im Herdbuchverein für die Diepholzer Gans wurden die Züchter der bei der jüngsten Ausstellung am besten bewerteten Tiere geehrt. 2. von rechts: Vorsitzender Horst Johanning.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Sie steht schon seit vielen Jahren als „stark gefährdet“ in der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen. Von der Diepholzer Gans gibt es nur noch etwa 180 Zuchttiere, um die sich etwa 20 im Herdbuchverein organisierte Züchter kümmern.

Jetzt tritt eine weitere Organisation an, die die Diepholzer Gans ebenfalls als eigenständige Rasse erhalten möchte – allerdings mit anderen Mitteln als die engagierte Hobbyzucht und aus anderen Beweggründen: Slow Food. 

Das Convivium Diepholz, wie die Slow Food seine Regionalgruppen nennt, hat sich dafür eingesetzt, dass die internationale Vereinigung die Diepholzer Gans in die „Arche des guten Geschmacks“ aufgenommen hat (wir berichteten). In dieser „Arche“ schützt Slow Food – seit 1992 auch in Deutschland als Verein aktiv – 4 600 regional wertvolle Lebensmittel, Nutztiere und Kulturpflanzen. Beim „Diepholzer Gänsetag“ machte Slow Food im Geschäft „Stöbern bei Recker“ darauf aufmerksam.

Genuss ohne schlechtes Gewissen

Wolbert Schnieders-Kokenge aus Ossenbeck, stellvertretender Leiter des Convivium Diepholz und Halter von Diepholzer Gänsen, servierte Gänseschmalz und selbstgemachte Gänseleberpastete – diese selbstverständlich nicht aus tierquälerisch erzeugter Stopfleber, sondern von artgerecht gehaltenen Diepholzer Gänsen. Slow Food setzt sich für nachhaltige, umweltfreundlich erzeugte Lebensmittel ein, die man ohne schlechtes Gewissen genießen kann.

Selbstmachte Gänseleberpastete und Schmalz – beides von Diepholzer Gans – bot die Regionalgruppe („Convivium“) von „Slow Food“ beim „Diepholzer Gänsetag“ an – hier (von links) Wolbert Schnieders-Kokenge, Mechthild Kokenge und Leiter Hans Schüler.

In der Vermarktung der Diepholzer Gans als hochwertiges Lebensmittel sieht Slow Foot eine Chance für deren Erhalt. Ein Ziel könnte sein, dass beispielsweise Bio-Bauern die Rasse professionell und in größerem Umfang halten, züchten und auch überregional vermarkten. Dass die Tiere als Braten teurer sind als eine polnische Mastgans aus Massentierhaltung, ist klar. „Aber einen Markt dafür dürfte es geben“, meint Wolbert Schnieders-Kokenge.

Ein Vorteil der Rasse Diepholz Gans ist, dass die Tiere robust sind und auch auf der Weide gehalten werden können – eine Eigenschaft, die in der modernen industriellen Tierhaltung nicht gefragt ist. Hans Schüler (Bremen), Leiter der Slow-Food-Regionalgruppe Diepholz, unterstützt das.

Züchter auch aus anderen Regionen

Unterdessen schafft der Herdbuchverein Diepholzer Gans weiterhin mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer die Basis dafür, dass die Haustierrasse überhaupt noch existiert. Die Mitglieder kommen nicht nur aus Diepholz und Umgebung, sondern auch aus dem Osnabrücker Land und anderen Regionen Deutschlands. Sie betreiben die Zucht und Haltung meist hobbymäßig. 30 Züchter und Partner konnte Herdbuchvereins-Vorsitzender Horst Johanning im Landhaus Milbe in Aschen zum alljährlichen Gänse-Essen begrüßen. Dabei überreichten er und der stellvertretende Diepholzer Bürgermeister Gerhard Albers Pokale an die Mitglieder, die bei der Diepholzer Geflügelausstellung im September die besten Exemplare der Diepholzer Gans gezeigt hatten.

Von der Rasse Diepholzer Gans gibt es nur noch 180 Zuchttiere.

Den Pokal für die beste Gesamtleistung bekam dabei die Zuchtgemeinschaft Dreyer (Bassum), die auch den besten Altganter und die beste Reservegans zeigte. Weitere Pokale gab es für Heinz Bollhorst aus Sankt Hülfe (bester Jungganter, bestes Paar, beste vier Gänse), Horst Johanning aus Diepholz (beste Junggans, beste sechs Gänse), Bernd Hörnschemeyer aus Bersenbrück (beste Altgans), Luise Kuhlmann aus Bramsche (Reserveganter), Lars Schaale aus Hüde (beste fünf Gänse) und Marc Curth aus Diepholz (beste drei Gänse).

Bei dem Treffen wurde auch deutlich, dass ältere Herdbuchvereinsmitglieder ihre Zucht aus gesundheitlichen Gründen stark verkleinert haben und Nachwuchs als Züchter eher die Ausnahme ist. Die Diepholzer Gans als seit Ende des 19. Jahrhunderts herdbuchmäßig gezüchtete Rasse zu erhalten, wird also nicht einfacher.

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